Laubtourismus, Waldbaden und Farbrausch – Marketing ist alles!

Laubtourismus, Waldbaden und Farbrausch am Rande des Wahnsinns.

Als ich vor ein paar Tagen einen Bericht im Radio hörte zum Thema Laubtourismus und Waldbaden musste ich zunächst herzlich schmunzeln. «Was haben sich die Tourismusvermarkter denn da wieder einfallen lassen?», dachte ich.

Laubtourismus? Waldbaden? Was soll das denn sein?
Am Ende des Berichts hatte ich dann gelernt, dass es wohl darum geht, Menschen zu animieren, mal wieder in die herbstliche Natur und die leuchtenden Wälder zu wandern. Um dort «mit allen Sinnen in der Natur zu baden». Vor allem jetzt, in der zweiten Pandemie Welle des Corona Virus. Denn erstens sind weite Reisen bis auf Weiteres sowieso tabu und zweitens ist frische Luft und der viele Platz in der freien Natur momentan so ziemlich das Einzige, was man den Menschen wohl guten Gewissens in ihrer Freizeit empfehlen kann. Denn nirgends kann man so wunderbar Abstand zu potenziellen Virenträgern halten als draussen. Und die Bewegung in der Natur stärkt ganz nebenbei auch noch die Abwehrkräfte…

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Monsieur Monet beim Waldbaden in seinem Lieblingsbach.

…selbst meine Krankenversicherung kam da schon drauf. Schickte sie mir doch allen Ernstes  vor ein paar Tagen eine E-Mail, in der mir ebenfalls dringend empfohlen wurde, mich doch zur Abwechslung mal in der Natur zu bewegen. Wegen der Immunabwehr und so…«Gehen Sie doch mal wieder Wandern! Und baden Sie Ihre Sinne im Farbrausch des Herbstes.»

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Leuchtende Samenstände der Pfaffenhütchen tragen bei zum herbstlichen Farbrausch.

«Rausgehen ist wie Fenster öffnen – nur krasser!»

In Zeiten von Netflix, Social Media und YouTube (oder heisst das neudeutsch jetzt TikTok?) kann es ja durchaus sein, dass immer mehr Menschen daran erinnert werden müssen, dass es da draussen etwas gibt…
…ja dort, vor dem Fenster, das momentan besser einmal mehr als einmal zu wenig geöffnet werden sollte. Dort wartet etwas auf Euch, das sich Natur nennt.

Voll krass dort, so mit echten Bäumen, die jetzt im Herbst in Farben leuchten, dass man meinen könnte, die hätten was psychedelisches geraucht oder einen über den Durst getrunken. Farbrausch pur!

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Wenn die Bäume des Appenzellerlandes sich farbig geben, braucht es keine Fernreise.

Und die lassen diese bunten Blätter nach einer Weile dann sogar ganz leise und bedächtig auf den Boden fallen. So dass man im Gegenlicht einen sanften Farbregen herab segeln sieht. Und das, was dann haufenweise so dekorativ und bunt auf der Erde liegt, das nennt man dann Laub. Früher haben wir als Kinder drin herum getollt, weil das immer so schön raschelte. Unser Hund und ich machen das heute noch. 

Wann hast Du das letzte Mal Kinder gesehen, die im Laub herumtollten? Oder besonders schöne Blätter aufgehoben und mit nach Hause genommen haben? Und wann bist Du zuletzt selbst voll kindlicher Freude durch trockenes, orange- und rostfarbenes Herbstlaub geschlurft und hast dieses unverwechselbare Geräusch wahrgenommen und den würzigen, zuweilen leicht modrigen Geruch von Herbstlaub in der Nase gespürt?

Laubtourismus! Ich kann Dir sagen, voll im Trend…

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Hörst Du‘ s rascheln und kitzelt Dich der herbstliche Geruch in der Nase?

Vermutlich würde mein Mann nun, frei nach Loriot, zu mir sagen: «Ja, ja, früher war mehr Lametta! Jetzt pass aber mal auf, dass Du nicht komisch wirst….!»

Und er hätte vermutlich sogar recht. Denn wenn man anfängt darüber zu sinnieren, was früher irgendwie anders, selbstverständlich oder vielleicht sogar besser war, dann wird’s gefährlich!

Denn schliesslich mühen sich Heerscharen von Tourismusfachleuten und Medienleuten nicht umsonst damit ab, «unwissende oder unerfahrene Menschen» wie Dich und mich mit wunderbar neuen Wortkreationen in die neu entdeckte Natur zu locken. Und wenn es dazu eben eines Trends bedarf, der dann halt «Laubtourismus» oder «Waldbaden» heissen muss, so soll es doch so sein.

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«Monet, such den Trend…such!»

Egal, welchen Namen das Kind trägt, wichtig ist die Leute kommen raus an die Luft und baden im Wald in den Farben, können ihre Seele baumeln lassen oder werden wieder zu Kindern. Und können im Farbrausch des Laubtourismus den ganz normalen Wahnsinn für einen Augenblick vergessen. Allein dafür hätte sich der Marketingaufwand doch schon gelohnt…

…als ich allerdings heute morgen aus dem Haus trat und sah, wie meine Nachbarn, mit Besen, Rechen, grossen Säcken und teils mit lautstarken Höllenmaschinen bewaffnet, dabei waren, die farbige Laubpracht auf ihren Grundstücken und in den Vorgärten zu beseitigen, kam mir ein ganz anderer Verdacht, was es mit dem Laubtourismus auf sich haben könnte.

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Für diesen Anblick schwingt man Tage später gern den Besen.

Denn auch in unseren Gartenbeeten fand sich haufenweise Laub der nachbarlichen Ahornbäume vom gegenüberliegenden Grundstück. Womöglich geht’s beim Laubtourismus gar nicht um uns Menschen? Sondern um die trockenen Blätter höchst selbst. Die mit den mehr oder weniger heftigen Herbststürmen von einem Ende der Strasse an das andere fliegen. Und so von einem Garten in den anderen reisen.  So haben wenigstens alle etwas vom herbstlichen Farbrausch. Und wenigstens den Blättern ist derzeit noch das grenzenlose Reisen erlaubt.
So schnappe ich mir jetzt ebenfalls kurzerhand den Besen und beschäftige mich mit dem so oder so definierten Laubtourismus in unserem Garten an der ach so frischen, gesunden Luft.

Küchenchefs am Rande(n) des Farbrauschs!

Und danach werde ich in der Küche meinem ganz persönlichen, kulinarischen Farbrausch frönen. Denn mir ist da letzte Woche doch tatsächlich ein echt abgefahrenes Gemüse über den Weg gelaufen. So eine kleine dunkle Knolle mit Erde dran. Von vielen Menschen völlig vergessen und am Rande der Gemüse Bestsellerliste gelandet. Möglicherweise heissen die unscheinbaren Früchtchen deshalb in der Schweiz auch «Randen»? Weil sie neben Rüebli, Lauch und Tomaten ein eher unpopuläres Dasein fristen und im wahrsten Sinne des Wortes am Rande der Gemüsegesellschaft liegen?

«Schon lange nicht mehr gegessen«, dachte ich, «und erst recht nicht selbst gekocht.» Spontan kaufte ich ein paar der vernachlässigten Randen. Und verarbeitete sie, pünktlich zu «Halloween» oder weniger trendy zum «herbstlichen Erntedank», zu einem Farbrausch ganz anderer Natur. Nämlich zu einer schmackhaften Suppe, in der wir zwar nicht badeten, dieses Privileg dafür stattdessen lieber ein paar knusprigen Nüssen und dunkelroten Randen- sowie Speckwürfelchen überliessen.

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Farbrausch im Teller: Randen- oder hochdeutsch Rote Beete-Suppe.

Nun suche ich meinerseits nach einem wohlklingenden, marketingtechnisch ausgefeilten Namen für diese Kreation.
«Bloody Mary» ist leider anderweitig schon besetzt. Vielleicht hast Du ja eine schmackige Idee, wie man diesen herbstlichen Farbrausch im Suppenteller nennen könnte, um ihm im Zweifel auch zu einem neuen, hippen Trend zu verhelfen? Und den «verkannten Randen» zu einem nie da gewesenen Comeback.

In diesem Sinne wünsche ich Dir und allen Lesern einen schönen Herbst beim Laubtourismus, Waldbaden, Fenster öffnen oder bei der Wiederentdeckung und Resozialisierung «randständiger Gemüsesorten».

Hebet Sorg und bleibt gesund!

nurMut…auch in schwierigen Zeiten wie diesen bloss nie den Humor verlieren!

8 Kommentare zu Laubtourismus, Waldbaden und Farbrausch – Marketing ist alles!

  1. Martina Kraus // 01/11/2020 um 18:59 // Antworten

    Hallo, eine wunderschöne Herbstgeschichte, die ich, dank meiner Hündin Bonnie fast täglich live erlebe. Wir spielen und toben auch unheimlich gern durch das herbstliche Laub und sogar bei Regen ist der Herbstwald ganz zauberhaft.
    Die Suppe sieht sehr lecker aus und da rot ja auch die Farbe der Liebe ist würde ich sie „Randen in love“ nennen 😋
    Viele Grüße von Martina

    • Herzlichen Dank, liebe Martina, für Deinen netten Kommentar. Ja, unsere Vierbeiner fördern das tägliche, wunderschöne Naturerlebnis zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter enorm, gell? Macht einfach noch viel mehr Spass mit einer Fellnase an der Seite 😍🐶.
      „Randen in Love“ gefällt mir sehr gut…Liebe Grüsse von Petra & Herrn Monet, besonders auch an Bonnie

  2. Hans-Jürgen Kindler // 01/11/2020 um 17:32 // Antworten

    Rote Bete mit ein bischen was drumrum!

    “ Wenn der ganze Mist vorbei ist, mach ich mir erst mal ein paar schöne Tage zuhause „

  3. Bernd Edelmann // 01/11/2020 um 16:44 // Antworten

    Jetzt musste ich doch erst einmal bei Google nachfragen, was Randen sind: rote Bete, schmeckt wunderbar, als Salat, als Salatbeilage oder wie bei Dir als Suppe lecker zubereitet. Gibt immer herrlich rote Farbtupfer auf dem weißen Hemd beim Essen im Gasthaus.
    Mein Vorschlag: „rote Herbstliebe mit Nüssen garniert“ oder „Herbstrot mit Knusper“

    • Lieber Bernd, ja als Farbstoff auf heller Kleidung oder beim Schälen für die Finger unschlagbar, die roten Knollen ;-). Ich seh schon, die « Herbstliebe » könnte bei meinem Süppchen der Favorit werden. Ist ja auch klar, denn in diesen « struben » Zeiten sehnen wir uns alle nach Liebe und Harmonie…und wenn’s wenigstens im Suppenteller ist! Herzlichen Dank für Deinen Kommentar und Deine Vorschläge. Mal sehen, was noch so eintrudeln wird. Viele Grüsse und einen schönen Sonntag noch. Petra

  4. Mein Vorschlag wäre“ Rote Herbstliebe mit Pfiff“

    • Liebe Dagmar, na das klingt doch schon mal! Herzlichen Dank für Deinen schönen Vorschlag und einen wunderbaren Sonntag. Liebe Grüsse Petra

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