Wie der Tapetenwechsel zum Paradigmenwechsel führt.

Geniesse das Leben ständig, denn Du bist länger tot als lebendig.

Wie der Tapetenwechsel zum Paradigmenwechsel führt

Oder: wir sind dann mal weg!

Vor fünf Jahren traf mich und meinen Mann der Tod eines geliebten Familienmitglieds sehr hart. Und löste neben den traurigen Emotionen des Verlustes eine ganze Reihe anderer Mechanismen in unserem Innern aus. Die richtungsweisend werden sollten für unsere nächsten Schritte in den folgenden Jahren.

Unser Zeitkonto kennt weder Habenzinsen noch Gutschriften.

Obwohl wir täglich medial mit zahlreichen Nachrichten und Berichten über Tod, Krankheit und Elend bombardiert werden. Oder vielleicht gerade, weil wir von den Medien permanent mit Katastrophen „überflutet“ werden. Und dazu tendieren, uns abzuschotten und diese Meldungen zu verdrängen. Trifft uns dann eine persönliche Katastrophe, z.B. der Verlust eines  Menschen, meist wie ein Hammer. Die Reaktionen darauf, von Ungläubigkeit und Verdrängung bis zum wirklichen Realisieren des Ereignisses sind vielfältig. Vorbereitet sind wir darauf jedoch in den meisten Fällen nicht.

Und erst dann, wenn ein nahe stehender Mensch uns verlassen hat, bekommen wir eine Ahnung von dem Wort Endlichkeit. Davon, dass Geburt und Tod eigentlich die Dinge sind, die für uns alle gleichermassen Gültigkeit haben. Egal, wo wir leben, wie wir leben oder wie alt wir sind. Ob wir glücklich oder unglücklich, arm oder reich, gesund oder krank sind. Bisher hat es noch kein einziger Mensch geschafft, unsterblich zu sein. Jeder von uns wird unweigerlich irgendwann sterben.

Aber daran denken wir doch nicht. Wer wird denn solche düsteren Gedanken hegen? Leben ist die Devise! Und dieser Meinung bin ich ja grundsätzlich auch.

Aber eben, immer dann, wenn um uns herum wieder ein für uns wichtiger Mensch die Welt verlässt, werden wir unweigerlich daran erinnert. An unser persönliches Zeitkonto. Von dem die meisten den aktuellen Haben Saldo glücklicherweise nicht kennen. Nur die abgebuchten Soll Beträge, die sind jedem wohl bekannt. Und sie werden täglich grösser, während die Habenseite unweigerlich abnimmt. Zusätzliche Gutschriften gibt es in den seltensten Fällen.

„Jeden Abend sind wir um einen Tag ärmer.“
 (Arthur Schopenhauer)

Und meistens heisst es dann in den Nachrufen: „Viel zu früh!“….“mitten aus dem Leben gerissen…“….“hatte noch so viel vor…“…“war stets für die anderen da…“…“dachte an sich zuletzt und war noch voller Pläne und Ideen“…

Und wir Hinterbliebenen? Nicken wissend mit dem Kopf. Bestätigen uns gegenseitig, dass man eigentlich das Leben viel mehr geniessen müsste. Bewusster leben, weniger arbeiten, andere Prioritäten setzen. Und vor allem im Hinblick auf die Endlichkeit doch einiges ändern im eigenen Leben. Sicherlich hast Du Dich selbst auch schon bei solchen Gesprächen weise reden hören.

Als ich ca. 8 Jahre alt war, schrieb mir eine ältere Freundin in mein Poesiealbum:

„Geniesse das Leben ständig, denn Du bist länger tot als lebendig“

Irgendwie was Wahres dran, oder?

Aber meistens geht das Leben weiter, man verarbeitet den Verlust, schliesslich gehört das eben auch zum Leben. Und man macht weiter wie bisher…bis der nächste nahe „Einschlag“ in der Umgebung kommt. Und mit zunehmendem Alter kommen diese „Einschläge“ eben leider immer öfter und immer näher.

Kürzer treten und verschnaufen, um längst Fälliges nachzuholen.

Für uns war der Verlust vor fünf Jahren ein so tief einschneidendes Erlebnis, dass wir zunächst beschlossen hatten, im darauf folgenden Jahr arbeitstechnisch etwas kürzer zu treten, um uns neu zu sortieren. Zeit und Ruhe zu finden, über das bisherige Leben zu reflektieren. Aber vor allem über das zukünftige, das Rest-Zeitkonto, nachzudenken. Prioritäten zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu definieren.

Deshalb beschlossen wir, uns konkrete Auszeiten zu gönnen. Kleine Sabbaticals und Tapetenwechsel, um den Kopf frei zu bekommen. Abstand zu gewinnen zum bisherigen Alltag. 

Und wir reisten. Wir, die all die langen Jahre zuvor höchstens einmal 8, vielleicht ganz selten 14 Tage am Stück Ferien gemacht hatten, reisten nun 4 Wochen durch Italien. Nach einer kurzen „Arbeitsphase“ zu Hause wieder einige Wochen nach Kroatien, Griechenland, quer durch Europa.

Und zwar nicht „all inclusive“ pauschal in die üblichen Hotels mit Animation und Entertainment. Sondern individuell, um Land und Leute wirklich wahrzunehmen und kennenzulernen. Und uns ein eigenes Bild zu machen von Europa, das dieser Tage immer wieder kontrovers und mit mancher Hiobsnachricht durch die Medien geistert.

Wir besuchten bewusst keine Sehenswürdigkeiten oder die sogenannten Hot Spots. Sondern reisten fernab der ausgelatschten Touristenrouten, und erlebten die bereisten Länder authentisch. Nebenbei frischten wir unsere Sprachkenntnisse auf. Etwas, was ich mir seit Schultagen auch immer wieder als guten Vorsatz vorgenommen hatte. Leider aber aus Zeitmangel bisher nicht geschafft hatte. Nun konnte ich die Sprachen endlich  im Land selbst und mit den Einheimischen praktizieren und dazulernen. Ganz etwas anderes als in der Schule! Macht viel mehr Spass!!

Nun nahmen wir uns einfach einmal diese Zeit, um lange ersehnte Reisen in Ruhe und mit Musse zu unternehmen. Um bewusst zu reisen. Und unser Zeit-Soll-Konto nicht nur mit banalen Alltags-Abbuchungen zu belasten, sondern mit intensiven, schönen Erlebnissen zu füllen. 

Man muss nicht immer müssen. 

Und mit jedem Tapetenwechsel gingen wir einen Schritt weiter auf unserem Weg zum persönlichen Paradigmenwechsel. Denn mit der Zeit machten wir die Erfahrung, dass wir durchaus entbehrlich sind in unserem „alten Alltagsleben“. Dass einige Dinge auch ohne uns weiterlaufen. Dass wir uns vielleicht sogar selbst ein bisschen zu wichtig genommen hatten. Und dass kleine oder auch etwas längere Auszeiten möglich sind, ohne dass unser ganzes bisheriges Leben zusammenbricht. Im Gegenteil, nach jeder Rückkehr aus unseren anfänglichen „Sabbaticals“ ging uns die Arbeit und das Alltagsleben sogar leichter von der Hand. Entspannung und Gelassenheit machten sich bemerkbar, wo früher Anspannung, Stress und Magenbeschwerden herrschten.

Die Auszeiten gaben uns persönlich die nötige Ruhe, um „wieder unsere Mitte zu finden“. Lästige frühere Zeitfallen aufzudecken und zu vermeiden. Eigene, neue Prioritäten herauszufinden und zu definieren. Aber am wichtigsten war für uns die Erfahrung, dass es tatsächlich auch ein erfülltes und funktionierendes Leben gibt abseits der fest vorgeschriebenen Bahnen. Die wir Beide vorher 20 Jahre und länger als die einzig möglichen erachtet hatten.

Es gibt nix, was man nicht kann! Wenn man es nur wirklich will.

Natürlich mussten auch wir unsere „Auszeiten“ planen und vorbereiten. Es wäre blauäugig zu glauben, dass man einfach abhauen könnte. Nach dem Motto „nach uns die Sintflut“. Denn dann könnte einem die Sintflut sehr schnell wieder einholen.

Um diese Überflutung zu vermeiden, sind einige grundlegende Voraussetzungen wichtig. Was dabei alles zu beachten ist, kannst Du lesen im Beitrag: „Träumst Du noch oder planst Du schon?“

nurMUT…ein Tapetenwechsel tut richtig gut. Petra

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