Vom Wohnmobil Skeptiker zum LKW Fahrer in einem Jahr.

Besondere Visionen erfordern besondere Massnahmen.

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„Wie seid Ihr denn darauf gekommen, mit einem Expeditionsmobil zu reisen?“

Diese Frage hörten wir in den letzten Jahren oft von Freunden und Bekannten. Und sie ist umso berechtigter, als wir Beide früher weder Camping- noch Wohnmobil Fans waren.

Im Gegenteil, ich persönlich muss sogar gestehen, dass Gedanken an Campingplätze, „Adiletten-Idyll“ und Gemeinschaftsduschen bei mir immer eher Fluchtreflexe hervorriefen. Man hätte mich als echten Wohnmobil Verweigerer bezeichnen können. Und auch Robert liess lange Zeit ein gewisses Verständnis vermissen gegenüber Wohnmobilen, die Autobahnen und Landstrassen verstopften, weil ihre Fahrer gemütlich die Landschaft bewunderten.

Vor einigen Jahren begannen wir allerdings, unser Leben neu zu priorisieren, indem wir einen unserer Lebensschwerpunkte auf das Thema Reisen legten. Bei der Vision zukünftiger Reisen ergaben sich für uns die folgenden Prämissen:

Hauptreisezeit: Winter und Nebensaison.

Wie die meisten Menschen planen auch wir unsere Frei- und Reisezeit in den arbeitstechnisch eher ruhigeren Jahreszeiten. Und das ist für die Bau- und Architektenbranche wetterbedingt hauptsächlich der Winter und die angrenzende Nebensaison.

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Winter in den Schweizer Alpen am Flüela Pass.

Hund muss mit!

Da wir seit einigen Jahren ein vierbeiniges Familienmitglied haben, das uns auf Schritt und Tritt begleitet. Und ohne das wir niemals länger als einen Tag sein wollen, hat sich unser Reiseverhalten entsprechend verändert. Das heisst, Flugreisen kommen für uns nicht mehr in Frage, weil unser Hund Monet immer dabei ist. Und wer seinen Hund wirklich liebt, der packt ihn nicht wegen einer Urlaubsflugreise in den Gepäckraum eines Fliegers. Oder schickt ihn in die Tierpension.

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Monsieur Monet an einsamem Atlantik Strand in der Bretagne.

Alles, nur nicht „all-inclusive“…

Wir reisen immer gerne flexibel und möglichst autark. Bloss nicht „all-inclusive“ und fremdbestimmt. Auch was die Spontanität des Reiseantrittes, die Länge einer Reise oder die Möglichkeit zu einem Kurz Tripp übers Wochenende betrifft. Wir sind gerne unser eigener Herr, unabhängig von Reisebüros, Hotelbuchungen und Terminen.

Einkaufen und Kochen muss sein.

Ausserdem erleben wir gerne Land, Leute, Kultur und einheimische Spezialitäten authentisch, direkt und persönlich. Wir lieben es, in anderen Ländern auf Märkten Lebensmittel einzukaufen, selbst zu kochen und Neues auszuprobieren. Und vor allem, mit den Einheimischen zu kommunizieren.

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Zwischenstopp für frische Obst-und Gemüseeinkäufe in Italien.

Gerne auch mal ganz allein.

Da wir beim Reisen die Natur bevorzugen. Und grosse Menschenansammlungen oder Sehenswürdigkeiten eher meiden. Ergibt sich automatisch, gepaart mit unserer Hauptreisezeit in der Nebensaison, dass wir bei unseren Reisen möglichst unabhängig von Infrastruktur in Form von Hotels, Ferienwohnungen, Stell- oder Campingplätzen sein wollen und müssen.

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Ostseestrand in Ahrenshoop im Dezember.

Als wir also alle für uns wichtigen Kriterien zusammengefasst hatten:

  • Bevorzugte Reisezeit: Winter und Nebensaison.
  • Reisen mit Hund.
  • Keine „All-Inclusive-Arrangements“.
  • Flexibles spontanes, autarkes Reisen.
  • Land, Leute und deren Spezialitäten aktiv erleben.

Kam zunächst Robert auf die Idee, dass Wohnmobil Ferien optimal wären, um alle unsere Wünsche unter einen Hut zu bringen. Obwohl wir Beide vorher noch nie Wohnmobil Urlaub gemacht hatten. Und wie gesagt bisher auch nicht sonderlich begeistert waren von dem Thema.

Steter Tropfen höhlt den Skeptiker.

Dennoch tasteten wir uns langsam an das Thema heran. Wir besuchten viele Messen und Ausstellungen, um uns diverse Wohnmobiltypen „live“ anzuschauen. Darüberhinaus schickte mir mein lieber Mann Dutzende von Internet Links spannender Reise Blogs von Wohnmobil Reisenden, darunter Einige seit Jahren mit Expeditionsmobilen unterwegs.

Kindheitstraum

Und damit liess er eine Seite in mir anklingen, die seit Kindheitstagen latent vorhanden war. Denn in unserer Nachbarschaft stand zuweilen ein ultracooles Expeditionsmobil auf Unimog Basis vor dem Haus mit Reservekanistern, Sandblechen und allerlei Reiseutensilien auf dem Dach. Und immer wenn ich es als Teenager sah, machte sich Fernweh im Herzen breit. Und eine unbestimmte Sehnsucht. „Das wäre toll“, dachte ich mir damals, „mit so einem Teil unabhängig durch die Welt zu cruisen und Abenteuer zu erleben“.

Aber die Abenteuerlust geriet wieder in Vergessenheit über die Jahre. Denn so etwas erschien exotisch, zu weit weg vom eigenen Leben und damit unerreichbar.

Wintertaugliches, autarkes Mobil gesucht.

Nach einigen Monaten intensiven Studiums von Reiseberichten, Herstellerkatalogen und Webseiten einerseits. Und intensiven Diskussionen über unsere Reisewünsche und Vorstellungen andererseits. Wuchs die visionäre Vorstellung unseres optimalen Reisegefährts mehr und mehr zu einem konkreten Bild:

Um auch im Winter und in freier Natur über mehrere Tage autark sein zu können. Und auch in unserem Heimatland Schweiz immer und überall die Berge hinauf und hinunter zu kommen. Muss es ein Allrad Fahrzeug sein. Möglichst mit umfangreicher Wasser- und Stromversorgung. Und das „Gemeinschaftsduschen-und WC-Problem“, müsste ebenfalls mit einer eigenen Lösung aus der Welt geschafft werden…

„Voilà, damit waren wir zwangsläufig bei einem Expeditionsmobil gelandet! Dem Traum vergangener Teenagertage! Und dem Traum des Technik begeisterten Architekten!“

Die Suche wurde also immer konkreter. Wir besuchten die berühmte Messe „Abenteuer & Allrad“ in Bad Kissingen, wo wir all die Hersteller und Modelle „live“ besichtigen konnten, die wir zuvor bereits im Internet und diversen Reiseberichten studiert hatten. Wir kletterten in einige Mobile hinein, sassen Probe, liessen uns Vor- und Nachteile verschiedener Aussenmasse, Fahrzeugtypen, Innenausstattungen, Stromversorgungen und Techniken, WC Typen etc. erklären. Und tauchten vollends ein in die Welt der unabhängig Reisenden. Manche von Ihnen lernten wir auch vor Ort mit ihren Reisemobilen kennen.

Gepackt vom Reisefieber in einem solchen Gefährt, bestellten wir uns Filme von erfahrenen Reisenden, wie z.B. dem Team der pistenkuh.de. Verschlangen viele Reiseblogs unabhängig Reisender. Und nährten unsere Vision vom selbstbestimmten Reisen.

Ein mobiler Reisekoffer.

Nach ca. einem Jahr fand Robert dann ein Vorführfahrzeug, das unseren Vorstellungen am Nächsten kam. Solide gebaut, geländegängig, wintertauglich, mit eigenem kleinen Badezimmer, grossen Wassertanks und auf robuster Mercedes LKW Basis aufgebaut. Dabei sehr wendig mit geringem Radstand und einer Gesamtlänge von 6.80m relativ kompakt.

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Wir schauten uns das gute Stück vor Ort an und verliebten uns gleich in „unseren Koffer“, wie er inzwischen liebevoll von uns genannt wird. Weitere Details zum „Koffer“ findest Du hier…

Dass wir Beide extra den LKW Führerschein machen mussten, um das Prachtstück überhaupt fahren zu dürfen, nahmen wir gerne in Kauf. Und stellten uns mutig der Herausforderung als angehende LKW Fahrer.

Im Nachhinein betrachtet stellte sich das auch als das kleinste Problem heraus. Neben all den anderen unvorhergesehen Überraschungen, die „unser Koffer“ für uns bereit hielt. Für Interessierte  nachzulesen in der Rubrik „Pleiten, Pech & Pannen“.

Aber: „Ende gut, alles gut!“ Es war wie bei einer komplizierten Geburt: all die Anfangswehen, schmerzlichen Erfahrungen und Erlebnisse schweissten uns umso enger zusammen mit unserem Reisegefährt(en). Inzwischen möchten wir nie mehr anders reisen und unseren „Koffer“ für kein Geld der Welt mehr hergeben. Und nach insgesamt über 365 Nächten und 50’000 km, in 12 verschiedenen europäischen Ländern, können wir das Fazit ziehen: wir würden es immer wieder tun! Und planen bereits die nächsten Reisen

nurMut…manchmal muss man über seinen eigenen Schatten springen, um Träume zu realisieren. Petra

5 Kommentare zu Vom Wohnmobil Skeptiker zum LKW Fahrer in einem Jahr.

  1. Beate Piehler // 06/08/2016 um 11:03 // Antworten

    Liebe Petra!
    Ich musste richtig schmunzeln, nicht wegen dem Expeditionsmobil, sondern wegen der Tatsache, dass ihr nun doch mal in der Hauptsaison unterwegs wart, und das ohne besagtes Traumauto! Aber ich will nicht zu viel verraten von dem Traum, den ihr euch in diesem Jahr erfüllt habt….
    Also das Gefährt gefällt mir. Lese ich auch noch was über die Innenausstattung und finde ich auch noch Fotos dazu? Schaue bald wieder vorbei!
    Herzlichst grüßt Beate

  2. Guten Morgen Petra
    Mehr als ein breites Grinsen liegt auf meinem Gesicht beim Stöbern in Deinem Blog. Als ich dann auch noch Abenteuer-Allrad lese musste ich schnell meinen Senf dazu geben.
    Ich bin vor zwei Wochen von Bad Kissingen zurück – welch Zufall! Der Plan vom Expeditionsmobil ist nicht nur in meinem Kopf, auch schon auf Papier. Der Gedanke war zur Pensionierung angeplant. Nun, da ich immer bei allem schneller sein muss, wird der „Austieg“ garantiert früher stattfinden. Die Suche nach einem „Monsieur Monet“ hat auch schon wieder begonnen…
    Meine Metamorphose hat sich etwa ähnlich abgespielt. Eigentlich nie Camper, dann plötzlich wieder ein Hund, dazu kam ein Wohnmobil, etc.
    Vielleicht trifft man sich mal an einem einsamen Strand in Afrika oder so.
    Weiterhin ganz viel Spass.

    • Hallo Christoph,
      na da hätten wir uns ja fast in Bad Kissingen getroffen, denn wir hatten dieses Jahr auch wieder fest vor, dort vorbei zu schauen. Leider kam ein anderes Projekt dazwischen…aber wie Du so treffend geschrieben hast, vielleicht treffen wir uns ja bald mal irgendwo im Nirgendwo „on the road“, am Strand oder im Busch. Gleichgesinnte finden sich…immer! Und das ist ja das Schöne an dieser Art des Reisens. Wir wünschen Dir viel Erfolg und Freude bei der Suche nach Deinem „Monsieur Monet“ und Deinem mobilen „Koffer“ und danken Dir ganz herzlich für Deinen erfrischenden und sympathischen Kommentar. In diesem Sinne viel Spass im neuen Lebensabschnitt & bis bald vielleicht…Du weisst ja jetzt, wie unser Koffer, Robert und ich aussehen 😉 viele Grüsse aus der Ostschweiz…und nurMUT!

  3. Hallo, wir leben seit fast einem Jahr in unserem Happy Live Truck. Winter und Nebensaison sind wirklich die Besten Reisezeiten, da man fast allein auf Stellätzen ist, auf denen wir im Sommer mit unserem alten, großen Ami-Wohnmobil keinen Platz mehr finden.

    Es liest sich toll was Du schreibst und ich finde es wunderbar andere Menschen zu finden, die auch diesen mutigen Lebensweg gehen 🙂

    Bunte Grüße
    Julia & Max aus dem Happy Live Truck

  4. Petra, das liest sich traumhaft.
    Und dass Ihr beide da so die gleiche Richtung geht …. welch unglaubliches Glück.
    Auch für Monet 😉

    Wenn ich das lese, packt mich die Sehnsucht!
    Ich wünsche Euch noch viele wundervolle Reisen mit eurem Koffer 🙂

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