Aussteigen – Träumst Du noch oder planst Du schon?

Vom Träumen und der Realisierung eines Ausstiegs oder Sabbaticals.

Aussteigen träumst du noch oder planst du schon

Wie Du Deinem Traum vom Sabbatical und Aussteigen ein Stückchen näher kommst.

Was tust Du, wenn Du eine längere Reise planst? Und damit meine ich kein „Last Minute“ oder kuscheliges All inclusive Angebot. Sondern eine individuell auf Deine Wünsche zugeschnittene, längere Reise.

Ich überlege mir in diesem Fall meist zuerst:

  • Welches Budget steht mir zur Verfügung?
  • Wohin möchte ich? 
  • Wie möchte ich dort meine Zeit verbringen?
  • Wie lange werde ich Zeit haben?
  • Was muss ich in dieser Zeit zuhause alles organisieren?
  • Mit wem werde ich reisen?

Ähnliche Fragen musst Du Dir stellen, wenn Du einen Ausstieg planst. Und zwar egal, ob zeitlich begrenzt, wie ein Sabbatical. Oder längerfristig mit weitreichenden Änderungen Deines bisherigen Lebens.

Genau wie eine längere Reise, benötigt die Vorbereitung eines Ausstieges, eine gewisse Vorlauf- oder Planungszeit. Zeit, in der Du Dir zunächst einmal viele Fragen stellst. Und diese für Dich möglichst ehrlich und detailliert beantwortest.

Im Prinzip funktioniert das wie die Erstellung eines Konzeptes. Du definierst ein Ziel. Und dann die einzelnen Teilschritte, die Du auf dem Weg zum Ziel gehen musst. Klingt ganz einfach und logisch. Benötigt aber einige Zeit und vor allem Durchhaltevermögen. Um zwischendrin nicht doch lieber wieder im kuschelig bequemen „normalen Wahnsinn“ sitzen zu bleiben.

Wichtigste Voraussetzung aber, um tatsächlich aus einer Lebenssituation, oder der bisherigen Karriere auszusteigen, ist Dein absoluter Wille dazu. Und eine Vision, wie es nach dem Ausstieg für Dich weitergehen soll.

Das klingt ganz schön theoretisch, oder? Deshalb versuche ich, eine solche Planung bzw. ein Konzept mal anhand meines konkreten eigenen Beispiels deutlich zu machen.

Unser persönliches Sabbatical von vier Monaten:

Die Vorgeschichte, warum ich bzw. wir auf die Idee eines Sabbaticals gekommen sind, kannst Du lesen unter: „Nichts mehr auf die lange Bank schieben“.

Nachdem also klar war, dass wir auf jeden Fall mehrere Monate aus dem gewohnten Alltag aussteigen wollten, stellten wir uns folgende Fragen:

  1. Was machen wir im Sabbatical?
  2. Wo verbringen wir unsere Auszeit?
  3. Wann steigen wir aus auf Zeit?
  4. Wie lange wollen und können wir uns ein Sabbatical leisten?
  5. Was müssen wir während der Auszeit alles zuhause organisieren?

Hier unsere Antworten:

Was machen wir im Sabbatical?

Wenn es um die Frage geht, was man sinnvollerweise in einem Sabbatical machen sollte, gibt es vermutlich so viele Meinungen wir „Teilzeitaussteiger“. Deshalb kann man hier niemandem zu richtig oder falsch raten. Unserer Meinung nach sollten Sabbaticals oder Auszeiten aber immer genügend Zeit und Ruhe mit sich bringen, damit man Musse hat. Sich mit sich und seinen Gedanken, Wünschen und Visionen zu beschäftigen. Wir verstehen unter Sabbatical keinen langen Rund-um-die-Uhr Action- oder Animationsurlaub.

Wir hatten uns persönlich vorgenommen:

  • Zu reisen und die Eindrücke auf uns wirken zu lassen. 
  • Dabei wenig zu planen, sondern uns treiben zu lassen.
  • Jeden Tag neu zu entscheiden, wohin die Reise weiter geht.
  • Kein TV zu schauen und ca. nur 1 x wöchentlich eine Zeitung zu lesen.
  • In den Tag hinein zu leben und das „Jetzt“ zu geniessen.
  • Viel Natur, wenig Zivilisation.

Darüber hinaus sollte uns das Sabbatical vor allem folgendes bringen:

  • Abstand zum Alltag zuhause.
  • Ruhe & Musse.
  • Viel gesunde Bewegung in der Natur.  
  • Eindrücke aus anderen Ländern, in diesem Fall der EU.
  • Einen freien Kopf für neue Ideen.

Daran schloss sich dann gleichzeitig der Gedanke an, unsere Sprachkenntnisse in bereits erlernten Fremdsprachen zu intensivieren. (Ganz ohne geistige Anregung gehts eben doch nicht ganz).

Wann steigen wir aus auf Zeit?

Diese Frage muss nun wirklich jeder für sich individuell beantworten. Weil das Sabbatical natürlich auch zeitlich in das eigene (Arbeits-)Leben passen muss.

In unserem Fall war klar, dass wir sicherlich eher im Winter als im Sommer länger verreisen werden. Und zwar aus folgenden Gründen:

  • Die Auftragslage im Winter ist eher ruhiger als im Sommer.
  • Da wir Ruhe, Abgeschiedenheit und Musse gesucht haben, erschien der Winter bis zum beginnenden Frühjahr ebenfalls geeigneter als die Hochsaison Frühjahr/ Sommer (mit all ihren „Urlaubs-Entertainments“ und vollen Strassen, Stränden und Orten).

Mit einem Planungsvorlauf von ca. einem Jahr hat man genügend Zeit, Arbeitsprojekte entsprechend zu planen. Kunden (bei Selbständigen), Vorgesetzte und Kollegen (bei Angestellten) rechtzeitig zu informieren und Projekte entsprechend zu terminieren bzw. umzuverteilen.

Die Budgetplanung benötigt je nach persönlicher Situation auch länger. Kann bis zu 2 oder 3 Jahre Vorlauf benötigen, auch abhängig von der Länge der Auszeit und den beruflichen Rahmenbedingungen. Da dieses Thema sehr wichtig und umfangreich ist,  gibt es hierzu einen separaten Beitrag: „Budget Transparenz – der erste Schritt zu mehr Freiheit“. Inklusive Budgettabellen Vorlage.

Wo verbringen wir unsere Auszeit?

Nachdem wir bereits gute Erfahrungen gemacht hatten auf individuellen Ferienreisen von 2- 3 Wochen mit unserem eigenen Wohnmobil, war schnell klar, dass auch unser erstes längeres Sabbatical eine Reise mit und in unserem „Koffer“ sein wird.

Da wir unsere Französisch- und Italienisch-Sprachkenntnisse auffrischen wollten, entschieden wir, dass wir unsere Sabbatical Reise auf jeden Fall in Frankreich beginnen wollten.

Und die Suche nach Ruhe, freiem Kopf, Gedanken- und Seele baumeln lassen und nach Natur brachte uns dann auf die Idee, die französische Atlantikküste anzustreben. Denn diese Region ist im Winter sehr ruhig und kaum frequentiert. Stundenlange, einsame Strandspaziergänge mit Hund. Keine Menschen und keine Hektik weit und breit. Wind, Meer, Sand und vielleicht auch ein bisschen Sonne? Ganz sicher aber gutes Essen und wunderbare ruhige Stellplätze für unseren „Koffer“ an Orten, die im Sommer utopisch wären.

Wie lange wollen und können wir uns diese Auszeit leisten?

Hier geht es natürlich in erster Linie um die finanzielle Frage. Denn wenn Du Teilzeit aussteigst, verdienst Du normalerweise in dieser Zeit kein Geld. Also musst Du rechtzeitig vorsorgen, sparen, zurücklegen. Oder ein Sabbatical Modell mit Deinem Arbeitgeber besprechen. Und ausserdem natürlich wissen, wie viel Geld Du denn im Monat so ca. brauchen wirst. 

Dieser Punkt ist für die meisten der schwierigste Knackpunkt. Weshalb zwar viele von einem Ausstieg träumen, ihn aber in den meisten Fällen nicht realisieren.

Da wir unser Sabbatical grob bereits Mitte/ Ende 2013 zu planen begonnen hatten, wussten wir recht früh, dass wir für diese Reise „ein Sabbatical-Konto“ anlegen müssen. Deshalb begannen wir auch schon gut 1 1/2 Jahre vor der Auszeit, Budgets zu eruieren.

Zunächst einmal musst Du die Ist-Ausgabe-Situation durchleuchten und optimieren. Geld einzunehmen, um es wieder ausgeben zu können, ist nämlich eine Sache.  Geld erst gar nicht auszugeben, um es dann in etwas anderes zu investieren, ist das andere Geheimnis. Das Dir ungeahnte Möglichkeiten bietet, wenn Du Dir einmal die Zeit nimmst, darüber nachzudenken. Und die eigenen Prioritäten überdenkst.

Und eine weitere Möglichkeit, Dir ausserordentliche finanzielle Freiräume zu schaffen, ist das „Entrümpeln, Loslassen und sich Trennen“. Das kann soweit gehen, dass Du Deine eigene Wohnsituation überdenkst und gegebenenfalls anpasst. Das haben wir gemacht. Dazu später mehr in einem eigenen Beitrag: „Wieso fällt Euch die Decke nicht auf den Kopf?“

Oder weniger einschneidend, aber auch sehr effektiv: unnötige Dinge, die man nicht mehr unbedingt braucht, können sicherlich andere Menschen noch gut gebrauchen. Wenn Du Dich also von einigem trennst, um es zu verkaufen, kann das Deine Reise- oder Sabbatical Kasse durchaus enorm aufstocken. Davon abgesehen, dass es auch richtig Spaß machen kann.

Wir haben also alle drei Seiten genau analysiert und entsprechend gehandelt:

  • Ausgaben bewusst überprüft und reduziert.
  • Teile der Einnahmen gespart.
  • Aufgeräumt,uns von vielem getrennt und Dinge verschenkt oder verkauft.

Am Ende ergab sich für uns ein erstes Budget und die zeitliche Möglichkeit von 4 – 5 Monaten. Das hängt sicherlich auch immer von der Lebenssituation und den Kosten jedes Einzelnen ab. Deshalb kann man hier keine Beträge als Richtwerte angeben. Hier solltest Du individuell Dein Ist-Budgets analysieren und dann Soll-Budgets und Massnahmen für Dich definieren. Hilfsmittel dazu wie z.B. eine Budget-Tabelle findest Du hier in meinem Blog. Ebenso wie Artikel darüber, wie Du Dein Leben einerseits vereinfachen kannst, um andererseits mehr bzw. andere, neue Lebensqualität für Dich zu gewinnen.

Was müssen wir während der Auszeit zuhause alles organisieren?

Wenn Du nicht komplett aussteigst und Dein altes Leben quasi „auflöst“, laufen gewisse Dinge des Alltags zuhause normal weiter, während Du Dir selbst eine Auszeit gönnst. Damit diese reibungslos laufen, musst Du Dir auch darüber im Detail Gedanken machen. Und vieles im Vorhinein organisieren, damit Du das dann während des Sabbaticals getrost vergessen kannst.

Wir haben uns dafür eine Checkliste gemacht und einen „Sabbatical Vorbereitungs Ordner“ angelegt. Und zwar ebenfalls ganz am Anfang unserer Planung. Diese Liste und den Ordner haben wir immer wieder ergänzt, wenn uns etwas eingefallen ist, was es zu organisieren gibt. Und glaube mir, es gibt eine Menge, was vorher zu organisieren ist.
Jeder Organisationspunkt hat ein eigenes Register im Ordner erhalten. Und dort haben wir, ganz altmodisch in Papierform, alle wichtigen Unterlagen abgelegt. So dass wir den Ordner auch auf Reisen mitnehmen konnten, um unterwegs im Zweifelsfall auch alles dabei zu haben und nachsehen zu können. Das kannst Du natürlich auch auf Deinem Notebook oder Tablet machen, wenn Du mehr Vertrauen in die Technik hast als ich.

Hier findest Du exemplarische Beispiele:

Z.B. die Post, die Du „umleiten“ musst zu Verwandten oder Bekannten. Oder auch direkt mit der Post „umorganisieren“ kannst. Indem Du sie z.B. über die SWISS POST BOX (Schweiz) oder E-POST (Deutschland) online unterwegs erhälst für die Zeit Deiner Abwesenheit.

Wenn Du länger nicht zuhause bist, muss Du auch die Bezahlung fälliger Rechnungen organisieren. Entweder Du hast eine Person Deines Vertrauens, meist auch die, wohin Du die Post umleitest. Die dann auch eine Kontovollmacht hat für Dein Konto, von wo er oder sie die Überweisungen für Dich machen kann.
Hast Du solch eine Person nicht, empfiehlt es sich, anfallende Rechnungen per online Banking von unterwegs zu überweisen. Noch einfacher ist es, Rechnungen per E-Rechnung direkt zur Bank schicken zu lassen. Dann musst Du deren Bezahlung nur noch im Online Banking freigeben, ohne alle lästigen Einzahlungsdaten selbst erfassen zu müssen. Hierzu solltest Du Dich vorher bei Deiner Bank oder in deren Online Banking erkundigen, welche Firmen oder Institutionen  bereits mit E-Rechnung arbeiten. Dann kannst Du diese entsprechend vor dem Sabbatical einrichten. Und schon einmal von zuhause aus üben.

Oder die Versorgung von Haustieren und Pflanzen in der Zeit des Sabbaticals. Unsere Katze haben wir z.B. privat in gute, professionelle Pflege gegeben. Solch ein Plätzchen zu finden braucht mindestens ein halbes bis ein Jahr Vorlaufzeit, wenn Du nicht gute Freunde, sorgende Eltern oder Geschwister hast. Unsere grossen Topfpflanzen haben wir über den Winter bei einer Gärtnerei eingestellt. (Oder eben auch bei verlässlichen Verwandten und Bekannten).

Wenn man, wie wir, über das Jahresende bzw. den Jahresanfang verreist, kommen relativ viele Rechnungen während dieser Abwesenheit: z.B. alle Versicherungen, Jahresabos und Serviceverträge. Wir haben uns auch hier eine Liste gemacht, was alles voraussichtlich in dieser Zeit anfallen wird.

Das hat den positiven Nebeneffekt, dass Du endlich auch einmal eine transparente Übersicht über Deine alljährlichen fixen Kosten erhälst. Denn in den seltensten Fällen macht man das im normalen Alltag. Und wenn man diese Liste einmal hat, kann man auch leichter über die eine oder andere Ausgabe nachdenken und Anpassungen durchführen. Und das wiederum kann mittel- bis langfristig zu sinnvollen Einsparungen führen. 

Wir haben ausserdem anhand dieser Liste mit den Rechnungsstellern vereinbart, uns die Rechnungen parallel zur Post auch per E-Mail zu senden, damit uns keine Rechnung „durch die Lappen geht“ und Mahnungen entstehen. Und erstaunlicherweise haben sich die meisten sehr kooperativ gezeigt.

Für alle externen Serviceleistungen musst Du ebenfalls im Vorfeld die Kosten eruieren und am Besten in Deine „Sabbatical-To-Do-List hinter den jeweiligen Punkt schreiben. Diese Kosten müssen natürlich zusätzlich zu den „Lebenshaltungskosten“ und „Reisekosten“ während des Sabbaticals ins Budget mit aufgenommen werden.

Das alles klingt in Deinen Ohren sicherlich nach furchtbar viel Arbeit und Umstand, wenn Du es das erste Mal liest (beim zweiten Mal ist es nicht mehr ganz so schlimm).

Und am Liebsten würdest Du diesen Artikel jetzt vermutlich schliessen, wenn Du es nicht schon getan hast. Und dem erträumten Sabbatical oder Ausstieg „Lebewohl“ sagen. Und viele werden auch tatsächlich vom Organisationsaufwand abgeschreckt.

Aber es ist doch immer so im Leben:

„Alles hat seinen Preis“ oder wie der Lateiner zu sagen pflegt: „Quid pro Quo“. Und wir wissen doch alle: „Was nichts kostet, ist nichts wert“. Und ein kleines Stückchen Freiheit ist doch eigentlich unbezahlbar, oder? Und ein wenig Mühe wert. Sonst würde es ja jeder machen…

Gewiss hast auch Du schon die Erfahrung gemacht, dass man (fast) nichts im Leben umsonst macht. Im eigentlichen und im übertragenen Sinne. Und Du kannst mir glauben, es ist unglaublich interessant und aufschlussreich, wenn man alles einmal konzentriert zusammenträgt. Und dadurch dann eine transparente Übersicht hat, was ansonsten im Alltag so nebenher läuft, peu à peu bezahlt und erledigt wird, ohne dass es Dir wirklich richtig bewusst ist.

Indem Du einen Ausstieg oder ein Sabbatical organisierst, organisierst Du automatisch auch Dein Alltagsleben besser und effektiver. Und wenn Du einmal überlegst, welchen Aufwand Du schon oft in oder für Deinen Job betrieben hast. Oder für Freunde und Bekannte. Dann kannst Du doch auch einmal für Dich selbst ein bisschen „arbeiten“, oder?

Du kannst mir glauben, denn wir haben das alles selbst gemacht. Und zwar ohne Anleitung oder Unterstützung von anderen Aussteigern. Es ist machbar…und wenn man es geschafft hat, macht sich neben den oben geschilderten positiven Effekten zusätzlich ein richtig gutes Gefühl breit. Denn das machst Du alles nur für Dich selbst…und für Deine lang ersehnte Auszeit, die so gut tut!

Hast Du auch den Willen und eine Vision?

nurMUT…mit weiteren Tipps und Tools werde ich Dich hier dabei unterstützen! Petra

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