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Fettsucht bei Wohnmobilen – Abspecken verlängert das Leben!

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Immer häufiger höre und lese ich von Gewichtsproblemen bei Wohn-, Fernreise-und Expeditionsmobilen. Hat die Fettsucht bei Wohnmobilen also Einzug gehalten?

Wie beim Menschen, so beim Mobil.

»Ist das mit dem Übergewicht nicht ein Problem das vor allem Amerikanische Bürger betrifft?« frage ich meine Frau bei Kaffee und einem dicken Stück Kuchen.

»Hä, was hat das mit dem Wohnmobil zu tun?«, lautet ihre Reaktion.
Nun, ja , die Parallelen  sind doch wohl offensichtlich. Es wird doch auch immer mehr reingestopft. Wenn der Nachbar 140 Kilo auf die Waage bringt, bin ich doch mit meinen 120 kg nur ein Strich in der Landschaft. Beim Gehen schadet ein kleines Pfeifen der Lungen doch nicht, sondern ist ein Zeichen dass alles funktioniert. Und klar, wenn die Hose reisst, ist dies doch auch nur auf die schlechte Qualität und Verarbeitung des Herstellers zurückzuführen. Ausserdem müssen wir doch ein bisschen Fettreserve aufbauen. Denn ich, als vorausschauender Weltenbummler weiss eines mit Gewissheit, die nächste Hungersnot kommt bestimmt!

So könnte man Dutzende von Beispielen aufführen, die unser menschliches Gehirn für eine komfortable Verdrängung bereit hält. Dies funktioniert erstaunlich gut bis zur ersten Insulin Spritze oder führt im schlimmsten Fall zum Herzschrittmacher.

Nun aber liebe Leser schwenken wir langsam zum Objekt unseres totalen Freiheitsgefühls,  unserem rollenden Castle. 

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Traue keinem Bild, das Du nicht selbst ein wenig bearbeitet hast 😉

Wer ist Schuld? – Hersteller, Aufbauer oder der liebe Gott?

Leider mehren sich in meiner Umgebung in den letzten Jahren die Schimpf Tiraden über fehlerhafte Ausführungen des ach so geliebten Wohnmobils durch die Hersteller.
Oh ja,  selbstverständlich gehöre auch ich dazu. Sei es die nicht funktionierende Weltneuheit einer winkelförmig ausfahrenden Aussentreppe, schmorende Kabel, eine nicht funktionierende Heizung oder die Zulassungsverweigerung bei der Schweizer MFK (Motorfahrzeugkontrolle). Diese und andere unsägliche Pannen bei unserem Expeditionsmobil nachzulesen unter www.nurmut.ch 

Und ja, auch bei mir war selbstverständlich zu 100% der Hersteller schuld. Denn wie kann er es nur wagen mit seinen schwarzen Mechaniker Fingernägeln einen Kratzer in mein unendliches Freiheitsgefühl  zu ritzen?

Wir sind nun seit 9 Jahren stolze Besitzer unseres »Koffers«, einem Expeditionsmobil, das uns in den ersten Jahren für sehr viel Geld nichts als einen Scheiss Arger eingebracht hat, von einigen kurzen Glücksmomenten mal abgesehen. Heute jedoch würden wir unser Mobil um keinen Preis der Welt mehr hergeben. (Angebote bitte unter www.nurmut.ch. Aber bitte erst ab 2025 oder später, wenn wir beim Augentest durchgefallen sind).

Wie im Titel erwähnt, ist die Fettsucht bei allen Mobilen zwischen 3.5 to bis 15 to das bei Weitem häufigste Problem, das in Foren, auf Blogs oder unter Reisenden angesprochen wird. Verformungen, Risse an der Kabine oder klemmende Türen sind dabei noch die harmlosen Schäden. Schlimmer wird es, wenn die Aufhängung, Federung, der Rahmen oder sogar der Motor Schaden nehmen. Ein Totalausfall mit einem Rahmenbruch währens der Fahrt wäre dann der absolute Supergau.

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Auf solche Art »Abenteuer« kann wohl gern jeder verzichten.

Selbstverständlich möchte ich die Hersteller nicht verteufeln, sie aber auch nicht Ihre Hände in Unschuld waschen lassen.
Wie bei vielen Produkten heisst es auch hier sehr oft: »Marketing ist alles«. Und fast jeden Kundenwunsch versucht der Aufbauer zu erfüllen. Nicht selten wird die Wunschliste während der Erstellung des Mobils unendlich aufgestockt, und der Hersteller hofft inständig dabei auf die Einhaltung der Angaben des Grundfahrzeugbauers.
Die wichtigste Zahl in diesem Fall, quasi der heilige Gral, ist die Maximalbelastung. Bleibt nach Fertigstellung des Mobils noch eine Zuladung von mehreren Kilos innerhalb des zulässigen Gesamtgewichtes übrig, kann sich der Reisemobilanbieter die Schweissperlen von der Stirn wischen und gelassen zurücklehnen. Dabei verliert er selbstverständlich kein Wort über die bereits sehr hohe Belastung, die sehr stark reduzierte Bremsleistung mit zunehmendem Fahrzeuggewicht oder über die Änderung des Fahrverhaltens bei Zuladung etc.

Nach Auslieferung erzählt der neue, stolze Eigentümer jedem, der es nicht hören will, wie er sich mit seinen autarken Wünschen durchgesetzt hat, und über wieviel Zuladung (in der Realität nahe Null) er bei seinem Mobil trotzdem noch frei verfügt. 

Meist nach Jahren erst kommt das gnadenlose Erwachen. Mit tiefer Grabesstimme murmelt der Aufbauer, an dessen Lippen man dann förmlich klebt: »Garantiefrist abgelaufen, überladen, zu oft Rüttelpisten gefahren! Das kann ja so nicht gutgehen, ich habe Sie doch ausdrücklich darauf hingewiesen , dass Sie………. !«

Das ist der magische Moment, in dem er auf sein  Verkaufstalent zurückgreift und einem noch zur eigenen Seelenrettung eine Zusatzinvestition in Form einer Rahmenverstärkung oder anderer Optimierungsangebote verkaufen kann. Oder aber der betroffene Eigentümer und Reisende verschliesst nicht länger die Augen und öffnet sich zu diesem späten Zeitpunkt den ach so langweiligen Ingenieur Themen. Besser wäre natürlich, dies vorher schon getan zu haben.

Hilf Dir selbst, das hilft auch Deinem Reisemobil!

Also, liebe Mobil Freunde, beschäftigen wir uns doch mal kurz mit den Begriffen: Leergewicht, zulässiges Gesamtgewicht, Materialermüdung, Materialbelastung, Materialentlastung, Zeit, Einsatzort, Materialeigenschaften, Bremsleistung, Torsionskraft etc. etc. … 

Zuviel auf einmal ?  – Einverstanden. Für die Veranschaulichung picken wir uns für heute nur mal die Begriffe zulässiges Gesamtgewicht, Zeit und Einsatzort heraus.

Stell Dir vor, dass die Begriffe zulässiges Gesamtgewicht, Zeit bzw. Geschwindigkeit und Einsatzort (z.B. Wellblechpiste ) einzelne Rädchen darstellen, an denen Du drehen kannst. Stell sie alle auf Maximum. Was passiert? –  Innert kürzester Zeit werden Dir die Bauteile auf Grund der Materialermüdung um die Ohren fliegen. Andersherum kannst du Glück haben, wenn alle Rädchen auf minus stehen.

Allein schon beim Begriff zulässiges Gesamtgewicht sollten alle Alarmglocken klingeln. Handelt es sich doch hierbei um eine theoretische, maximale Belastungsgrenze, die nur für eine kurze, ausserplanmässige Nutzung gedacht ist.
Menschlich vergleichbar mit der Leistung eines Fernwanderers, eines Querfeldein- und eines Marathonläufers. Würde man einen Marathonläufer ständig mit dem Rucksackgewicht eines Fernwanderers mit höchster Geschwindigkeit über Feld, Wald und Wiese schicken, würde er vermutlich nicht sehr lange durchhalten, bevor er zusammenbricht. Ebenso spricht eine ständige Maximalbelastung bei Reisemobilen für eine stark reduzierte Lebensdauer. Ein Kiestransporter wird seine Ladung nach Erreichen der Baustelle kippen, und das Fahrzeug erreicht sofort wieder sein Leergewicht, was einer Materialentlastung gleichkommt. Die Maximalbelastung ist also nur kurzfristig, nicht permanent.

Doch unser so geliebtes Wohnmobil, ob 3.5 to oder 15 to wird Tag und Nacht ohne jegliche Entlastung da stehen oder fahren. Dies reicht jedoch noch nicht. Das ganze Gefährt wird oft zusätzlich auch noch überladen und über Wellblechpisten und Schlaglöcher gejagt. Dafür wurde es doch schliesslich gebaut! 

Abends am Lagerfeuer wird dann heftigst darüber diskutiert ob es besser ist mit 20 km/h oder mit 80 km/h über die Piste zu donnern. Derweil krümmt und windet sich das gesamte Fahrwerk unter Schmerzen ohne jegliche Hoffnung, das ihm die Last abgenommen wird.

Jedem Esel, jedem Pferd und  jedem Kamel wird abends selbstverständlich die Bürde von Rücken und Schultern genommen. Da es sich bei unseren Mobilen ja nur um Maschinen mit Stahlträgern und Federn handelt, werden sie den Mund halten, das Gewicht und die Beanspruchung weiter (er-)tragen und eines Tages einfach brechen.

Anschliessend spielen sich immer die gleichen Szenen ab, in der Regel mit Männern als Hauptdarsteller. Rostige, beschädigte oder geborstene Bauteile werden nach dem Ausbau mit ölverschmierten Händen und Gesichtern wie Jagdtrophäen dem Allmächtigen in Richtung Himmel entgegen gestreckt mit den Worten: »Da haben wir Dich ja endlich!« Das Ganze nennen wir Männer dann Abenteuer .

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»Ich schraube, also bin ich, auch bei minus 20 Grad

Für all jene »Weicheier« die dieses allwiederkehrende Ritual nicht als das höchste aller Gefühle empfinden, kommen wir nun zur Gretchenfrage:

»Wie kann ich eine durchschnittliche Lebensdauer eines Wohnmobils überhaupt berechnen?«
– Klare Antwort: »Kannst Du nicht!« Kein Aufbauer wird und kann Dir eine Lebensdauergarantie oder -angabe über den gesetzlichen Rahmen hinaus ausstellen.
Eine solche Berechnung, wohlgemerkt unter normalen Bedingungen, nicht unter Maximalbedingungen, wird ein milliardenschwerer Fahrzeugproduzent wie MAN oder Mercedes höchstens kurz vor Gericht zücken, und Du trägst sehr schnell die Nummer zwei auf dem Rücken. Eine Berechnung, die statisch auch noch den geplanten Aufbau berücksichtigt, würde den Aufbauer eine sechsstellige  Summe kosten, was sich keiner dieser Individualisten leisten kann. 

Also greift der Aufbauer in seinen Zauber Zylinder, entnimmt diesem eine statische Berechnung des nebenan tätigen Stahlunternehmers und mischt diese Angaben mit einer mehr oder weniger grossen Portion Erfahrung. Im besten Fall werden diese Angaben noch mit den Aufbaurichtlinien des Fahrzeug Herstellers garniert, und fertig ist das Ding. Hand aufs Herz, wer von Euch hat vor der Übernahme das Reisemobil  die Einhaltung der Aufbaurichtlinien des Fahrzeugherstellers überprüfen lassen? 

Nach vielen Gesprächen mit Fachleuten wie Fahrzeug Ingenieuren, Schweiss Ingenieure, Material Technikern, Feinmechanikern etc. kann man jedoch eine grobe Annahme treffen. 

Um annähernd die erwartete Lebensdauer eines Reisemobils beim Normalgebrauch tatsächlich zu erreichen, sollte die maximale Zuladung um ca. 25 % -30% unter dem maximal zulässigen Gesamtgewicht bleiben. 

Bei einigen von Euch wird jetzt sicher der Puls rapide ansteigen, also werde ich gleich ein kleines Valium in Form eines Gewichtsrabatts nachschieben. Es ist auch mir klar, dass mit diesen Zahlen auf einen Schlag 90-95 % aller Fahrzeuge durch das Raster fallen. Also, versucht doch wenigstens euer Gewicht, pardon , das Gewicht Eures Mobils  auf +/- 80 %  des zulässigen Gesamtgewichts zu reduzieren.

Entspricht die Beanspruchung eines Reisemobils dagegen stets 100% auf Maximum Gewicht und Nutzung, kann sich die Lebensdauer der Bauteile sage und schreibe um ca. 50-60 % reduzieren.

Jetzt werden einige von Euch die Augen reiben, eventuell nicht mehr weiterlesen oder sich ernsthaft Gedanken über Abspeck-Möglichkeiten machen. 

Als erstes ab auf die Waage

Wie Ihr unten in dem von mir erstellten Schema seht, hat meine eigene Recherche, Wiegen und Ausmessen bei unserem Reisemobil ergeben, dass unser Aufbauer in diesem Bereich seriös gearbeitet hat, obwohl ich ihn für viele andere Nachlässigkeiten am liebsten in eine Umlaufbahn der Unumkehrbaren schiessen würde. Maximale Nutzlast 10’500 kg, reisefertiges Gewicht ca. 8’500 kg, d.h. wir haben eine Reserve von 2’000 kg. Zudem noch eine ideale Gewichtsverteilung, gute Achslastenverteilung, gute Radlastverteilung und gleichmässige Seitenlastverteilung.

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Ein solches Schema der Lastenverteilung liefert leider kaum ein Aufbauer mit.

Die zusätzlichen 1’000 kg, die wir als Sonderwünsche orderten brachten das gute Verhältnis bereits in eine leichte Schieflage. Weshalb wir uns folgende Fragen zur erneuten Gewichtsreduzierung stellten und entsprechende Massnahmen ergriffen, um Ballast abzuwerfen und unser Mobil möglichst lange vor grösserem Schaden zu bewahren:

  1. Da es nach neun Jahren an der Zeit ist, die Batterien zu wechseln, überlegen wir uns, auf leichte Lithium Ionen Batterien zu setzen oder auf 2 Volt Batterien. Das ergäbe sage und schreibe eine Gewichtsreduktion von 100kg!
  2. Muss die Garage des Koffers immer randvoll gefüllt sein? – Nein! Zubehör, das ich seit einem Jahr nicht mehr in den Händen hatte, wird entladen.
  3. Müssen die Wassertanks stetig mit 500l Wasser randvoll sein? – Nein, wenn es unterwegs Nachfüllmöglichkeiten gibt.
  4. Muss der Generator im Sommer dabei sein?  Nein, denn dann reicht der Solarstrom völlig aus.
  5. Immer wieder kommt die Thematik des Reserverads auf: Rad 120 kg / Radhalterung 50 kg /Wagenheber- Holzunterlagen 10 Kg. Winterketten je 40 kg .
    Wir haben das für uns im Sinne der Belastung und Entlastung wie folgt geregelt: sind wir in Europa und auf normalen Strassen unterwegs, bleibt alles zu Hause. Verlassen wir Europa, wird das Reserverad aufgeschraubt und das Zubehör mitgenommen.

Euch fallen sicher noch einige weitere Möglichkeiten ein…

Wie immer im Leben ist es nicht einfach, abzunehmen und nicht dem Jo-Jo Effekt aufzusitzen. Je nach Jahreszeit und Reiseziel kann das Gewicht jedoch leicht um einige Hundert Kilos variieren.

Seit wir »Reisegewicht abspecken« und variabler unterwegs sind, freut sich unser Koffer mittlerweile wieder auf jede Passstrasse und zwar ohne Husten und Röcheln.

Wie ist eure Erfahrung? Erzählt uns gern im Kommentar von Euren Gewichtsproblemen, Lösungen und Erkenntnissen…

Übrigens, der Aufbauer und Verkäufer unseres Expeditionsmobils war die Fa. Exploryx in Isny. Und wer weitergehende Erfahrungsberichte und Informationen zum Thema »Expeditionsmobilausbauer« sucht, dem können wir die Seite des sehr erfahrenen Reiseteams der Pistenkuh empfehlen, wo eine gute Plattform entstanden ist zum Erfahrungsaustausch.

nurMut… jedes Kilo zählt!

Robert Kochgruber

2 Kommentare zu Fettsucht bei Wohnmobilen – Abspecken verlängert das Leben!

  1. Bravo!
    Freundliche Grüsse
    Willi und Ruth von Känel-Nägeli, Gais AR

    (Aus Platz- und Zeitmangel sind wir keine Wohnmobil-Eigner)

  2. “Ihr Mobil ist überladen!Ich muss Ihnen den Führerschein abnehmen“,
    sagt der Polizist zu mir.
    „Sie scherzen wohl! Der Führerschein wiegt doch höchstens fünfzig Gramm“!!
    Leider hat er den Scherz nicht verstanden.
    Nun rolle ich das Reserverad zu Fuss übers Land.

    Es grüsst Euch
    Der letzte, echte Weltenbummler
    Röbi

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