Karriere & High Heels oder Hundeblick?

Worauf würdest Du verzichten, um Deine Träume zu erfüllen?

Hundeblick

Welches sind Deine wahren Sehnsüchte – High Heels, Porsche oder Hundeblick?

Hast Du auch das Gefühl, dass wir in der westlichen Welt heutzutage in einer Zeit des „Alles-ist-möglich“ leben? Zumindest suggeriert uns das die Wirtschaft mit ihrer Werbung.

„Erfülle Dir alle Deine Träume und Sehnsüchte gleichzeitig und sofort!“

Das ist vielfach die Botschaft. Wenn Du nur die richtigen Produkte kaufst, zur entsprechenden „Lifestyle Gruppe“ gehörst, im angesagten Unternehmen arbeitest und dort anerkannt wirst. Du kannst jeden Tag aufs Neue problemlos die Person sein, die Du gerade sein möchtest. Und zwar mit ausgeglichener „Work-Life-Balance“, wie das so schön neudeutsch heisst.

Jahrelang hatte ich daran geglaubt und entsprechend gelebt, gearbeitet und konsumiert. Und trotzdem ertappte ich mich immer wieder beim Gedanken an ein anderes Leben. Träume und Sehnsüchte, die eben nicht erfüllt werden konnten mit dem tollen Job, genügend Geld und dem richtigen Konsum.

Wieso können die anderen morgens mit ihren Hunden spazieren gehen?

Auf dem Weg zum Büro fuhr ich täglich über die Isar Brücken in München. Während ich oft im morgendlichen Stau stand und von dort aus Leute mit ihren Hunden herumtollen sah, dachte ich jedes Mal sehnsüchtig: „Was für ein schönes Leben muss man haben, wenn man unter der Woche morgens um halb acht mit seinem Hund Gassi gehen kann“. Und wie gerne würde ich das auch tun…

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Atlantik statt Isar. (Aber davon wagte ich früher erst recht nicht zu träumen…)

Aber das konnte ich mir natürlich nicht erlauben, weil ich:

  • Arbeiten und Geld verdienen musste.
  • Als arbeitender Single in einer Stadtwohnung gar keinen Hund halten konnte.
  • Ins Büro natürlich keinen Hund mitnehmen durfte.
  • Gar keine Zeit hatte, nur annähernd über Alternativen nachzudenken.

Also blieb mir nichts anderes übrig, als weiterhin sehnsüchtig die glücklichen Hundebesitzer aus der Ferne zu beobachten. Und bei jedem Hund, der mir begegnete, einen kleinen Stich in der Herzgegend zu verspüren, wenn mich zwei treue Hundeaugen anschauten. Der Traum blieb lange Jahre unerfüllt, die Sehnsucht blieb.

Ähnlich erging es mir im Laufe der Zeit mit anderen Sehnsüchten, die sich ihren Weg bahnten von meinen Gehirnwindungen in die Herzgegend.
Sehnsüchte, deren Erfüllung ich teils bereits als Kind kennen gelernt hatte – und die mir als intensiv arbeitende Erwachsene aus Zeitmangel nicht mehr möglich war.
Träume, die ich als Kind träumte – und deren Erfüllung mir damals für das Erwachsenenleben in Aussicht gestellt worden war.

Ehrlicherweise muss ich auch zugeben, dass sich einige davon ja auch erfüllt hatten. Aber eben nur die materiellen, all die käuflichen schönen Sachen. Mit denen wir als Kinder der zweiten Nachkriegsgeneration motiviert und geködert wurden.

Was war aber mit den anderen, den immateriellen Dingen? Den Träumen, die vor allem das Gefühl ansprechen und die Seele? Ich sehnte mich danach, endlich (wieder):

  • Eine funktionierende Beziehung zu haben.
  • Mehr Zeit zu haben, um achtsamer leben zu können.
  • Die Jahreszeiten bewusst wahrnehmen zu können.
  • Spass und Freude zu haben an der Natur.
  • Zeitintensive Hobbies in Angriff zu nehmen.
  • Ein Buch zu schreiben.
  • Längere Reisen unternehmen zu können.

Aber das ging natürlich nicht, weil ich meinte, der einmal eingeschlagene Karriere Lebenslauf darf auf keinen Fall unterbrochen oder verlassen werden…

…20 Jahre lang! Und darauf hatte ich mein Leben auch ausgerichtet. Für Jobs bin ich x-mal umgezogen, habe im Zweifel Beziehungen eher beendet oder gar nicht erst ernsthaft begonnen. Die Arbeit, die damit verbundene finanzielle Sicherheit  und nicht zuletzt das Prestige gingen stets vor. Und ich sah auch keine Alternativen.

Entscheide Dich!

Als ich dann meinen heutigen Mann in der Schweiz kennenlernte, stand ich nach einiger Zeit das erste Mal wirklich vor der Entscheidung: Karriere oder Privatleben?

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Vor dem Alpsteingebirge im Appenzellerland.

Denn dort, wo er wohnte, gab es weit und breit kein Unternehmen, das nur annähernd stringent in meinen Lebenslauf gepasst hätte. Ausserdem hätte vermutlich ein ähnlicher Job wie bisher über kurz oder lang wieder das „Beziehungs-Aus“ bedeutet. Und das wollte ich dieses Mal auf keinen Fall riskieren.

Die Alternative? – Bei ihm in seinem selbständig geführten Architekturbüro mitarbeiten.

Und da kamen sie auch schon, die Bedenkenträger in meinem Umfeld, die sogenannten guten Freunde und Kollegen
mit ihren Killer-Argumenten:

  • „Du willst Deine finanzielle Unabhängigkeit aufgeben?“
  • „Umzug in ein anderes Land für eine Beziehung riskieren?“
  • „Die BMW Rente und den sicheren, gut dotierten Job aufgeben?“
  • „Mit Deinem Lebenslauf für deutlich weniger Gehalt arbeiten?“
  • „Du hast doch keine Ahnung von Architektur und Immobilien!“
  • „Von einem bekannten Markenunternehmen in ein kleines, unbekanntes Büro?“
  • „Beruf und Privatleben verbinden?“
  • „Von der schicken Grossstadt aufs Land in ein kleines Dorf?
  • „Gibt es da überhaupt eine Oper?“ (Anmerkung: ich bin auch in München nie in die Oper
    gegangen!)
  • „Du kennst dort doch gar niemanden!“

„DU SPINNST!“

Ach, gäbe es doch mehr glückliche Spinner!

Was soll ich sagen? Manchmal ist es das einzig Richtige, „zu spinnen“! Deinem Bauchgefühl zu folgen, alle Bedenkenträger hinter Dir zu lassen, nur Deinem eigenen Instinkt und Deinen Sehnsüchten und Träumen zu folgen. Die richtigen Menschen zu erkennen, die ähnliche Träume und Sehnsüchte haben wie Du. Und diese dann mit ihnen Stück für Stück umzusetzen…

Inzwischen gehen wir jeden Morgen, glücklich lächelnd, mit unserem Hund „Monsieur Monet“ Gassi, bevor wir den Büroalltag in der eigenen kleinen Firma eröffnen. Und grüssen fröhlich alle, die uns auf ihrem Weg zur Arbeit begegnen. Wohl wissend, was sie möglicherweise gerade denken.
Bei Sonne, Wind und Wetter nehmen wir die kleinsten Veränderungen der Jahreszeiten wahr. Und freuen uns darüber, unser tägliches Training, anstatt in einem muffigen Fitness Studio, in der Natur und an der frischen Luft zu absolvieren. Bei dieser Gelegenheit habe ich bereits viele nette Menschen getroffen und kennen gelernt. In dem kleinen Dorf auf dem Land, wo man sich wenigstens noch grüsst, wenn man sich trifft.

Selbstbestimmt arbeiten und leben mit allen Konsequenzen.

Beruflich habe ich es schätzen gelernt, in einem sehr kleinen Unternehmen all das machen zu können, was ich im Studium einmal gelernt hatte. Von der Administration, Finanzen, Personalverwaltung bis zum Marketing. Entscheidungen direkt und schnell treffen zu können, anstatt nur ein kleines Rädchen in einem Riesenuhrwerk zu sein. Den Erfolg oder die Kostenstruktur direkt zu sehen und entsprechend selbst beeinflussen zu können. Unternehmertum in all seinen Facetten zu erleben und mit zu gestalten. Und sich seine Zeit einteilen zu können. Natürlich auch mit den damit verbundenen Risiken. Aber die gibt es auch im Angestellten Dasein.

Und die vernachlässigten Hobbies?

Nun, ich schreibe, wie Du siehst. Koche mit noch mehr Muse als früher und mache damit nicht nur mich glücklich. Ich fotografiere und setzte die Fotos mit meinem Mann in Filme und Bücher um.

Vor allem aber reise ich gerne und viel gemeinsam mit meinem Mann und unserem Hund.

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Du sagst jetzt vielleicht: „Ach, die hatte halt einfach Glück, dass sich das alles so gefügt hat.“ Das mag zu einem gewissen Grad auch so sein. An dieser Stelle ein dickes „Danke“ an mein Schicksal (und an alle, die mich geprägt haben)!

Aber natürlich verzichte ich auch auf viele Dinge aus meinem früheren Leben, um das jetzige realisieren zu können. Ganz bewusst und ohne Reue. Im Gegenteil, es macht mir sogar richtig Spass, nicht mehr „zu shoppen bis der Arzt kommt“…und es ist sehr entspannt, nicht mehr so wichtig sein zu müssen. Denn sag mal ehrlich:

  • Was ist eine Karriere im Vergleich zu einer glücklichen Beziehung?
  • Ein grosses Haus im Vergleich zu einem gemütlichen Heim?
  • Essen in teuren Restaurants oder ein Paar Designer High Heels im Vergleich zu einem treuen Hundeblick?

Sehnsüchte und Träume? Wird es geben, solange Du lebst…aber ich weiss jetzt, wenn sie Dir wirklich wichtig sind, und sie Dich nicht mehr loslassen. Wenn Du bereit bist, ein paar Dinge in deinem Leben zu ändern und auf andere ganz zu verzichten, dann kannst Du sie realisieren.

Oder wie Tim Curry als Dr. Frank N. Furter in der Rocky Horror Picture Show so treffend singt :

„Don’ t dream it, be it!“

Wovon träumst Du? Und worauf würdest Du dafür verzichten?

nurMUT…folge Deiner Sehnsucht und Deinem Gefühl. Petra

3 Kommentare zu Karriere & High Heels oder Hundeblick?

  1. Soviele Parallelen – wie schön. Werde mich demnächst mal durch Deinen ganzen Blog klicken. Da sind sicher viele Anregungen dabei! glg
    Angelika

    • Liebe Angelika, danke gleichfalls…ich glaube unsere Kommentare haben sich gerade „in Vorarlberg“ gekreuzt 😉 Werde ebenfalls bei Gelegenheit bei dir weiter schmökern…Lg Petra

  2. Petra ich hoffe, dass viele die deine Lebenserfahrungen lesen und auf sich selbst Bezogen bei einer guten Gelegenheit auf sich einwirken lassen. Es gibt sicher vielen eine Entscheidungshilfe für ihre nicht für sie zufriedene Lage.
    Mögen deine Berichte viele lesen und ihnen Mut geben.

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