Wie wir in Kapstadt einen Königssohn aus Kamerun trafen.

Und dabei einen geheimnisvollen Stuhl fanden.

Afrikanischer-Holzstuhl

Souvenirs aus Kapstadt – ja oder nein?

Bist Du ein Souvenir Jäger, wenn Du auf Reisen gehst? Oder meidest Du die klassischen Souvenir Meilen in den Feriengebieten eher wie der Teufel das Weihwasser? Gehört das originelle Mitbringsel für die lieben Daheimgebliebenen oder das Erinnerungsstück für Dich dazu? Oder nimmst Du Deine Erinnerungen lieber in Gedanken und auf Fotos mit?

Wir sind diesbezüglich etwas ambivalent. Denn die typischen Souvenirläden sind uns ein Graus, und wir meiden sie, so gut wir können. Weil die Souvenirs vielfach austauschbar sind, sowieso oft nicht mehr wirklich landestypisch, sondern meist Massenware „Made in China“.

In Kapstadt wurden wir allerdings eines Besseren belehrt. Was uns am Ende nicht nur originäre Erinnerungsstücke bescherte, sondern auch ein Zusammentreffen der besonderen Art. Das wir so schnell nicht mehr vergessen werden.

Bei unserer Südafrika Rundreise vor einigen Jahren gönnten wir uns am Ende noch ein paar Tage in Kapstadt, wo wir bei einem guten Freund wohnten. Mit ihm unternahmen wir Streifzüge durch die verschiedenen Stadtviertel. Einer dieser Ausflüge führte uns natürlich auch in die berühmte Long Street, die historische Hauptstrasse im Zentrum Kapstadts. Wo es neben schönen alten Gebäuden und berühmten Restaurants, wie z.B. dem „Mama Africa“, auch den Pan African Market gibt.

Der Pan African Market in der Long Street

In einem historischen Gebäude findet man dort in über 30 unabhängigen Shops eine unglaubliche Vielfalt an afrikanischer Stammes Kunst und Kunsthandwerk aus mehr als 10 verschiedenen Ländern. Über drei grosse Stockwerke hinweg tauchst Du hier ein ins schwarze Afrika. In verwinkelten Räumen, auf Treppen und in schummrigen Nischen finden sich kunstvolle Holzschnitzereien, exotische Möbel, bunt gemusterte Textilien und filigraner Schmuck. Alltägliche Gegenstände und schaurig schöne oder edle Masken. Unter anderem aus Kamerun, Nigeria, Kenya, Mali, Senegal, Mozambique, Äthiopien, Südafrika . Fast jeder Winkel des Gebäudes ist dekoriert und voll von afrikanischen Schätzen. Wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Du solltest auf jeden Fall sehr viel Zeit und Musse mitbringen, um Dich in Ruhe in dieser spannenden Schatzkammer umzusehen. Auch wenn manche der rituellen Figuren für uns Europäer ein wenig ungewohnt und nahezu gespenstisch wirken, ist ein Rundgang durch den Pan African Market wirklich ein besonderes Highlight des Kapstadt Besuches.

Stuhl und Tisch

Alleine auch deshalb, weil hier grosse Teile Afrikas in Kunst und Handwerk auf relativ kleinem Raum vereint sind. Und nicht nur die Produkte repräsentieren den afrikanischen Kontinent. Auch die Anbieter und Verkäufer hier sind etwas ganz Besonderes. Denn auch sie sind vielfach aus den verschiedenen afrikanischen Ländern. Und mit ihrer teils typischen Kleidung ebenfalls sehr repräsentativ.

Nur keine Berührungsängste!

Die Atmosphäre hier erscheint im ersten Augenblick für uns Europäer ein bisschen unwirklich, in manchen Winkeln des Marktes geradezu unheimlich. Wenn Dich ein tief schwarzer Mann aus einer dunklen Ecke ansieht. Und Du in der düsteren Schummerbeleuchtung nur das Weisse seiner Augen und seine weissen Zähne blitzen siehst neben Dutzender dunkler Holzfiguren, Masken und Speeren. Dann kann einem diese Szenerie schon einen gewissen Respekt einflössen.

Dennoch brauchst Du keine Berührungsängste oder Scheu vor den Verkäufern dort zu haben. Denn die meisten sprechen Englisch, sind sehr freundlich und kommunikativ, wenn man sie anspricht. Sie geben sehr gerne Auskunft über ihre Waren. Und wie alle Verkäufer weltweit, wollen sie natürlich etwas an den Mann und die Frau bringen.

Ich interessierte mich für einen speziellen, wunderschön geschnitzten Holzstuhl mit Geheimfach unterm Sitz. Ich umrundete das Möbelstück mehrfach, ging wieder weg, kam erneut zurück. Irgendwie zog er mich magisch an, dieser leicht krumme, aber doch so majestätisch schöne massive Stuhl mit seinen beiden geschnitzten Figuren an der Lehne. Und dem Schiebetürchen zum Geheimfach. Bei meiner dritten Umrundung kam ein freundlich lächelnder Afrikaner auf mich zu. Ich dachte, dieses Einzelstück ist bestimmt unerschwinglich. Er grinste und signalisierte mir einen Spezialpreis. Auch wichtig zu wissen: alles hat hier grundsätzlich einen Spezialpreis. Was bedeutet, dass Du auf jeden Fall ein bisschen handeln solltest. Nicht zu viel und auch nicht unverschämt, aber ein bisschen schon. Das gehört zum Spiel.

Wir feilschten und diskutierten also über meinen „Lieblingsstuhl“, als mein Mann und unser Freund dazu traten. Der afrikanische Verkäufer seinerseits bekam ebenfalls Verstärkung von weiteren Anbietern, so dass wir bald in einer anregenden Diskussion steckten. Und uns weitere schöne Möbelstücke heran getragen und gezeigt wurden. Dazu wunderschön geschnitzte und mit Nägeln und Fetisch Kästchen dekorierte, kriegerisch wild wirkende Holzfiguren. Wir kamen aus dem Betrachten und Bestaunen nicht mehr heraus. Und feilschten und diskutierten mit den Herren Verkäufern wie auf einem „türkischen Basar“…oder eben auf einem afrikanischen.

Von Prinzen und weiteren Schätzen.

Nach einiger Zeit zückte einer der jungen Männer seine künstlerisch und bunt gestaltete Visitenkarte, überreichte sie uns. Und erklärte stolz, dass er der Sohn eines Stammeskönigs aus Kamerun sei. Begleitet von heftigem Nicken und Verbeugen der anderen umstehenden Verkäufer.

Prinz

Verdutzt schauten wir uns gegenseitig an: ein Prinz? Mir fiel unweigerlich die amerikanische Komödie „Der Prinz aus Zamunda“ mit Eddy Murphy ein. Wir wussten wirklich nicht, was wir nun glauben sollten. Guter Verkäufertrick? Oder echter Stammesprinz? Versteckte Kamera? Oder war hier nun wirklich ein bisschen mehr Ehrerbietung unsererseits gefragt? Zugegebenermassen kennen wir uns nicht mit den Stammesriten und Verwandtschaftsgraden afrikanischer Stämme aus.

Egal, die Herren waren freundlich zu uns, also waren wir es auch zu ihnen. Brachten ihnen unseren Respekt und Vertrauen entgegen. Und sichteten weiter ihre Produkte. Neugierig geworden über die lebendige Diskussion auf unserem Stockwerk kamen aus den anderen Etagen weitere Verkäufer dazu, die ebenfalls gute Geschäfte witterten. Man muss vielleicht dazu sagen, dass die wenigsten Touristen und Besucher wirklich viel mit den Anbietern redeten. Die meisten gingen schweigend und eher abwinkend durch das Haus. Kauften höchstens an einem kleinen Stand einen bunten Armreif oder ein Holz Nilpferd.

Aber wir boten nun anscheinend eine aussergewöhnliche Show und umgekehrt. Nach circa einstündiger Diskussion über mein auserkorenes Objekt der Begierde und weitere Schönheiten aus Holz, meinte der Prinz zu uns, er habe noch weitere besondere Kunstgegenstände. Nicht hier im Market, sondern zuhause in seinem Lager. Und er würde gerne mit uns dorthin fahren, um uns diese zu zeigen.

Misstrauen, Neugier oder Intuition?

Vermutlich leuchten jetzt bei einigen Lesern schon alle Alarmlampen auf „rot“. Mit fremden Schwarzafrikanern in unbekannte Gegenden fahren, um Kunstobjekte zu besichtigen? „Sind die den von allen guten Geistern verlassen“, wirst Du jetzt vielleicht auch denken. Man hört ja so manche Hiobsbotschaften aus Südafrika!

Wie so oft vertrauten wir einmal mehr unserem Instinkt und unserem Bauchgefühl. Und fuhren im eigenen Fahrzeug hinter dem Prinzen und seinem Gefolge in deren Pick Up hinterher. Landeten schliesslich in einer Schwarzen Siedlung am Zentrumsrand. Wurden dort von den Nachbarn interessiert beäugt und freundlich gegrüsst. Und bekamen schliesslich in einem der bescheidenen Häuschen tatsächlich noch weitere sehr schöne afrikanische Handwerksarbeiten und Kunstgegenstände zu sehen.

Wir schauten uns alles in Ruhe an und sahen auch hier wunderschöne handwerkliche Arbeiten afrikanischer Künstler.

Raubkatze

Da jedoch sowohl unser Budget als auch der Platz zuhause begrenzt ist, einigten wir uns schliesslich auf die Reservierung des bereits ausgesuchten Stuhles und einiger weniger anderer Objekte aus dem Markt. Wir leisteten eine Anzahlung, und der Prinz versprach uns, die ausgesuchten Objekte am nächsten Tag zu unserer Urlaubsadresse in Stellenbosch zu liefern. Ohne zusätzliche Kosten.

Am nächsten Vormittag stand wie vereinbart um zehn Uhr der Pick Up mitsamt dem Prinzen und Gefolge vor unserer Tür und lieferte uns den Stuhl und die anderen Sachen frei Haus. Bruchsicher und für den Transport gut verpackt. Die Ware und das vereinbarte Geld wechselten ihre Besitzer. Beide Seiten waren am Ende zufrieden und hatten aus ihrer Sicht ein gutes Geschäft getätigt. Überschwenglich wurden wir mit den besten Wünschen vom ganzen „Prinzen Team“ verabschiedet.

Geschichten mit Prinzen haben immer ein Happy End.

Mein wunderschöner geschnitzter Holzstuhl mit dem neckischen Holztürchen und integrierten Geheimfach steht nun schon seit Jahren prominent an der Stirnseite unseres Esstisches und erfreut mich täglich mit seinem Anblick. Und im Innern des Geheimfaches bewahre ich meine selbstgezogenen Blumensamen für die jeweils nächste Saison auf. Ob Du es glaubst oder nicht, seitdem gedeihen unsere Blumen besonders schön und üppig – vermutlich das gute Karma des Stuhls!

Ob wir unsere Geschäfte mit einem echten afrikanischen Prinzen getätigt haben? Oder mit einem geschäftstüchtigen, kreativen Südafrikaner? Ob wir noch mehr hätten feilschen sollen? Oder diesen freundlichen geschäftstüchtigen Burschen das bisschen mehr an Marge einfach gönnen sollten? Das liegt im Ermessen jeden Lesers. Und das weiss am Ende nur der geheimnisvolle Prinz selbst…aber ganz ehrlich, ist das wirklich wichtig? Wenn am Ende beide Seiten glücklich sind…

Ich muss jedenfalls stets schmunzeln, wenn ich auf dem Stuhl sitze oder an ihm vorbei gehe. Und an den Prinzen aus Kamerun denke.

Falls Du einmal in Kapstadt sein solltest, kann ich Dir den Besuch im Pan African Market nur sehr empfehlen. Und falls Du ihn dann dort triffst, den Prinzen, dann bestell ihm gerne einen lieben Gruss von mir!

Welche Souvenirs „mit Geschichten“, die Dir immer noch ein Lächeln entlocken, hast Du zuhause?

nurMut…es gibt sie noch, die echten Souvenirs mit Geschichte…und die Prinzen dazu. Petra

2 Kommentare zu Wie wir in Kapstadt einen Königssohn aus Kamerun trafen.

  1. Guten Morgen Petra,
    ja das südliche Afrika ist immer eine Reise wert. Aber dazu zählt natürlich nicht nur Südafrika sonder auch Namibia und Botswana. Diesen Artikel haben wir verschlungen da Du ihn sehr schön geschrieben hast. Den Pan African Market können wir auch empfehlen obwohl wir den Prinzen nicht getroffen habe. Im Dezember 2012 haben meine Frau Barbara und ich den Mut gefunden unser Leben zu ändern und sind seit dem auf der Reise unseres Lebens. Mach weiter mit diesem schönen Magazin, nurMut. Wolfgang & Barbara

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