Bündner Steinböcke – das etwas andere Geschenk zum Jubiläum

Languard Region in Graubünden - eine aussergewöhnliche Wanderung mit Hund

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Bündner Steinböcke – das etwas andere Geschenk zum Jubiläum

In unserer Familie und im Freundeskreis ist es seit einiger Zeit üblich, uns Bergwanderungen zu besonderen Anlässen zu schenken. So ist es auch wenig verwunderlich, dass unsere Verwandten und Freunde uns zum Jubiläum einen Gutschein für eine geführte, alpine Wanderung im Nationalpark Graubünden geschenkt hatten, inklusive Suche nach den Wappentieren, den Bündner Steinböcken.

Graubünden, unser Lieblingskanton zum Wandern in der Schweiz. Nicht zuletzt wegen seiner sympathischen, amüsanten Werbeträger Gian & Giachen, über deren Spots ich immer herzhaft lachen muss.

»Genial, dann können wir endlich auf den Spuren von Gian & Giachen wandern«,

ich freute mich riesig über dieses Geschenk und die Aussicht darauf, endlich die geliebten Hornträger in natura zu Gesicht zu bekommen.

»Was wollt Ihr sehen? Steinböcke? Und Euren Hund mitnehmen auf die Wanderung?«,

fragte uns der Bergführer Martin am Telefon, als wir einen Termin für unsere geführte Wanderung mit ihm vereinbarten.

»Dann können wir aber nicht im Bündner Nationalpark wandern, dort herrscht strenges Hundeverbot. Ich lass mir etwas anderes einfallen. Treffpunkt in Pontresina, ich hol Euch mit dem Auto ab.«

Mit dem „Koffer“ ins frühsommerliche Bündner Land

An einem Donnerstag im Juni fuhren wir also erwartungsvoll mit unserem Expeditionsmobil, liebevoll »Koffer« genannt, über den Julier Pass nach St. Moritz und weiter nach Pontresina. Wo wir auf dem wunderschön zwischen zwei Felsmassiven gelegenen Campingplatz Morteratsch in Pontresina-Plauns zwischen Kiefern und Lärchen auf 1’800 m Höhe ein schattiges Plätzchen, direkt an einem munter plätschernden Gebirgsbächlein mit eigenem kleinem Holzsteg fanden.

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Schattiges Plätzchen am Bach

Perfekt für dieses Wochenende, denn wir waren zuhause im Appenzellerland bei 32°C losgefahren, und für die kommenden Tage waren ebenfalls hochsommerliche Temperaturen vorhergesagt.
Herr Monet sprang natürlich gleich ins kühle Nass und kam vor dem Abendessen nicht mehr heraus. Beim abendlichen Gassigang über das weitläufige Gelände des Campingplatzes fiel uns dessen besondere Schönheit inmitten der Alpennatur erst so richtig auf. Eine kleine Seenlandschaft, umgeben von alpinen Wiesen, die jetzt im Juni üppig in allen Farben blühten: wilde Veilchen, Alpenmohn, Hornklee und pinkfarbene Lichtnelken. Ein ganzer Wiesenhang voller blühender Lupinen in Violett, Rosé und Weiss vor der Kulisse der schneebedeckten Alpenriesen.

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Lupinenmeer in den Alpen

Ein kleines Paradies und für uns die perfekte Einstimmung auf unser Alpen-Abenteuer am nächsten Tag.

Wer Steinböcke im Sommer sucht, muss hoch hinaus!

Mit gepackten Rucksäcken für unseren Tagesmarsch warten wir Drei gespannt auf unseren Bergführer, der uns pünktlich vor unserem Stellplatz abholt.

»Erst letzte Woche habe ich eine grosse Steinbock Kolonie gesehen. Ihr werdet sehen, wir finden heute bestimmt welche!«,

mit diesen hoffnungsfrohen Worten begrüsst uns der sonnengebräunte Bündner Martin und fährt uns mit seinem Auto zum Sessellift von Pontresina, der uns auf 2’300 m Höhe zur Alp Languard hinaufbringt. Robert fährt mit unserem Hund Monet im Sessellift, was unserem Vierbeiner zwar zuerst nicht ganz geheuer vorkommt, dann aber perfekt funktioniert. Hier bewährt sich unser stabiles, gut sitzendes Hundegeschirr, um den Vierbeiner gut festhalten zu können.

Hat man bereits vom langsam hinauf schwebenden Sessellift einen wunderbaren Blick auf ein Meer blühender Alpenrosen und die herrliche Alpenlandschaft, wird man oben auf der Alp Languard noch mehr belohnt mit einer phantastischen Aussicht auf das Bernina-Massiv, den Bellavista und den »dreibuckligen« Piz Palü.

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Mächtige Alpenriesen im weissen Gewand

Sie alle bilden einen gleissenden, weissen Kontrast zum wolkenlosen, hellblauen Himmel. Atemberaubend!
Aber wir haben nicht allzu viel Zeit, um zu verweilen und schon gar nicht uns den Atem rauben zu lassen, denn den werden wir in den nächsten Stunden dringend benötigen.

Auch der nun folgende steile Aufstieg ist atem(be)raubend. Immer schön hinter Martin her geht’s in flottem Tempo hinauf, begleitet von allerlei Informationen über die Region, die Lawinenverbauungen, an denen wir  vorbei kommen und über die am Wegesrand verschwenderisch blühende Alpenflora.

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Dort hinauf geht’s…

Wir lernen viel über die Alpen-Botanik: kriechende Gais-Wurz in gelb, Schwefel-Anemonen in hellem Zitronengelb, Hornklee, pyramidenförmiger Günsel, Polsternelken, wilde Violas, Alpen Massliebchen und weiter oben Frühlings Enzian. Allesamt gerngesehene Kräutlein auf der Speisekarte der Steinböcke, auf deren Fährte wir uns befinden.

Schwer atmend hinter Mann und Hund aufsteigend, frage ich mich in Gedanken, wie unser Bergführer so flott bergan marschieren und gleichzeitig so locker referieren kann. Er kann! Obwohl auch er ein wenig schnauft und schwitzt an diesem warmen Sommertag.

Kurz vor der Abzweigung zum Piz Languard halten wir uns rechts und gehen einen Grat entlang, in dessen Felswänden unser Bergführer die Steinböcke vermutet. Der Weg, den wir auf nun immerhin schon 2’700 m Höhe gehen, ist relativ weich und matschig, was vermuten lässt, dass hier vor Kurzem noch Schnee lag. Auch die Vegetation ist hier oben noch spärlicher, nur erste zarte Alpenglöckchen in Violett strecken ihre fransigen Blütenkelche aus dem Boden und wiegen sich sanft im Wind. Sie erinnern ein wenig an Quasten an Samtvorhängen in alten Villen, weshalb sie auch »Troddelblumen« genannt werden.

Und da, endlich: die ersten Steinbock Spuren! Trockene Kothaufen, die darauf schliessen lassen, dass die Hornträger hier vor einigen Tagen vorbei marschiert sind. Martin erzählt, dass er sie hier vor ca. 1 Woche noch angetroffen hatte. Aber heute weit und breit kein Gian oder Giachen zu sehen. Nur ihre Hinterlassenschaften.

»Vermutlich sind sie weiter hoch gezogen wegen der Hitze. Steinböcke mögen es nämlich gar nicht warm. Wir müssen noch höher hinauf und weiter da rüber…«.

mit diesen Worten und hochrotem Kopf stapft Martin wortkarg los in Richtung alpiner Mondlandschaft, wo zwischen alten Schneefeldern nur noch Stein-Geröll- und Schutthänge liegen, auf denen sich nur hie und da schüchtern ein wenig Leben zeigt in Form von Moosen und Polsterblümchen. Also tapfer weiter in diese bizarre und doch so beeindruckende hochalpine Landschaft.

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Hier herrscht beinahe noch Winter im Juni

Ich muss wohl nicht betonen, dass unser Supersportler Herr Monet mit leichtfüssigem Vier-Pfoten-Antrieb immer vor uns herspringt wie eine Gams. Hier und dort nimmt er einen kleinen Hügel-Umweg, um zu schnuppern oder vermeintlich hinter einem davonjagenden, pfeifenden Murmeltier hinterherzurennen, um unten am Hang enttäuscht festzustellen, dass er viel zu langsam ist, um je einem der Alpennager am Popo schnüffeln zu können. So macht unser Alpenheld mindestens anderthalbmal die Strecke, die wir wandern. Ohne Probleme oder Ermüdungserscheinungen. Im Gegenteil, je höher wir steigen und je weiter die Temperaturen sinken, desto lebendiger wird unser Hund. Hat er womöglich Steinbock-Gene in seinem Stammbaum?

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Sehr erfrischend…

Ich beschäftige mich derweil mit ganz anderen Problemen, denn inzwischen bin ich schon zweimal mit meinen kurzen Wanderhosen in ein tiefes Schneefeld geraten und bis zu den Knien versunken, was auf die Dauer ein wenig zu erfrischend ist für meinen Geschmack. Da kommt die vorgeschlagene Mittagspause gerade recht, um eine lange, wasserabweisende Hose anzuziehen, bevor wir weitere Schneefelder auf der Suche nach Gian und Giachen überqueren werden. Schnell ist in windiger Höhe auf karger Geröll- und Schneelandschaft ein Picknickplatz gefunden, um die mitgebrachten Brote zu verspeisen. Für Monet gibt’s eine Portion Trockenfutter. Während wir schweigend kauen, schweifen unsere Blicke auf halb zugefrorene, eisblaue Gletscherseen, auf das schneeweisse Berninamassiv und den Mortatsch-Gletscher.

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Coole Aussicht während der Pause

Kurz ist die Pause, denn wenn sich einzelne Wolken vor die Sonne schieben, ist es ganz schön frisch hier oben. Kaum zu glauben, dass unten im Ort 30°C herrschen sollen. Gute Chancen also, doch noch in eisiger Höhe auf die gehörnten Fellträger zu treffen…die Hoffnung stirbt zuletzt!

»Nur noch über die Schnee- und Schuttfelder, dann einen kleinen Umweg um den Berg da vorn herum, damit wir dann vielleicht auf der anderen Seite der Hügelkette von hinten ein paar Steinböcke antreffen.«

Immer nervöser und inzwischen schon leicht genervt führt Martin unseren kleinen Tross an, gefolgt vom umherspringenden Monet, dem fotografierenden Robert und mir. Ich gebe ehrlich zu, inzwischen glaubte ich schon nicht mehr an »die Mär von den vielen Steinböcken« in Graubünden und trotte ein wenig missmutig hinterher. Um nicht die gute Laune zu verlieren, stelle ich mir im Geiste vor, wie Gian & Giachen sich irgendwo weit oben feixend hinter einem Felsen verstecken und sich über unsere verzweifelten Bemühungen kaputt lachen.

Ein Steinbock kommt selten allein!

Nachdem wir also erneut ein tiefes Schneefeld durchwatet haben und den Hügel  vor uns umrundet, blicken wir schliesslich um einen Felsvorsprung herum und sind mit einem Mal total perplex. Auf 2’800 m Höhe haben Gian & Giachen endlich ein Einsehen mit uns.

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Der erste Steinbock!

Sie stehen wie selbstverständlich an einem sonnenbeschienen Felshang mit kargen Alpenwiesen vor einem kitschig blauen Himmel und mampfen selig Alpenkräuter.

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Gian & Giachen…endlich!

Und sie haben sogar noch einen dritten Artgenossen mit ebenfalls imposantem Gehörn dabei. Ob es sich dabei um den »Humpel-Andi« handelt, können wir nicht mit Sicherheit sagen.

Auf alle Fälle haben sich die Strapazen gelohnt. Meine Skepsis ist wie weggeblasen. Wir stehen da und bestaunen die stattlichen Tiere, die sich von uns überhaupt nicht stören lassen. Im Gegenteil, einer legt sich am Felsgrat fotogen in Pose vor dem blauen Himmel, bis wir unsere Fotos geschossen haben. Auch Herr Monet, inzwischen angeleint, steht und guckt mit gerunzelter Stirn. »Wer sind die denn?«, scheint er sich zu fragen.
Langsam ziehen sich die drei Steinbock Herren wieder in die Felswand zurück und wir verstauen glücklich über die schönen Aufnahmen unsere Kameras. Nur unser Bergführer will immer noch nicht so richtig zufrieden erscheinen.

»Es müssen noch mehr sein. Drei sind  viel zu wenig für diese Region. Wo sind die heut nur?«,

Wir für unseren Teil haben uns schon über die drei sehr gefreut, zumal uns auch die Wanderung als solche in diesem abwechslungsreichen, alpinen Gebiet mit den Traumaussichten sehr gut gefällt.

»Tut mir leid, dass es heut nur drei waren. Langsam sollten wir den Heimweg antreten und absteigen«,

damit schreitet Martin ein wenig frustriert voran in Richtung Lej Languard, den Bergsee der Languard Region. Es geht erneut über Schneefelder, Geröllhänge und über einen breiten Gebirgsbach bis zum offiziellen Wanderweg, auf dem es stetig steil und steinig bergab geht.

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Stolzer Alpenhund »Monsieur Monet«

Wir umrunden einen Felshang und sehen vor uns den türkis glitzernden Bergsee im zunehmend warmen Nachmittagslicht.

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Türkisfarbener Lej Languard oberhalb des Val Languard.

Wunderschön! Als ob das nicht genug wäre, erwarten uns im lieblichen Felstal des Lej Languard in malerischer Alpenkulisse insgesamt 9 Steinböcke unterschiedlichen Alters. Schöner und »kitschiger« könnte sich man ein solches Szenario nicht erträumen.

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Hhhm…frische Alpenkräuter!

Einzelne liegen faul auf Felsvorsprüngen und äsen die saftigen Alpenkräuter. Ein besonders stattliches Exemplar „chillt“ höchst fotogen auf einem bewachsenen Felsen ab, kratzt sich mit seinem eindrucksvollen Horn am Po und guckt freundlich in die Kamera.

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Praktisch, so ein eingebauter Rückenkratzer

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Auch im Profil ein Prachtbursche

Ein anderer balanciert elegant weiter oben am Felsgrat, seine Silhouette hebt sich majestätisch ab. Ein paar Steinbock-Yoga-Stretch-Übungen, schon wandert er elegant und gediegen weiter. Ein Teenagertrupp von vier ca. dreijährigen Steinböcken tummelt sich weiter unten, fast direkt vor unseren Nasen. Sie scheinen Herrn Monet nicht zu wittern und auch nicht zu sehen, denn sie bewegen sich alle furchtlos und natürlich. Schliesslich sind sie hier ja zuhause!

Monet seinerseits ist ein wenig aufgeregt, sitzt aber brav angeleint bei uns und guckt einfach nur diese seltsamen Tiere an, die da in seinen geliebten Bergen herum kraxeln, und um die seine Menschen so ein seltsames Aufhebens machen.

Eine gute halbe Stunde können wir uns von diesem erhebenden Anblick nicht losreissen, gucken, staunen und knipsen. Inzwischen ist es 16:00 Uhr, zwar die perfekte Essenszeit für Steinböcke, aber eben auch die Stunde der Heimkehr für Wanderer. Schweren Herzens, aber total glücklich reissen wir uns los von Gian, Giachen und seinen Kumpels, um durch das blühende Murmeltier-Tal »Val Languard« zurückzuwandern. Wegen der inflationär vielen Murmelis und vieler Ausflügler muss auch Monet hier ausnahmsweise an der Leine gehen bis wir wieder an der Alp Languard mit der Sessellift Station ankommen.

Im Bergrestaurant ein kühles Bier für die Herren, einen feinen Heidelbeerfladen mit Rahm für mich und Wasser für Monet, bevor wir unseren wunderschönen »Steinbock-Expeditionstag« in der Region Languard bei Pontresina mit der zweiten Sessellift Fahrt des Tages beenden. Unser Dank gilt vor allem auch unserem Bergführer Martin Schmutz, der uns sicher, sehr kompetent und vor allem geduldig zu den heiss geliebten Steinböcken und durch die blühende Alpenwelt geführt hat. Und unserer Familie und den Freunden, die uns diese Tour spendiert haben.

Ein schönes Geschenk, das noch lange in uns nachhallt. Und eine durchaus nachahmenswerte Tour auch mit Hund, wenn der Vierbeiner kein Jäger und bergerfahren ist. Als kürzere Tour ist auch der Weg von der Alp Languard durchs Val Languard zum Lej Languard zu empfehlen. Wie aufmerksame Leser ja nun wissen, ist die Chance, dort auf Steinböcke zu treffen im Zweifel sogar höher als wenn man unseren längeren, alpinen Umweg wählt.

Languard Region in Stichworten:

Ausgangspunkt: Alp Languard auf 2’300 m Höhe (mit Sessellift von Pontresina aus)

Gipfel: Wanderung in Richtung Piz Languard, den man auch besteigen kann: 3’262 m.ü.M. (Höhendifferenz: 960 m, Gesamtdauer: 5 Stunden)

Alternativ: durch das Val Languard zum Lej Languard (See)
(Höhendifferenz: 300 m, Gesamtdauer: 3 Stunden)

nurMut…wer suchet, der wird finden! Egal wie gut sich Gian & Giachen  vor de »Turischdä versteckä«.

1 Kommentar zu Bündner Steinböcke – das etwas andere Geschenk zum Jubiläum

  1. Petra und Robert
    Die ART UNS WEISE wir ihr uns die ALPEN näher bringt,ist einmalig. Der Erfolg, doch noch die majestätischen Alpenbewohner, sprich Steinböcke aus nächster Nähe zu sehen ist prima. Nur sollte man, wenn es erst zwei sind, den dritten nicht beleidigen und Humpel nennen.Es war sicher deren Kumpel. (Spässle g’macht)
    Der Bericht war Spitze!

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