Alles hat seinen Preis

Vom Träumen und Ankommen auf dem harten Boden der Realität

„Sie machen das schon“.

Kaum angekommen in meinem neuen Traumjob bei Porsche, verstand ich relativ schnell: „Alles hat seinen Preis.“ Und welchen ich zu bezahlen hatte. Für das Prestige, die richtige Visitenkarte zücken zu dürfen. Es erwartete mich nicht der übliche 8 to 5 Job, sondern viel eher ein 8 to 10 plus Wochenendarbeit zuhause. Aufbauarbeit wurde verlangt, und zwar im Einzelkämpfer Modus.

Hätte ich nicht meine fleissigen Praktikantinnen gehabt, die neben ihrer Arbeit auch immer die Stimmung hoch gehalten haben mit ihrem jugendlichen Humor. Ich hätte vermutlich schon sehr früh wieder das „Handtuch“ geschmissen.

Aber frei nach meinem Motto und Glaubenssatz:
„Es gibt nix, was man nicht kann“, kämpfte ich mich auch hier durch und machte einen guten Job.
Von meiner neuen Umgebung in Stuttgart bekam ich allerdings herzlich wenig mit. Denn ich verliess die Wohnung morgens im Dunkeln und kam im Dunkeln wieder nach Hause. Privatleben? Hatte ich sowieso schon vorher kaum, die Reste davon in München zurück gelassen. Dort fuhr ich ab und zu am Wochenende gehetzt hin, um meist ebenfalls nur „Konflikt-Management“ zu betreiben.

Mit dem Porsche Vorstand bei Mac Donalds.

Dafür verantwortete ich wunderbare Produkte, schneiderte massgerechte internationale Marketing-Konzepte, Werbekampagnen, Katalogtexte. Und setzte den Grundstein für ein umfangreiches Luxus Accessoires Sortiment, das neben dem geplanten Umsatz auch die Marke emotional weiter aufladen sollte.

Referierte, jedes Mal innerlich mit einer Scheissangst und Lampenfieber, nach aussen jedoch cool, vor internationalem Publikum in deutsch und englisch. Traf Porsche Vorstände nachts um 22:00 noch beim örtlichen Mac Donalds auf einen Burger mit Pommes. Bevor ich total erschöpft in meine kaum bewohnte Wohnung kam, wo ich nicht einmal die Nachbarn kannte. Und nur ein einsamer Joghurt mit abgelaufenem Verfallsdatum im Kühlschrank traurig auf mich wartete. Von meinen tristen Topfpflanzen gar nicht zu reden.

Ich lernte viele interessante Menschen im Job kennen, alle jung, dynamisch, ehrgeizig, wie ich. Jettete mit meinem Chef nach New York und San Francisco für Marktforschungsstudien, besuchte internationale Messen in Paris, Mailand, Genf…fuhr zum Foto Shooting nach Nizza…“hallo, was kostet die Welt?“

Eben, sie kostet immer etwas. Mein Leben war plötzlich Porsche. Meine Themen waren Porsche. Und meine Freunde? Waren genervt und schliesslich zum grössten Teil weg, weil sie mein Business Geschwafel und mein gestresstes Gejammer nicht mehr ertragen konnten.

Das müssen Sie ganz leidenschaftslos sehen.

Wenn mich zwischendurch Zweifel plagten, ob die Welt denn all die wunderbaren Produkte überhaupt braucht, die Jahre meines Lebens in Anspruch nahmen, meinte mein Chef immer nur lapidar: „Sie müssen das ganz leidenschaftslos sehen… schliesslich erfüllen wir die soziale Aufgabe, das Geld der Leute in den Umlauf zu bringen. Weg vom Konto rein in den Kreislauf der Wirtschaft. Das schafft Arbeitsplätze und Bruttosozialprodukt.“
Ach so, jaja. Klar. Weitermachen….“der funktionale Reisekoffer aus Schuss sicherem Material“…“der Kaschmir Pullover aus besonders weichen Haaren der nepalesischen Kaschmirziegen, die unterm Kinn und hinter den Ohren geschoren werden“… „Der super einklappbare Golfwagen, der garantiert in den Kofferraum passt“…die Liste war endlos…unsere Diskussionen ebenso. Und ich wollte und konnte meinen Job einfach nicht leidenschaftslos sehen. Herzblut steckte in jedem Detail und allem, was ich tat.

Gut, wenn man einen Schutzengel hat.

Es kam, wie es kommen musste. Heute nennt man das wohl „Burn-Out“, ich war einfach nur gestresst. Wollte, wie so viele, in meiner knapp bemessenen Freizeit das überschüssige Adrenalin abtrainieren, mal „so richtig auspowern“, „den Kopf frei bekommen“.
Und bin losgefahren, mit meinen Inline Skates, am Wochenende bei meinen Eltern. Als meine Mutter mir noch nachrief: „Fahr vorsichtig!“ „Was Mütter immer haben“, dachte ich mir noch und donnerte los, den Wind um die Ohren, die Sonne im Gesicht, den Rucksack mit den Wanderschuhen auf dem Rücken.
Immer schneller fahren, nur weg hier, weg von meinem Stress, weg von der verkrachten Beziehung in München…schnell vorbei an dem langsam wandernden, lächelnden Rentnerpärchen. Um die nächste Kurve noch…die habe ich leider nicht mehr gekriegt. Zu spät zum Bremsen, zu schnell zum Kurven. Ein brennender Schmerz im Rücken, Kribbeln in den Beinen. Total benommen finde ich mich auf dem Boden liegend wieder. Die Rentner kommen gelaufen, versuchen, mir aufzuhelfen, es geht nicht.

Was folgte, war das volle Programm: Krankenwagen, Röntgenaufnahmen, besorgte Gesichter und die niederschmetternde Diagnose: Bruch des oberen Lendenwirbels. Glück im Unglück, Rückenmark knapp unversehrt. Meinem arg strapazierten Schutzengel sei Dank! Therapie:  4 Wochen striktes Liegen auf dem Rücken im Spital, danach 8 Wochen Reha, um wieder Laufen zu lernen.

Meine erste Reaktion: „3 Monate Ausfall? Das geht doch nicht, ich muss in 3 Wochen nach USA zur Boxster Einführung!“

Mit einem weinenden Auge

Nun, die Boxster Einführung lief auch ohne mich perfekt und reibungslos. Unter anderem dank meiner fleissigen, mutigen Praktis!
Man möchte vermuten, ich hätte viel Zeit zum Nachdenken und lernen gehabt. Hatte ich auch. Wenigstens meine zerrüttete Beziehung wurde in der Zeit endlich endgültig ad acta gelegt.
Und nach 3 Monaten war ich auch, (fast) wieder ganz die Alte, im Job zurück. Aber nichts war wie vorher. Die Luft war raus, die Leidenschaft verflogen, das Hamsterrad drehte sich jedoch weiter. Nach einem weiteren Jahr verliess ich traurig, aber auf eigenen Wunsch meine Traumfirma. Am letzten Tag weinend wie ein Schlosshund . Ich hatte es mir so sehr gewünscht, aber der Preis war einfach zu hoch…und meine Leidenschaft zu gross! Also brach ich auf zu neuen Ufern… noch immer mit meinen alten Glaubenssätzen und in der Hoffnung, woanders wird alles anders.

Hatte ich etwas gelernt? Nun, zumindest wurde es andersleider nicht besser…hinterher ist man immer schlauer…aber im Zweifel dauert das Jahre…und man durchläuft die gleichen Verhaltensmuster wieder und wieder…solange bis man seine Lektion gelernt hat.
Oder jemanden trifft, der das kennt. Tipps geben kann und Mut macht. Der ähnliches bereits erfahren hat…und einen Schritt weiter ist.

nurMUT…alles ist immer für irgend etwas gut. Petra

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