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Der Norden Frankreichs – von Rosen, Robben und Ralf-Peter

Goldener Herbst am Atlantik.

Der Norden Frankreichs – perfekt für eine Herbst-Auszeit mit Hund.

Auf unserem spontanen Herbst Wandertrip an die französische Atlantikküste hatten wir an unserem zweiten Tag am Cap d’Antifer unverhofft einen Zettel an unserer WoMo Tür gefunden.

Darauf Stellplätze am Meer von unserem Wohnmobil Nachbarn, der vor seiner Weiterreise ein paar nette Worte und Tipps für unsere eigene Weiterreise hinterlassen hatte.

»Das ist ein Zeichen« , meinte Robert am Abend des zweiten Tages an diesem absoluten Traumplatz hier am Leuchtturm, »ein Zeichen dafür, morgen weiterzufahren, um weitere Traumplätze zu finden!«

»Ach, nö«, quengelte ich ein wenig herum, denn es gefiel mir hier sensationell gut. Und ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, dass es woanders, weiter nördlich nur annähernd so schön sein könnte wie an diesem Küstenabschnitt mit seinem unglaublichen Licht, den Wanderwegen und den mehr als kitschigen Sonnenuntergängen.

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Da mein Mann das bereits kennt, sagte er nicht mehr viel zu dem Thema und machte am nächsten Morgen nach dem Morgenspaziergang mit Herrn Monet unseren Koffer abfahrtsbereit.
»Sollen wir nicht doch vielleicht noch einen T…«
Weiter kam ich leider nicht, als mir ein entschlossenes »Nein!« entgegen geschmettert wurde. Und dann: »Ich weiss ja, wir finden nirgends auf der Welt mehr einen schönen Stellplatz für unser Reisemobil…«, ironisch grinsend schaute Robert mich an, während er Monet auf seinen Platz im Fahrerhaus schickte und mir die Tür von innen aufhielt.
Leicht schmollend und brummelnd nahm ich unser Navigerät und die Strassenkarte sowie den handgeschriebenen Zettel mit den Tipps und nahm neben Monet im Cockpit Platz.
»Du kannst ja schon mal das nächste Ziel eingeben«, rief mein Mann mir hinterher, bevor er die Treppe einfuhr und auch aussen alles abfahrbereit machte. »Wo geht’s denn jetzt hin?«

»Veulettes-sur-Mer«, nuschelte ich und gab den kleinen Küstenort in unser Navigerät ein. Etwas knapp über 50 km liegt er entfernt vom Cap d’Antifer. Keine grosse Distanz also.

Durch ländliche Gegend, vorbei an grossen Feldern, Äckern und Kuhweiden und durch herzige kleine Dörfer gelangen wir also am frühen Mittag bereits nach »Veulettes-sur-Mer«. 

Veulettes-sur-Mer, wo müde Möwen auf Muscheln warten.

Auf einer schmalen, am Rand bewaldeten Strasse, die zum Ort hin leicht abschüssig wird, blitzen hie und da am gegenüber liegenden Hang stattliche Steinhäuser im typischen Normandie Stil durch die sich langsam verfärbenden Äste der Laubbäume. Die Strasse führt uns immer weiter hinab, denn im Gegensatz zu unserem vorigen, luftig hohen Aussichtsplatz am Cap, liegt der Ort und auch der schön angelegte Stellplatz von Veulettes-sur-Mer direkt an einem langen Kiesstrand in einer geschwungenen Bucht zwischen zwei steilen Klippenabschnitten am Meer. 

Als wir auf der Küstenstrasse durch den kleinen Ort fahren, macht das 300-Seelen Küstennest einen leicht verschlafenen Eindruck. Vor einzelnen der aufgereihten Restaurants machen die Kellner langsam ein paar Tische und Stühle parat und halten mit vorbeifahrenden Einheimischen einen kleinen Schwatz. Die wärmende Herbstsonne scheint träge von einem wolkenlosen Himmel auf die gemächliche Szenerie herab.

Der Stellplatz liegt nach der kleinen Restaurantmeile rechts der Strasse, nicht zu verfehlen. Dort stehen nur ein paar vereinzelte Reisemobile, genügend Platz also, dass wir uns auch ein schönes Plätzchen in der Sonne aussuchen können. Hinter dem Stellplatz fliesst direkt der kleine Küstenfluss Durdent, der dem angrenzenden, flachen Wandergebiet seinen Namen gibt und gegenüber dem Stellplatz in den Atlantik mündet, hier auch Ärmelkanal genannt.

Dass wir am Ärmelkanal sind, bemerken wir auch an den zunehmend englischen Kennzeichen der Reisemobile, die uns hier begegnen. Dort drüben irgendwo liegt England! Sehen kann man von hier aus aber noch nichts. Wenn man vor hier jedoch ca. 100 km geradeaus schwimmen würde, käme man ungefähr nach Brighton.

Wir stellen unseren »Koffer« auf einen der Stellplätze und erkunden mit Herrn Monet erst einmal das Terrain. Auf dem Weg über den grosszügigen Platz stoppe ich abrupt vor einem Wohnmobil, dessen Besitzer offensichtlich ausgeflogen ist.

»Guck mal, das ist doch unser Nachbar mit den Tipps!«. rufe ich hocherfreut. »Jetzt können wir uns doch noch bei ihm bedanken. Ich hol schnell Zettel und Stift aus dem WoMo, nicht dass wir ihn wieder verpassen.«.
Wir schreiben ihm eine kleine Nachricht für den Fall, dass er nach seiner Rückkehr erneut weiterfahren möchte, und wir ihn verpassen sollten.

Jetzt aber schnell an die Strandpromenade und in den Ort, denn wir brauchen ein Brot. Vorbei an aufgereihten Sommerstrandhäuschen, die als Barriere zwischen Strasse und Strandpromenade dienen, flanieren wir zum Ortskern nach vorne. Auf dem träge dahin schwappenden Atlantikwasser dümpeln faule Möwen dahin und warten vermutlich auf die nahende Mittagszeit, zu der eventuell ein paar Happen von den Terrassentischen der Restaurants für sie abfallen werden.

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Eine herrlich ruhige, ein wenig melancholische Stimmung herrscht hier jetzt, da nur noch vereinzelte Spaziergänger und wenige Jogger die lange und breite Strandpromenade frequentieren. Wir lieben diese nachsaisonale Wehmut, wenn man sich nur vage vorstellen kann, welcher Trubel und welches bunte Treiben hier im Hochsommer herrschen muss. Monet liebt die Nachsaison auch, denn dann kann er ohne Leine als freier Hund hierhin und dorthin laufen und ausgiebig schnüffeln.

Der einzige, kleine Dorfladen ist gerade schon dabei zur Mittagspause zu schliessen, als ich noch knapp ein Baguette ergattern kann.

Auf dem Rückweg, vorbei an den Restaurants, deren Terrassen direkt an der Promenade mit einmaligem Meerblick liegen, bekomme ich Appetit. Ich schlage Robert vor, hier eine Kleinigkeit zu essen und den Altweibersommertag mit Atlantikblick zu geniessen. Gesagt, getan! Um 12:30 Uhr sind wir zwar die ersten Gäste, aber wie wir feststellen dürfen, nicht die letzten. Denn die umliegenden Tische füllen sich zusehends. Nicht nur mit Touristen, sondern auch mit Einheimischen, was wir als sehr gutes Zeichen deuten.

»Moules Frites« und »Fish & Chips«, bestellen wir. Soviel Tradition muss in dieser Region jetzt einfach mal sein. Dazu zwei Gläser kühlen Weisswein, schliesslich gönnen wir uns ja eine Auszeit.

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Während wir auf das Essen warten beobachten wir die grossen Chefmöwen, die den milden, zahmen Atlantiktag ebenfalls sichtlich zu geniessen scheinen. Sie tanzen schwimmend auf den sanft schaukelnden Wellen und bewegen sich kaum. Entspannung hat einen Namen!

Gestärkt und gut gelaunt kehren wir zu unserem Mobil zurück und kommen zeitgleich mit unserem Nachbarn dort an. Er freut sich, dass wir einem seiner Tipps gefolgt sind und erzählt uns begeistert von seinem Fahrradausflug ins liebliche Durdent-Tal zum nächsten Ort.

»Ich werde nachher weiterfahren nach Saint-Valery-en-Caux, dort steht man angeblich direkt mit Meerblick unterhalb der Steilküste«, informiert er uns, nachdem wir eine Weile in der Sonne mit ihm geplaudert haben.
»Gute Fahrt und weiterhin viel Spass«, wünschen wir dem netten Herrn, dessen Namen wir immer noch nicht kennen, »und aller guten Dinge sind drei«, rufen wir ihm noch hinterher, »wir sehen uns bestimmt nochmal auf der Tour!«

Den warmen sonnigen Nachmittag verbringen wir mit süssem Nichtstun in der Sonne und einem ausgiebigen Spaziergang mit Monet am Kiesstrand unter den senkrecht in die Höhe ragenden steilen Klippen.
Es ist Ebbe und der Atlantik hat sich weit zurückgezogen. Wir marschieren auf glatten, rund geschliffenen und relativ grossen Kieselsteinen dahin und betrachten die Kalkwände von unten, von denen hin und wieder auch grössere Stücke abbrechen und als stumme Zeugen der Erosion auf dem Kies liegen. Monet möchte natürlich baden und sucht das Meer.

norden frankreichs-nordfrankreich-wohnmobil-wandern mit hund-normandie-hund-monetZum Glück haben sich im Kies einige Meerwasserbecken gebildet, gross genug, um als Badewanne für unseren Vierbeiner zu dienen. Und die kleineren Kiesel sind perfekte Wurfgeschosse, die Monet im Wasser jagen kann, aber niemals findet. Die perfekte Methode, einen aktiven Hund, müde zu spielen und glücklich zu machen.

Nach einem derart entspannten Ruhetag in Veulettes-sur-Mer, wo am nächsten Morgen übrigens sogar eine freundliche Bäckersfrau mit frischem Baguette und Croissants vorbeigefahren kommt, starten wir am folgenden Tag zu neuen Ufern.

Romantik à la Normandie in Veules-les Roses

Wir lassen St.-Valery-en-Caux aus, da der Stellplatz dort wohl sehr gross und stets sehr voll und eng sein soll und steuern direkt den nächsten Tipp »Veules-les-Roses« an, laut Reiseführer einer der schönsten Orte Frankreichs.

Dort finden wir einen sehr grossen Parkplatz, der eigentlich eine riesengrosse Wiese ist, auf der bereits ein paar Wohnmobile stehen. Und das, obwohl auf einem Schild an der Zufahrt in Französisch steht, übernachten mit Wohnmobilen ab 22:00 Uhr nicht gestattet. Das scheint hier jedoch in der Nachsaison niemanden zu interessieren. Da wir sowieso autark sind und freie, grosszügige Parkplätze im Grünen den offiziellen Stell- und Campingplätzen mit Infrastruktur vorziehen, suchen wir uns auf der Riesenwiese einen Platz ohne direkte Nachbarn.

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Im Vorbeifahren entdecke ich erneut das »Globetrotter-Mobil« unseres Düsseldorfer Stellplatz Nachbarn, der uns immer einen Tag voraus zu sein scheint. Dieses Mal ist er zuhause und hat unser Kommen wohl bereits gehört, denn freudestrahlend eilt er uns entgegen und begrüsst uns. Fast wie ein Gastgeber, der sich freut, dass seine Gäste seine Übernachtungstipps so gut annehmen.

Das dritte Mal treffen wir ihn nun schon, und endlich stellen wir uns namentlich vor und erfahren somit auch seinen Namen:
»Ralf-Peter, sehr erfreut!«
Wir freuen uns auch sehr, dass sich unsere Wege immer wieder kreuzen und erfahren von ihm bereits wieder viel über den Ort. 

Den kürzesten Fluss Frankreichs gibt es hier, die Veules, mit einer Länge von 1’194 m.

norden frankreichs-nordfrankreich-wohnmobil-wandern mit hund-normandie-veules-les-rosesCharmant mit ihren vielen alten Holzmühlen, die sich an ihren Ufern entlang ziehen und der typischen, leuchtend grünen Wasserkresse, die hier wohl auch noch zum Verzehr geerntet wird.

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Ausserdem ist der Ort wohl bekannt für seine vielen Rosen, die in den idyllischen Gassen vor den pittoresken, alten Normandie Häusern blühen und ihm seinen Namen geben.

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Ralf-Peter berichtet begeistert von Veules-les-Roses und wir sind schon sehr gespannt, was uns hier erwartet. Einmal mehr verabschiedet sich unsere Reisebekanntschaft wieder von uns, weil es ihn weiterzieht. Jedoch nicht, ohne uns noch sein erklärtes Lieblingsziel an der nordfranzösischen Küste zu verraten, das er auf dem Hinweg entdeckt und unbedingt auf seinem Rückweg nochmals besuchen möchte: Berck Plage in der Picardie, dem Land der Chti’s.

Nachdem wir mit seinen Reisetipps bisher im wahrsten Sinne des Wortes sehr gut gefahren sind, und Robert sowieso schon immer mal das Land der Chti’s, also den nördlichsten Zipfel Frankreichs besuchen wollte, beschliessen auch wir, Berck Plage in ein paar Tagen anzupeilen.

»Na dann, sehen wir uns bestimmt noch einmal«, meint Ralf-Peter fröhlich lachend und beschreibt uns seinen dortigen Stellplatz Geheimtipp ganz genau, bevor er mit seinem Wohnmobil winkend und hupend von dannen fährt.

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Wir erkunden, mit unseren Kameras bewaffnet, das tatsächlich sehr idyllische Veules-les-Roses mit seinem kurzen Fluss, seinen Mühlen und den Rosen. Darüberhinaus entdecken wir charmante, kleine Geschäfte mit witziger Kunst und schöne alte Häuser.

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In spannendem Kontrast zum romantischen Ort gibt es hier eine weitläufige Strandpromenade an der Küste, wo an diesem herrlichen Spätsommertag die letzten Sonnenanbeter am Kiesstrand liegen, ein letztes Bad im Atlantik wagen, und die Melancholie des nahenden Winters noch weit entfernt zu sein scheint, obwohl das tiefer stehende, goldene Herbstlicht sie bereits erahnen lässt.

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Angesteckt von der entspannten Atmosphäre und als ob auch wir dem nahenden Winter trotzen möchten, gönnen wir uns ein »After Eight Eis«, Pfefferminze mit dunklen Schokostückchen, und zollen mit dieser aussergewöhnlichen Wahl der Nähe zu England unseren Respekt. Und hier schmeckt es uns auch erstaunlich gut. Wie sehr doch auch Geschmacksnerven von Ort und Stimmung beeinflusst werden.

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Verlassene Strandhäuschen und hölzerne  Seebrücken, die bei Flut weit ins Meer ragen und bei Ebbe fast trocken liegen, tragen zur leicht wehmütigen Stimmung eines milden Herbsttages in der Normandie bei.

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norden frankreichs-nordfrankreich-wohnmobil-wandern mit hund-normandie-veules-les-roses-strandEin Song der französischen Chansonnière Patricia Kaas fällt mir ein, während über unseren Köpfen die Möwen kreischen und im auffrischenden Wind spielen: »Hotel Normandy«, ein Musikstück, das für mich wie kein anderes genau diese Herbststimmung hier und jetzt am Strand von Veules-les-Roses interpretiert.

Hippies, Robben und die etwas andere Kunst in Berck Plage

Bevor die Herbstmelancholie überhand nimmt, setzen wir unsere Reise nach einem sonnigen Ruhetag in Veules-les-Roses ebenfalls fort und starten zum letzten Highlight unserer spontanen Nordfrankreich Herbstwoche. Denn auch wir wollen gern die possierlichen Robben am Strand von Berck im Nord-Pas-de-Calais »live« erleben, von denen uns Ralf-Peter so vorgeschwärmt hatte.

Nach gut zwei Stunden Fahrt und knapp 200 km landen wir also in der Picardie, europaweit vor allem bekannt geworden durch den amüsanten Kinofilm: »Willkommen bei den Schti’s«.

Ralf-Peter hatte uns den zweiten Stellplatz in Berck Plage ans Herz gelegt, auf dem laut seiner Aussage auch ein paar Hippies als Dauergäste stehen, und der insgesamt unkonventioneller zu sein scheint als der andere Platz, direkt am Ort. Wir steuern also den Stellplatz in der Rue du Dr. Callot an, der auf den ersten Blick tatsächlich ein wenig marod erscheint, an diesem sonnigen Samstag jedoch vor allem auch ziemlich voll ist. Aber kein Problem, denn direkt daneben liegt ein grosszügiger Parkplatz, auf dem wir sofort einen alten Bekannten stehen sehen. Lächelnd begrüsst uns Ralf-Peter vor seinem Wohnmobil und meint:» Ich wusste doch dass ich Euch nochmals treffe!« Wir parken direkt neben ihm, da dies wohl jetzt im Herbst hier niemanden zu interessieren scheint.

»Habt Ihr Lust, heute, an meinem letzten Abend in Frankreich mit mir im Ort etwas essen zu gehen?«, fragt Ralf-Peter.
»Wenn Du schon mal hier bleibst und nicht vor uns fliehst, müssen wir diese Gelegenheit doch unbedingt ergreifen« scherzen wir und haben natürlich Lust, mit ihm abends essen zu gehen.

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Vorher gilt es jedoch, den endlos scheinenden Sandstrand zu erkunden hinter den Dünen, die direkt vor unserem Stellplatz liegen. Ja, richtig gelesen, Sandstrand. Die Kieselstrände der Nordnormandie liegen nun endgültig hinter uns, und feiner Sand, der sich hier am Rand zu hohen, mit  Strandhafer bewachsenen Dünen auftürmt, liegt kilometerweit zu unseren Füssen. Sylt-Feeling kommt auf, lägen da nicht die unübersehbaren, stummen Zeitzeugen einer, vor allem für uns Deutsche, unrühmlichen Vergangenheit, die hier am Ärmelkanal besonders zahlreich zu finden sind.

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Wie Riesenbauklötze, die überdimensionale Monsterkinder hier am Strand vergessen haben, scheinen massive Betonbunker hier übereinander zu purzeln und halb versteckt im Sand zu stecken. Wir haben entlang der französischen Küste auch bei früheren Reisen einige solcher alter Bunker gesehen, aber hier in Berck sprengen die Dimensionen jegliche Vorstellungskraft.

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Offensichtlich haben an diesem breiten und ewig langen, herrlichen Sandstrand kreative Köpfe ihren ganz eigenen Weg gefunden, mit diesen beinahe unvergänglichen Zeichen des Schreckens umzugehen. Denn sie nutzen sie für ihre bunte Graffiti-Kunst. Und wie wir finden, auf äusserst gelungene Art und Weise.

Unser vierbeiniger Künstler Monet goutiert die Kunst ebenfalls und möchte am Liebsten einige der bunten Kameraden kennenlernen.norden frankreichs-nordfrankreich-wohnmobil-wandern mit hund-picardie-berck plage-graffiti-bunker

Was er als pazifistischer Hund allerdings überhaupt nicht goutiert, ist die generelle Existenz von Betonbunkern aus kriegerischen Zeiten, schon gar nicht in solch wunderschönen Naturlandschaften, was er ebenfalls deutlich und in aller Form kommentiert.

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Die Strände von Berck sind tatsächlich unglaublich schön, vor allem für Hundebesitzer ein Paradies, da man stundenlang mit seinem Vierbeiner hier am Atlantik entlang wandern kann. In der Nebensaison auch gut ohne Leine, sofern der Hund wie Monet gut erzogen und abrufbar ist. Bei Ebbe sind sie nicht nur ewig lang sondern auch aussergewöhnlich breit, da das Meer hier einen extremen Tidenhub aufweist.

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Entlang der Küste kann man auch hier die eine oder andere beeindruckende Villa aus vergangenen Zeiten bewundern, in denen heutzutage vielfach Reha-Kliniken für Lungen- oder Herz-Kreislaufkranke untergebracht sind. Unweigerlich fällt mir beim Blick auf die vielen dem Meer zugewandten Balkone »Der Zauberberg« von Thomas Mann ein.

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Am frühen Abend wandern wir im letzten Sonnenlicht mit unserem Wohnmobil Nachbarn und sehr geschätzten »Reiseleiter« ca. eine Stunde den Strand entlang, am Ort vorbei zum anderen Ortsausgang. Denn wir haben eine »Sundowner-Verabredung« mit den  Robbenkolonnien, die sich hier gegenüber des Club Nautique Berckois bei Ebbe auf den strandnahen Sandbänken in den letzten Sonnenstrahlen aalen. Ralf-Peter hat uns erzählt, dass er den Robben jeden Morgen gegen zehn Uhr »Guten Morgen« sagt und abends «Gute Nacht«. Das wollen wir auch, denn man bekommt nicht alle Tage Robben in ihrem natürlichen Lebensraum zu sehen.

Als wir am anderen Strandende ankommen, sehen wir schon von Weitem, dass wir an diesem Samstagabend nicht die einzigen sind, die den Robben »Gute Nacht« sagen möchten. Teils mit überdimensionalen Objektiven auf ihren Kameras im Anschlag warten einige Besucher auf das allabendliche Spektakel, wenn sich das Wasser zurückzieht und die Sandbänke frei gibt.

Wir nehmen unseren Hund an die Leine und warten mit den anderen darauf, dass die im warmen Licht der untergehenden Sonne glänzenden Seehunde auf dem Sand näher an uns heran robben. Denn wir haben kein Monsterobjektiv dabei und würden dennoch sehr gern diesen magischen Moment in einem Foto festhalten. Wohlwissend, dass ein Foto solch schönen, seltenen Erlebnisse nie ganz gerecht werden kann.

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Die Robben machen sämtlichen Klischees, die man als Laie im Kopf hat, alle Ehre. Sie schwimmen pfeilschnell an uns vorbei und springen fröhlich in die Luft, als ob sie rufen wollten: »Fang mich doch mit Deiner Kamera! Ätsch, wieder zu langsam!« Herrlich, diese pure Lebensfreude. Unweigerlich bekommt man gute Laune.

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Andere, ältere und gesetztere Kaliber ziehen es vor, mit angezogenen Flossen in Seitenlage faul den Bauch in Richtung untergehende Sonne zu drehen und vermeintlich stundenlang unbeweglich zu verharren. Als ob sie diejenigen wären, die gern mit ihren freundlichen, dunklen Knopfaugen in die Kamera schauen und für ein Foto posieren.

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Ralf-Peter hat nicht zu viel versprochen, die Robben an der Küste von Berck Plage sind wirklich ein Highlight. Ich kann mich kaum losreissen von den lustigen Gesellen, und nur die mit der Dämmerung einsetzende kühle Temperatur kann mich schliesslich davon überzeugen, endlich ein warmes Restaurant aufzusuchen.

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Samstagabends ohne Reservierung auch in der Nachsaison gar nicht so einfach in Frankreich. Im alten Ortskern finden wir jedoch noch ein Restaurant, das wir auch mit Hund besuchen dürfen und verbringen hier einen gemütlichen Abend mit Ralf-Peter, den wir hier nun zum vierten Mal auf unserer einwöchigen Reise entlang der Nordküste Frankreichs getroffen haben.

Der Rückweg im Dunkeln durch den beinahe menschenleeren Ort Berck, vorbei an den vielen Rehakliniken und Sanatorien, hat etwas Unwirkliches, Morbides und dennoch Spannendes. Schön finden wir den Ort Berck nicht wirklich, aber auf seine Art einzigartig, abwechslungsreich und auf jeden Fall einen Besuch wert.

Am nächsten Sonntagmorgen erleben wir ab ca. 10:00 Uhr eine Überraschung auf unserem Parkplatz, der gestern noch so schön leer gewesen ist. Ein Auto nach dem anderen spuckt Sonntagsausflügler aus, Angler packen ihre Ausrüstungen und streben lachend und diskutierend in Richtung Strand. Sogar ein grösserer, teurer Pferdetransport-Sprinter parkt direkt neben uns, aus dem ein sportlich-eleganter Reiter seinen edlen Hengst auslädt, ihn mit einem teuren Sattel ausstattet und durch die Dünen in Richtung Meer davon galoppiert.

Der Parkplatz füllt sich zusehends. Da wir heute unseren langen Rückweg in die Heimat antreten wollen, mache ich mit Monet ein wenig wehmütig nur noch einen kurzen Abschieds-Gassigang am Strand, während Robert unser Reisemobil abfahrtbereit macht, bevor wir vollkommen eingeparkt werden.

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Schnell noch einen kleinen Abschiedsbrief für Ralf-Peter an seine WoMoTür heften, denn er ist bereits schon wieder unterwegs, um den Robben einen guten Morgen zu wünschen.

»Schade, dass wir uns nicht persönlich verabschieden können, aber ich habe unsere Kontaktdaten hinterlassen. Vielleicht meldet sich Ralf-Peter ja wieder bei uns, wenn er mag.«

Vor einer knappen Woche waren wir spontan am Atlantik angekommen, ohne genau zu wissen, was uns hier erwarten wird. Nun reisen wir mit einem grossen Sack unglaublich vieler schöner Eindrücke, Erlebnisse und einer wunderbaren, neuen Reisebekanntschaft wieder ab. Mit dem Versprechen, auf jeden Fall wiederzukommen in die Normandie und das Land der Chti’s. Und mit dem Fazit, dass sich eine kleine Reiseauszeit immer lohnt, egal wie lang.

Unsere persönlichen Lieblingsplätze im Norden Frankreichs:

Cap d’Antifer – die Steilküste mit den schönsten Sonnenuntergängen, perfekt zum Wandern mit Hund.

L’Etrétat– Wo der Geist Monets über den Felsentoren im Atlantik schwebt und das Licht eimalig ist.

Veulettes-sur-Mer – Moules Restaurant Terrassen mit schönster Atlantiksicht.

Veules-les-Roses – Romantischer Ort mit kontrastreicher Küste.

Berck Plage – Unendlicher Sandstrand, bunte Graffiti Kunst & sonnenbadende Robben.

nurMut…denn nach der Auszeit ist vor der Reise!

1 Kommentar zu Der Norden Frankreichs – von Rosen, Robben und Ralf-Peter

  1. Ralf-Peter Gawin // 31/10/2018 um 11:13 // Antworten

    Liebe Petra,

    danke für die liebevolle Beschreibung Eurer Spontanreise in zwei Teilen und ich freue mich ein Teil davon gewesen zu sein.

    Euer regelmäßiger Nachbar und „Reiseleiter“
    Ralf-Peter

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