Sabbatical oder Aussteigen?

Vom Ankommen und Aussteigen.

Der Begriff „aussteigen“ ist ein sogenanntes starkes Verb. Ebenso wie das Verb „umsteigen“ benutzen wir es relativ oft im Zusammenhang mit Fahrzeugen oder Beförderungsmitteln. Wenn wir z.B. „aus dem Auto, der Bahn oder dem Flugzeug aussteigen“

Somit lautet auch die erste Definition im Duden:

„Ein Fahrzeug, Beförderungsmittel verlassen“.

Wie Du Dir unschwer denken kannst, geht es in diesem Blog aber um die zweite, eher umgangssprachliche Bedeutung, die der Duden so definiert:

„Sich bei etwas nicht mehr beteiligen“.

„Etwas aufgeben, bei etwas nicht mehr mitmachen“.

Oder um die dritte, etwas absoluter gefasste Definition:

„Seinen Beruf, seine gesellschaftlichen Bindungen oder Ähnliches aufgeben (um von allen Zwängen frei zu sein)“.

Sicherlich hast Du bereits einige Vorstellungen im Kopf von den sogenannten Aussteigern.

Vielfach drängt sich das Bild auf von:

  • Hippies
  • Weltverbesserern
  • Rucksack Touristen
  • Freakigen Boutiquenbesitzern auf Ibiza 
  • Meditierenden Sinnsuchenden in Indien

Viele von uns assoziieren mit dem Aussteigen oder denen, die es tun, etwas Verrücktes, Unnormales, abseits der gesellschaftlichen Norm. Unsicherheit, Aussenseitertum, Risiko. Eigentlich eher etwas für Freaks.

Sabbatical oder Aussteigen?

Aber keinesfalls etwas für den normalen Durchschnittsbürger, den Etablierten, gesellschaftlich Verankerten und Fortschrittlichen. So habe ich zumindest in meiner früheren Berufswelt auch lange gedacht. Aussteigen in diesem Sinne kam für mich viele Jahre noch nicht mal im Ansatz gedanklich in Frage.

Wieso träumen dennoch immer mehr der „Normalen“, „Etablierten“, „Erfolgreichen“ und „gesellschaftlich Anerkannten und Verankerten“ genau davon?

  • Von der einsamen Insel.
  • Endlich einmal „alles hinzuwerfen.
  • Einmal ganz etwas anderes zu tun.
  • Den Kopf frei zu bekommen.
  • Von der persönlichen Selbstbestimmung.
  • Nicht mehr mitzumachen im Alltags- oder Konsum Wahnsinn.
  • Sich frei zu machen von der Meinung der anderen, der Masse.

Wieso sind Begriffe wie Sabbatical, das temporäre Aussteigen, inzwischen so populär, dass grosse Firmen diese „Aussteiger-Modelle auf Zeit“ ihren Mitarbeitern sogar aktiv anbieten im Rahmen ihrer Personalpolitik? Und wieso beneiden wir die Kollegen, die es dann auch tatsächlich realisieren, ihr persönliches Sabbatical?

Warum wächst und boomt der Zeitschriften-, Freizeit- und Coachingmarkt derzeit genau in Richtung Auszeit? Klosteraufenthalte für Manager, Selbstfindungskurse auf Weingütern, Yoga- und Meditationswochen auf Bauernhöfen. Die Liste organisierter Teilausstiegszeiten ist unendlich.

Eigentlich träumen wir doch alle hin und wieder mal vom Ausstieg. Wenn einem wieder einmal alles zu viel zu werden scheint. Die Welt sich gegen einen verschworen hat, und die eine oder andere Sinnkrise anklopft.

Und vielfach würde dann ja auch wirklich ein „kurzes Aussteigen“, Innehalten und neu Bewerten helfen. Oder eben ein längeres. Wenn Du Dich nur trauen würdest. Und wüsstest, wie man das anstellen könnte.

Meist steigt man aus, wenn man angekommen ist. Oder wenn das Fahrzeug eine Panne hat. Am Ende eines Reiseabschnittes, um sich für den nächsten vorzubereiten. Oder am Ziel.

Somit sind die verschiedenen Definitionen des Aussteigens im Duden gar nicht so weit entfernt voneinander.

Vielleicht steigt man ja aus seinem bisherigen Leben ebenfalls aus, wie aus seinem Fahrzeug, wenn man angekommen ist…nämlich bei sich selbst. Oder am richtigen Ort, beim richtigen Menschen, im richtigen Umfeld. Wenn man endlich weiss, was einem persönlich wirklich wichtig ist. Und welche Prioritäten man für den Rest seines Lebens setzen möchte. Wenn man bewusst entscheidet, wo man weiterhin gerne mitmachen möchte. Und wovon man in Zukunft doch lieber die Finger lässt.

Und genau um diese Art des Aussteigens geht es hier in diesem Kapitel.

Sowohl um das zeitlich begrenzte Aussteigen, wie z.B. berufliche Auszeiten und Sabbaticals. Die einem Freiräume im sonstigen hektischen Alltag bieten. Um in Ruhe und mit Zeit seine eigenen Prioritäten zu bewerten und weiter zu definieren. Um die weitere Richtung seines Lebens persönlich und bewusst beeinflussen zu können.

Aber auch um das längerfristige Aussteigen, die komplette Veränderung von Arbeits- und Lebenssituationen. Die Neubewertung und Neuausrichtung des eigenen Lebensalltags.

Und dazu muss man eben kein verrückter Freak sein. Im Gegenteil. Die Erfahrung zeigt, dass gerade viele von denen, die lange Zeiten ihres Lebens gut funktioniert haben und gesellschaftlich perfekt etabliert waren, irgendwann das Bedürfnis spüren nach mehr Selbstbestimmung, eigenen Prioritäten und dem Aussteigen aus alten Verhaltensmustern und Zwängen.

Um nachhaltig und sinnvoll aussteigen zu können, braucht es Planung mit Sinn und Verstand und keine verrückte Spontanität. 

Denn eines sollte jedem „Aussteiger in spe“ klar sein. Nichts ist umsonst im Leben. Und es reicht nicht, „mit den berühmten drei Lieblingsdingen auf eine einsame Insel zu verschwinden“, und der Rest wird sich schon finden.

Aussteigen ist ein Prozess und bedingt viel Zeit und Ruhe, um

  • planvoll an neuen Visionen, Lebens- und Einkommensmodellen zu arbeiten.
  • sich bewusst zu werden, worauf man in Zukunft verzichten kann und muss, um dafür andere Dinge umsetzen zu können.
  • Mut zur Lücke zu beweisen, um andere Lücken zu füllen.

Nachhaltiges Aussteigen erfolgt daher auch meist in Etappen und nicht abrupt oder plötzlich.

Für alle diejenigen, die immer wieder mit dem Gedanken spielen, nicht nur umzusteigen oder zu verändern, sondern zeitweise oder komplett auszusteigen aus bestimmten Mustern, Verhaltensweisen, Konsum- und Gesellschaftszwängen, gibt dieses Kapitel Anregungen, Beispiele, Tipps und viele eigene Geschichten aus dem Nähkästchen.

Fahr doch gern ein Stückchen mit mir mit, um irgendwo auf der Reise anzukommen und auszusteigen!

nurMut…ankommen um auszusteigen tut gut…Petra

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