Aufgepasst, marokkanische Berber im Antiatlas!

Sie könnten Deine Freunde werden...

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Neujahrstag in Marokko – aufstehen und Tee trinken!

Das neue Jahr begrüsst uns am Cap Bedouzza mit strahlendem Sonnenschein, nachdem das alte eher trüb geendet hatte. Wir werten das als gutes Omen und begrüssen unsererseits den ersten Tag des neuen Jahres auf der Terrasse des Hotels, auf dessen Parkplatz wir letzte Nacht mit unserem Reisemobil übernachten durften. Nachdem ein  »Schutzengel« Konvoi uns gestern Abend dorthin eskortiert hatte.

Das neue Jahr begrüsst uns am Cap Bedouzza mit strahlendem Sonnenschein, nachdem das alte eher trüb geendet hatte. Wir werten das als gutes Omen und begrüssen unsererseits den ersten Tag des neue Jahres auf der Terrasse des Hotels, auf dessen Parkplatz wir letzte Nacht netterweise mit unserem Reisemobil übernachten durften. Nachdem ein Konvoi »Schutzengel« uns gestern Abend dorthin eskortiert hatte.

Nach vier Tagen in Marokko wollen wir endlich einmal den berühmten marokkanischen Berber Tee probieren, der in vielen Familien ausschliesslich von den Männern in einer ganz speziellen Zeremonie zubereitet wird. Aber natürlich auch in Restaurants oder Cafés bestellt werden kann. Entgegen meiner früheren Meinung, dass es sich bei marokkanischem Tee um reinen Minztee handelt, lernen wir im Land selbst sehr schnell, dass der klassische Tee hier aus chinesischem Grüntee zubereitet wird, der mit sehr viel Zucker aufgekocht und anschliessend mit einigen frischen Bättern der marokkanischen Nanaminze serviert wird.

marokkanische Berber-Minztee-Tee-marokkanischer Tee

Unser Neujahrs-Tee wird uns mit Palmenaussicht in einer der typischen geschwungen Metallkannen und zwei kleinen marokkanischen Teegläsern kredenzt. Und er schmeckt genauso, wie es uns später ein Berber erklären wird:

„Das erste Glas ist bitter wie das Leben, das zweite stark wie die Liebe und das dritte sanft wie der Tod“.

Da der Tee in Marokko bei Gastgebern eine grosse Rolle als Begrüssungs- und Willkommensritual spielt, wird das nicht unser letztes Glas auf unserer Reise sein, auf der wir auch noch lernen werden, wie man den Tee richtig einschenkt und warum. Und dass man eine Einladung zum Tee nach Möglichkeit nie ausschlagen darf.
Aber wie so oft im Leben, ist das erste Mal das beste, so auch dieser allererste Minztee am ersten Tage des neuen Jahres. 

Gut gestärkt und ausgeschlafen machen wir uns wieder auf den Weg. Nach drei Tagen an der Küste sind wir auf das Hinterland gespannt und fahren deshalb im Landesinnern weiter Richtung Süden.

Es gibt Nationalstrassen und es gibt Nationalstrassen in Marokko

Obwohl wir ab der Stadt Safi auf die Nationalstrasse N1 wechseln, fahren wir auf dieser mitten durch einen grossen Markt, in Marokko Souk genannt. Wobei fahren eigentlich übertrieben ist, denn Robert muss abrupt bremsen und unseren grossen Koffer im Schritttempo durch das Gewusel von Kunden und Händlern durchmanövrieren. Dabei stets darauf achten, dass kein forscher, rechts überholender Mopedfahrer, ein rennendes Kind oder einer der Handkarren mit hochaufgetürmten Fladenbroten, Orangen oder anderen Waren »unter die Räder« kommt. Es wird gehupt, gerufen und wild gestikuliert. Aber irgendwie klappt alles wie am Schnürchen.

marokkanische Berber-Markt-Strassenmarkt-Marokko

Eine echte Herausforderung für unseren Chauffeur, während ich mit meiner Kamera aus dem Staunen mal wieder nicht herauskomme. Diese Vielfalt an frischem Obst und Gemüse und dieser Mix aus für uns exotisch gekleideten Menschen, die hier ihre Wocheneinkäufe erledigen wollen.
Da ich das Fenster geöffnet habe, nehmen wir auch die verschiedenen Düfte wahr. Ein Erleben mit allen Sinnen. Gebratenes Fleisch mischt sich mit dem Duft gedämpfter Zwiebeln und Gemüse aus Tajines, die auf offenem Feuer zubereitet werden.

Die grauen Langohren der überall geparkten Esel-Taxis würzen die Luft mit ihrem ganz eigenen Dung. Hier sind wir mittendrin statt nur dabei, und am Liebsten würde ich mich sofort ins Getümmel stürzen, um all das noch intensiver aufzunehmen. Beim Blick auf Robert, der ein wenig genervt angehalten hat im grössten Tumult, verwerfe ich den Gedanken an einen längeren Zwischenstopp jedoch gleich wieder. Ausserdem kann ich weit und breit keinen geeigneten Parkplatz für unseren LKW erspähen, so dass ich meinen Vorschlag runterschlucke und unserem Chauffeur helfe, durch das Labyrinth aus Marktständen, Menschen und Vehikeln schnellstmöglich herauszufinden.

Ruhe herrscht wieder auf der N1, nachdem wir den Souk hinter uns gelassen haben. Nur das eine oder andere Eselstaxi und einzelne Fussgänger, auf dem Weg zum Markt oder schwer bepackt auf dem Heimweg, kommen uns entgegen oder werden von uns überholt.

Marokko kann auch grün

Wir durchqueren hügelige Landschaften, deren Farben uns staunend verstummen lassen. Tief dunkelrote Erde, unterbrochen von zartem Grün und symmetrisch angeordneten Olivenbäumen, deren Blätter in einer leichten Brise silbrig schimmern. Unglaublich schön, diese verschiedenen Naturtöne und die Einsamkeit hier.

marokkanische Berber-marokko-rote erde-landschaft marokko

Mittags erreichen wir unser nächstes Ziel, die kleine Stadt Ounagha in der Provinz Essaouira, wo es einen schönen Campingplatz geben soll. Als wir den Ort erreichen wähnen wir uns zunächst einmal verkehrt hier, denn von park- und gartenähnlichen Anlagen, die den Campingplatz angeblich umgeben sollen, keine Spur. Wir landen auf einer staubigen, viel befahrenen Hauptstrasse, an deren Rändern sich Handwerkerbaracken und einige Geschäfte befinden. Grün suchen unsere Augen zunächst vergebens. Auf den ersten Blick ein chaotisch wirkendes Strassennest.

Unser Navigationsgerät sagt uns an der Hauptkreuzung im allerletzten Moment: »Bitte biegen sie scharf links ab!«
Robert tut wie ihm geheissen, während ich ein Schild oder einen Wegweiser zum Campingplatz suche. Kaum sind wir aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens halsbrecherisch links abgebogen, sagt unser elektronisches Fritzli: »Rechts abbiegen!«
Rechts befindet sich jedoch weder eine Strasse noch sonst etwas Sichtbares, in das man abbiegen könnte. Wiederum im letzten Moment rufe ich: »Halt, hier rechts rein!«, denn jetzt sehe ich das Schild »Camping des Oliviers« und eine Einfahrt.

Robert schafft es gerade noch, in die Einfahrt einzubiegen zwischen hohen Mauern, die den Platz umgeben und in den kleinen Park zu fahren, der mit Olivenbäumen und Blumenbeeten angelegt ist. Als ob wir in eine andere Welt eingetaucht wären, sind wir tatsächlich mitten im Grünen. Da wir zunächst nirgends eine Rezeption entdecken, suchen wir uns einen Stellplatz ohne direkte Nachbarn und steigen erst einmal aus. Sogleich eilt ein freundlich lächelnder Marokkaner auf uns zu und erklärt uns, dass wir uns später im hinteren Bereich des Platzes an der Rezeption anmelden können, und dass sich die sanitären Anlagen in der Mitte in einem rundläufigen Gebäude befinden. Die brauchen wir zwar nicht, aber dennoch bedanken wir uns. Es ist nicht viel los auf dem Platz, was uns sehr gefällt. Und es stimmt, der Platz hat, ganz im Gegensatz zum Ort vor der Mauer, eine beruhigend grüne Aura.

Ounagha – harte Nüsse, flüssiges Gold, Duft-Chaos und mutige kleine Jungs

Nach der Anmeldung machen wir uns auf den Weg, die Umgebung zu erkunden, nicht zuletzt, weil Monet nach der Fahrt endlich mal Gassi gehen möchte. Wir halten uns nach dem Ausgang rechts, gehen eher aus dem belebten Ort hinaus und biegen bald vom breiten Gehweg, der entlang der Hauptstrasse führt, rechts ab. Durch einige wenige Wohnhäuser gelangen wir auf eine staubige Strasse, die zum Feldweg wird, und sind auch hier plötzlich im Grünen.

Ausladende Bäume mit Dornen, schmalen Blättern und ovalen, grün-rötlichen Früchten säumen unseren Weg. Das sind definitiv keine Olivenbäume.
»Sind das vielleicht diese Arganbäume, von denen wir im Reiseführer gelesen haben, aus deren Früchten das besondere Öl gewonnen wird?« frage ich Robert. Er zuckt mit den Schultern. Wir sind uns nicht sicher, ob wir bereits südlich genug sind für Arganbäume, die endemisch, also ausschliesslich, im südwestlichen Marokko und südöstlichen Algerien vorkommen. Eine botanische Rarität, die ein ebenso rares wie teures Öl hervorbringt, das in hochwertiger Kosmetik und als exklusives, sehr gesundes, nussig schmeckendes Speiseöl Anwendung findet. Wir pflücken eine Frucht vom Baum und öffnen neugierig das feste Fruchtfleisch mit dem Fingernagel. Im Innern gelangen wir zu einer gallertartigen Masse, die fürchterlich an den Fingern klebt, und in der Mitte finden wir einen mandelförmigen Kern. Ich stecke wie immer meine Nase hinein, um daran zu schnuppern. »Riecht nach nichts«, stelle ich enttäuscht fest, »nur nach grüner Frucht, wie eine unreife Nuss!« 

marokkanische Berber-arganbaum-argan-arganfruechte

Wir spazieren eine Weile an vielen dieser grossen Bäume entlang, die hier wild zu wachsen scheinen. Aber der Schein trügt, wie wir im Laufe der Reise noch lernen werden. Jeder Arganbaum in Marokko gehört irgend jemandem, und die Früchte dürfen nicht einfach genommen werden. Höchstens von den beherzten Kletterziegen angeknabbert, die im ganzen Land in Herden umherziehen, und deren Leibspeise Arganblätter und das Äusere der Früchte sind. Deshalb darf man sich nicht wundern, wenn man hie und da Bäume voller Ziegen sieht, die noch im entlegensten Wipfel nach der Delikatesse fischen und ein herrliches Fotomotiv für Touristen abgeben.

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Zurück wandern wir ein Stückchen entlang der Hauptstrasse von Ounagha, wo inzwischen Verkaufsstände aufgebaut sind, vornehmlich auf dem Boden im Staub ausgebreitete Kunststoffplanen. Hier gibt es von Obst über Gemüse und Fleisch bis zu frischem Fisch alles. Wobei mein Mann bei der Frische des Fischs seine Zweifel anmeldet, denn es stinkt penetrant nach Sardinen, in deren Duft sich der beissende Geruch von Eselsurin und -kot mischt. Für uns Schweizer ein olfaktorisches Erlebnis der anderen Art.
Auch der Anblick geparkter Eseltaxis mit den Machenschaften und Körperausdünstungen ihrer grauen Langohren direkt neben den auf dem Boden feilgebotenen Fischen ist für uns Mitteleuropäer im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Als Kombüsenchef bin ich etwas härter im Nehmen als mein lieber Mann und möchte wenigstens einige der prallen, reifen Orangen und etwas Gemüse kaufen. Er geht mit Monet schon einmal voraus, während ich noch mit dem Verkäufer über die besten Früchte diskutiere,

Wir sind hier übrigens als Touristen deutlich in der Unterzahl, weshalb ich zum Spaziergang auch mein Kopftuch aufgesetzt habe. Nicht, dass man das in Marokko als Frau tun müsste, aber ich fühle mich selbst einfach wohler damit. Auch wenn ich es nicht so binde wie die Marokkanerinnen ihren Hijab, sondern in der mir eigenen Wanderer-Art, fühle ich mich inmitten der marokkanischen Bevölkerung wohler und selbstbewusster als ohne. Davon abgesehen, dass eine Kopfbedeckung auch immer gut gegen die Sonneneinstrahlung schützt und bei Wind, der zu Jahresbeginn oft in Marokko bläst, einfach praktisch und Frisur freundlicher ist.

Glücklich über meine »Markteinkäufe« hole ich meine beiden Männer bald wieder ein, die entlang der Cafés und Gemischtwarenläden an der Hauptstrasse schlendern. Auffallend viele Männer jeden Alters sind hier unterwegs, durch die wir unseren Weg finden müssen. Während Robert voraus- und Monet stoisch und ruhig an der Leine neben mir hergeht, habe ich plötzlich das Gefühl, verfolgt zu werden.

Unsicher drehe ich mich um und blicke in die grossen, runden, dunkelbraunen Augen eines kleinen Jungen, der dicht hinter Herrn Monet läuft. Ein wenig schüchtern sieht er mich an, dann wieder den Hund, als wir alle drei stehenbleiben. Ich lächle und frage ihn auf Französisch, ob er Monet denn gern einmal streicheln wolle, und signalisiere ihm, dass dies ein freundlicher Hund ist. Ein kleines Lächeln huscht über sein staubiges Gesicht. Langsam streckt er seine schmale Hand aus und streicht ganz vorsichtig über Monets Rücken, dann über seinen weissen Nacken und schliesslich traut er sich auch, ganz vorsichtig über den weichen Kopf zu fahren. Beinahe ehrfürchtig starrt er auf den Hund, der wie immer ruhig und gelassen all das über sich ergehen lässt und sanft mit dem Schwanz wedelt. Dann schaut der Junge zu mir hoch und sagt ganz leise: »Merci«, bevor er genauso schnell wieder in der Menge verschwindet, wie er aufgetaucht war. Dieses kleine Wort und sein Lächeln begleiten mich noch den ganzen Tag. Und ich gebe zu, er hat mich tief berührt, dieser kleine, mutige Junge, dessen Neugier über seine Angst vor dem Fremden gesiegt hatte.

Da wir auf dem Campingplatz auch Stromanschluss haben, wirft Robert nachmittags draussen unsere Fritteuse und den Gasgrill an, und wir geniessen in der wärmenden Sonne feine selbstgemachte Pommes Frites und Original St. Galler Olmabratwürste vom Grill, die wir im Tiefkühler von zuhause mitgebracht haben gegen aufkommendes Heimweh . Zu frischem Fisch hätte ich meinen Mann heute ohnehin nicht überreden können.

Am nächsten Vormittag besichtigen wir in Ounagha die örtliche Argan Frauen Kooperative, eine von vielen Kooperativen, die speziell den Marokkanerinnen Arbeit und Lohn bieten neben den traditionellen Familienpflichten wie Heim, Herd und Kindererziehung.

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Hier sehen wir, wie in mühevoller Handarbeit die kleinen mandelförmigen Arganplättchen aus den harten, getrockneten Nüssen mit Steinen herausgeklopft werden. Die Frauen in ihren bunten Gewändern sitzen in einem Raum oder Innenhof auf dem Boden, jede hat einen grossen Stein als Unterlage vor sich liegen, mit einem zweiten, handlichen, aber schweren Stein schlagen sie darauf die kleinen Argannüsse auf, möglichst ohne das Innere zu verletzen und holen den Kern heraus. Wer diesen Aufwand einmal gesehen hat, versteht, wieso das rare Öl so teuer ist.

Unter grossem Gelächter fordert mich eine ältere Frau auf, es auch einmal zu versuchen, und drückt mir ihren Stein und eine Nuss in die Hand. Ich knie vor ihr nieder und schlage beherzt auf die Nuss, die ich mit der anderen Hand fixiere. Das Glück ist mit den Laien. Beim ersten Schlag hab ich sie geknackt, die Argannuss. Anerkennendes Klatschen der Damen, obwohl ich mir nicht sicher bin, ob diese harte Nuss nicht schon angeknackst war. Egal, ich freue mich mit den Marokkanerinnen und bekomme mein persönliches, elfenbeinfarbenes  Argan-Plättchen als Andenken mit. Es ziert seitdem, mit Tesafilm fixiert, unser handgeschriebenes Reisetagebuch im Koffer.

Wir dürfen natürlich auch das feine Speiseöl degustieren und den edlen Brotaufstrich Amelou, hergestellt aus Arganöl, Mandelmus und Honig. Das Öl schmeckt herrlich nussig, da die Kerne vor der Speiseölgewinnung geröstet werden. Amelou ist nussig süss und cremig, viel besser als Nutella und vor allem gesünder. Im angrenzenden Geschäft kaufen wir sowohl von dem feinen Speiseöl als auch ein Gläschen Amelou fürs Frühstück unterwegs. Ausserdem bin ich neugierig auf die berühmten feuchtigkeitsspendenden Hautpflege Eigenschaften dieses Wunderöls, mit dem inzwischen alle grossen, teuren europäischen Kosmetikmarken werben, obwohl vermutlich nur homöopathisch geringe Mengen des Arganöls in ihren teuren Luxusprodukten verwendet werden. Marketing ist schliesslich alles.
Ich kaufe also auch noch eine deutlich erschwinglichere marokkanische Gesichtscreme und ein Massage Öl. Nicht nur weil ich die Produkte gut gebrauchen kann, sondern auch weil ich das Konzept der Frauen Kooperativen gut finde und gern unterstütze.

Essaouira – nicht alle Sehenswürdigkeiten finden wir persönlich sehenswert

Von Ounagha fahren wir nach Essaouira, der weissen Stadt am Atlantik, von der uns zuhause so viele Marokko Touristen vorgeschwärmt hatten, und deren pittoreske Hafenfotos in keinem Reiseführer fehlen dürfen.
Schon bei der Anfahrt merken wir, dass hier Tourismus gross geschrieben wird. Unmengen grosser Reisebusse, vor allem aus Marrakesch, begegnen uns, was auch daran liegt, dass wir einen Parkplatz direkt an der alten Stadtmauer der Medina finden, wo sich auch der Busbahnhof befindet.

Durch Heerscharen von Reisegruppen aus aller Herren Länder, die per Bus einen Tagesausflug nach Essaouira gebucht haben, bahnen wir uns mit Monet, dem diese Menschenmassen gar nicht gefallen, unseren Weg in die Medina. Auch in den engen Gassen begegnen uns beinahe mehr Europäer, Asiaten und Amerikaner als Einheimische. Ein Souvenirshop reiht sich an den anderen.

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Am alten Hafen schiessen auch wir die obligatorischen schönen Fotos von den Fischerbooten und der weissen Stadt, die erhaben über dem tosenden Atlantik thront. Aber eine ruhige schöne Hafenstimmung will einfach nicht aufkommen. Zuviel Trubel und möglicherweise auch zu viele leicht bekleidete Pauschaltouristen, die völlig schmerzfrei durch diese an sich sehr schöne marokkanische Stadt hasten und nach unserem Empfinden der marokkanischen Kultur eher wenig Respekt entgegen bringen. Aber manchmal liegt es ja schlicht an der eigenen Tagesform, ob es einem an einem Ort gefällt oder nicht. Wir beschliessen jedenfalls, Essaouira als kurze Episode hinter uns zu lassen und uns einen ruhigeren Ort für heute Nacht zu suchen.

Kaouki Beach – Dromedare, Enten und Besuch aus Südkorea

Kaouki Beach heisst unser nächster Halt, ein Surfer Hotspot am Atlantik. Mehr ein langer Sandstrand mit ein paar Häusern, Parkplätzen und Campingplätzen als ein Ort. Wir sind immer noch nicht ganz sicher, wo es in Marokko erlaubt ist, wild zu campen und fahren deshalb erneut auf einen Campingplatz, obwohl es hier auch sonst genügend freie Parkplätze gäbe. Ausserdem möchten wir lieber die Einheimischen unterstützen, die ein kleines Business betreiben. Weshalb wir offizielle Plätze den wilden vorziehen, wenn es denn welche gibt, die wir akzeptabel finden.

In Kaouki Beach finden wir einen solchen und freuen uns, wieder mehr Natur als Stadt und Menschen um uns zu haben. Schier endlose, einsame Sandstrände, an denen uns höchstens ein paar Fischer begegnen und als besonderes Highlight Dromedare, die in den grün bewachsenen Sandhügeln gemächlich grasen.

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Unsere ersten Dromedare! Ich bin begeistert, Herr Monet dagegen hebt skeptisch seinen Kopf in ihre Richtung und schnüffelt. »Wonach riecht es hier denn?«, scheint er sich stirnrunzelnd zu fragen. Und ich vermute, er würde liebend gern einmal an einem Original Dromedar Po schnüffeln. Dazu müsste das grosse Höckertier allerdings liegenbleiben. Obwohl sie von unserem kleinen Vierbeiner nicht sonderlich beeindruckt scheinen, würde das vermutlich doch zu weit führen und im Zweifel mit Kopfweh für unseren Wauwau enden. »Lass mal, lieber nicht!« So machen wir einen respektvollen Bogen um die majestätischen Tiere und fotografieren begeistert unsere ersten »Wüstenschiffe« live an ungewöhnlichem Ort.

Zweites Highlight in Kaouki Beach ist für uns eine italienische Enten-Rallye Truppe aus Italien, die mit ihren historischen 2CV »una gira di Marocco« unternimmt und dabei in Zweierteams auch jeweils in der Ente übernachtet, isst und »kocht«. Eine lustige Truppe, mit der wir viel Spass haben, während an den Enten herum geschraubt wird.

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Was wäre das Reisen ohne spannende Reisebekanntschaften? So treffen wir hier ausserdem noch ein Ehepaar aus Südkorea, die mit ihrem Wohnmobil insgesamt zwei Jahre lang Europa und Marokko bereisen. Wobei sie die komplette An- und Abreise von und nach Südkorea ebenfalls über Land mit ihrem Wohnmobil zurücklegen. Schwer beeindruckt unterhalten wir uns angeregt mit dem freundlichen, abenteuerlustigen asiatischen Paar, das noch ein Jahr reisen vor sich hat.

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Nach zwei Tagen am »Dromedar-Strand« ziehen wir weiter ins Surferparadies Imsouane, wo sich auch im Winter einige hartgesottene Wellenreiter in die kalten Atlantikfluten stürzen. Imsouane im Winter zu beschreiben ist nicht ganz einfach, denn es strahlt einen ganz eigenen Charme aus.

Imsouane – morbider Charme an wilder Küste

Die dicht an die steilen Felsen über der Sandbucht geschmiegten Surfer Hotels und B&B’s sehen aus, als würden sie jeden Moment unter der Last des rauhen Atlantik Klimas zusammenbrechen. Es macht den Anschein, als ob sie nur durch ein wenig Farbe noch zusammengehalten würden. Dennoch bevölkern coole, junge, durchtrainierte Surfer mit Fernblick deren windschiefe Terrassen auf der Suche nach der ultimativen Welle.

Auch auf dem Campingplatz von Imsouane, dessen morbider Charme dem der Hotels in keiner Weise nachsteht, treffen wir einige Surfer und Hippies, die in Marokko überwintern. Ähnlich wie auf der spanischen Seite in Tarifa geht es hier sehr friedlich und entspannt zu. Nach dem Motto: »Ich bin o.k., Du bist o.k.«
Sowohl die Hunde der Surfer als auch die vielen wild lebenden, marokkanischen Hunde hier sind friedlich und entspannt. Wir lieben diese Atmosphäre und fühlen uns wohl hier trotz der im Verfall begriffenen Umgebung, die uns bei leicht bedecktem Himmel interessante Bilder auf die Kamera zaubert.

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Imsouane ist ausserdem ein Paradies für Hundebesitzer, da man hier stundenlang in den Hügeln entlang der Steilküste wandern kann mit traumhafter Atlantikaussicht, ohne einer anderen Menschen- oder Hundeseele zu begegnen. Freies Laufen für freie Hunde und Menschen.

Ab und zu trifft man eventuell einen Schafhirten mit seiner Herde und den Hütehunden. Wir verständigen uns von Weitem per Handzeichen mit den Hirten und machen stets einen Bogen um die Herde, was immer perfekt klappt und nie zu Problemen führt. Denn auch die Hirten, meist marokkanische Berber, sind sehr entspannte Menschen, die froh und dankbar sind, wenn man ein wenig Rücksicht nimmt.

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Auf unserer Reise war Imsouane und seine Umgebung eines der Highlights für Hundebesitzer und aus Fotografensicht, so dass wir hier wieder einmal viel zu viele Motive schiessen, die allein einen eigenen Bildband füllen könnten.

Tafraoute – wir kamen als Fremde und gingen als Freunde

Nach soviel Strand und Meer steht uns Alpenländern wieder der Sinn nach Bergen, weshalb wir Agadir grossräumig umfahren und wieder ins Landesinnere stechen. Nach Tafraoute, dem Berber Städtchen auf 1’000 m Höhe mitten im Antiatlas Gebirge.

Allein schon die Fahrt dorthin durchs Gebirge ist ein Erlebnis. Vorbei am sogenannten »Tal der Ammeln«, in dem sich die Berberhäuser eng an die hochaufragenden Felshügel schmiegen, gelangen wir schliesslich nach Tafraoute.
Eine schöne Berberstadt erwartet uns, eingebettet in imposante Felsen. Und schon von weitem sieht man überall auf den umliegenden Gipfeln und Hügeln akrobatisch balancierende, riesige, rundgeschliffene Steine und Felsen, die als besonderes Wahrzeichen von Tafraoute gelten. Als ob hier die Kinder von Riesen Murmeln gespielt hätten und jäh unterbrochen worden wären, liegen überall imposante Felskolosse wie zufällig verstreut herum. Teils in physikalisch schier undenkbaren Positionen, als ob sie jeden Moment herunter kullern würden.

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Aber sie bleiben stoisch liegen und überblicken die Stadt.

Wir suchen einen Stellplatz und finden zwei kleinere, offizielle Campingplätze, die für unseren Koffer zu eng erscheinen. Am Ortsausgang sehen wir schliesslich vor beeindruckender Bergkulisse einen riesigen, sandigen Platz, auf dem verteilt bereits einige Reisemobile kreuz und quer stehen.
Klassische Wohnmobile neben Abenteurer Jeeps, grosse Expeditionsmobile neben kleinen VW Bussen und langen, umgebauten Möbeltransport LKW’s. Eine bunt gemischte Gesellschaft parkt hier grosszügig mit viel Platz zum Nebenmann inmitten marokkanischer Gebirgslandschaft. Hier sind wir richtig.
Wir suchen uns ebenfalls ein schönes Plätzchen, fern der Ansammlung französischer Rentner, neben einem Olivenbaum auf einem kleinen, erhöhten Plateau mit herrlicher Aussicht.

Wie immer folgt erst einmal ein Erkundungsrundgang mit Herrn Monet über den Platz. Auch hier gibt es viele Reisehunde. Die freundlichen, entspannten Vierbeiner kommen Herrn Monet ohne Leine schwanzwedelnd entgegen und sagen kurz »hallo«.
Die anderen kläffen, an Wohnmobilen festgeleint, unseren Freigeist von weitem schon an, so dass dieser einen grossen Bogen macht. Man muss ja schliesslich nicht mit jedem Freundschaft schliessen.
Wir treffen einige Deutsche und Schweizer, mit denen wir ein paar Worte wechseln und so erfahren, dass dies ein halboffizieller Stellplatz ist, was immer das in Marokko heisst, der pro Nacht 15 Dh, umgerechnet also 1.50 CHF kostet. Abends kommen Gemeindeangestellte am Mobil vorbei und ziehen den Betrag gegen Quittung ein, dafür ist der Platz nachts auch von einigen Männern bewacht. Strom oder Wasseranschlüsse gibt es hier keine, aber wir und viele der anderen hier sind autark, so dass der Platz für uns perfekt ist. Wasser kann man im Zweifel auch bei einem der beiden Campingplätze bunkern und entsorgen, falls das nach einigen Tagen nötig sein sollte. Wir haben für Wasser 30 Dh bezahlt und konnten für diesen Betrag unsere grossen Wassertanks komplett füllen ohne Limit. Andere Reisende erzähten uns allerdings, dass der Wasserpreis saisonabhängig sei, d.h. je näher das Frühjahr rückt und die WoMo Frequenz steigt, desto höher der Preis. Nachfrage und Angebot funktionieren in Marokko also noch perfekt nach den alten ökonomischen Marktregeln.

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Wir besichtigen das Städtchen, wo es eine Markthalle mit frischem Fleisch gibt. Hier kann man unbesorgt einkaufen, da das Fleisch in Kühltheken lagert. Generell gibt es in Marokko aus Glaubensgründen eher immer zu frisches Fleisch als vergammeltes. Das macht es auch schwieriger, irgendwo gut abgehangenes, zartes Rindfleisch zu finden. Zumal die Kühe hier vor dem Schlachten durchaus älter werden dürfen als in Europa. Aber das ist für ein Cous-Cous oder eine Tajine ziemlich unerheblich, da diese Eintöpfe stundenlang köcheln und damit jedes Rind weich bekommen. Hühner gibt es in der Markthalle ganz frisch, da die armen Flattermänner lebend in Käfigen ihrem Schicksal entgegen sehen müssen. Frischer geht’s nicht, man muss das halt mögen.

Für Gemüsefans und Vegetarier gibt es hier jedoch auch genügend Läden mit herrlich frischer Ware und Bäckereien, in denen ständig frische, wohlduftende Fladenbrote gebacken werden. In der Innenstadt reiht sich in einer kleinen Medina ein Schuhgeschäft neben das andere. Denn Tafraoute ist vor allem bekannt für seine bunten »Babouches«, bequeme marokkanische Lederschuhe und -pantoffeln in allen möglichen Farben. Für die Damen auch aufwändig bunt bestickt.
Die Sohlen der weichen Treter werden nicht selten aus alten Fahrzeugreifen gefertigt, sodass man sich, passend zu seinem Reisemobil, auch selbst auf Pirelli oder Michelin fortbewegen kann. Schuh-Fan, der ich bin, musste ich natürlich auch unbedingt diese coolen Schlappen ausprobieren, in denen wir schon so manchen Marokko Reisenden angetroffen haben und nahezu alle einheimischen Berber. Ein rotes Pirelli-Paar mit hohem Schaft und ein paar hübsch bestickte Pantoffeln in »nurMut-Blau« wechseln den Besitzer und zaubern für kleines Geld ein grosses Lächeln auf mein Gesicht.

Absolut zu empfehlen ist der grosse Souk, der Markt in Tafraoute, wo man schmackhaftes, frisches Gemüse und Obst kaufen kann, aber auch viele andere, nützliche Dinge. Hier finde ich u.a. die feinsten, frischen Erbsen meines über fünfzigjährigen Lebens.
Für alle Marokko Anfänger hier noch ein kleiner Hinweis. Auf Lebensmittelmärkten ist es nicht üblich, um den Preis zu feilschen oder zu handeln. Die Preise sind hier meist eh schon so niedrig, verglichen mit unseren Gefilden, dass es geradezu unmoralisch wäre, es zu versuchen. Ausserdem bezahlen Touristen denselben Preis wie die Einheimischen, das habe ich auf mehreren Lebensmittel Souks selbst festgestellt. Und oft bekommt man sogar noch etwas dazu geschenkt oder zum Probieren, wenn man ordentlich einkauft.

Bei unserer Rückkehr zu unserem Koffer sehen wir einen Berber auf seinem Mofa in der typisch marokkanischen Djellaba, dem langen, weiten Mantel mit einer spitzen Kapuze, über den Platz kurven. Als er uns vor unserem Mobil stehen sieht, fährt er an uns vorbei und ruft mit einem breiten Grinsen: »Hello Switzerland!«
Wir winken ihm und rufen auch : »Hello!«, worauf er neben uns zum Stehen kommt und in perfektem Deutsch mit einem Schalk im Blick meint: »Sie haben bestimmt schöne Schweizer Taschenmesser dabei!« Er streckt uns seine Hand entgegen und sagt: »Mein Name ist Said, ich habe im Ort ein Geschäft mit Berberkunst und wunderschönen Teppichen. Kommen Sie gern vorbei, ganz unverbindlich. Vielleicht können wir ja auch tauschen?« Unvermittelt greift er in die Taschen seiner Djellaba, reicht uns eine Visitenkarte mit der Adresse seines Geschäftes, startet sein Töffli wieder und fährt lachend und winkend davon.

Mit einem Fragezeichen auf der Stirn und seiner Visitenkarte »Maison Touareg« bleiben wir zurück. »Der konnte aber gut Deutsch!«, stelle ich verblüfft fest. »Siehst Du, nur gut, dass ich einen kleinen Vorrat an kleinen Victorinox Messern eingepackt habe.«, brummelt mein Mann. »Aber wir brauchen doch gar keinen Teppich!«, stelle ich perplex fest. »Naja, wer weiss, wofür die Taschenmesser noch gut sein werden.«, kontert Robert.

Am nächsten Tag erkunden wir erneut das Städtchen, haben aber auf gar keinen Fall vor, Said und seinem Geschäft einen Besuch abzustatten, als wir zufällig und unvermittelt genau vor seinem Laden landen. Und nicht nur das, genau in diesem Augenblick tritt er vor seine Ladentür und entdeckt uns. Es gibt kein Entkommen.

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Wir dürfen sogar den Hund mit hinein nehmen, obwohl wir schnell merken, dass Said eigentlich Angst vor Hunden hat. Wir bekommen einen fachkundigen Vortrag in reinstem Deutsch zu den ausgestellten Kunstgegenständen, dem Schmuck und vor allem zu den Teppichen, die in mehreren Räumen in allen Grössen und vor allem unglaublich schönen Farben hängen und herumliegen. Zwei anderen Besuchern erklärt Said in perfektem Französisch alles Mögliche, während er seinen Angestellten, jungen Marokkanern, in der Berbersprache Tamazight Anweisungen gibt. Ein Sprachtalent! Darauf angesprochen, meint er nur stolz lächelnd: »Alles selbst beigebracht! Von den Touristen gelernt. Englisch und ein bisschen Holländisch kann ich auch.«

Wir sind wirklich beeindruckt, auch von den Teppichen mit den für Marokko typischen, schlichten Berber Dessins, brauchen aber wirklich keinen. Weder für zuhause noch für unser Mobil. Das lässt Said nicht gelten. Er ist der Meinung, unserem Expeditionsmobil würde ein kleiner marokkanischer Läufer im Innenraum sicherlich gut tun.
Robert verliert langsam die Lust und verabschiedet sich mit Monet nach draussen. Ich bringe das mal wieder nicht übers Herz und versuche zumindest, Said zu erklären, dass wir keinen Platz haben und keine Verwendung. Er gibt nicht so schnell auf. »Welche Farbe und welches Dessin gefällt Ihnen am Besten?«, fragt er mich und rollt einen schmalen, länglichen Teppich nach dem anderen vor mir aus. Zugegebenermassen sind wirklich schöne Kombinationen dabei, davon abgesehen, dass ich sowieso schon immer die grafischen schlichten Berberteppiche den opulent, orientalischen Perserteppichen vorgezogen habe, wenn überhaupt.
Ich zeige auf drei verschiedene Teppichläufer mit der Bemerkung: »Aber ich bin mir sicher, dass die zu breit sind für unseren schmalen Gang im Mobil«, und hoffe, mich so aus der Affäre ziehen zu können. Weit gefehlt.
Unterschätze niemals marokkanische Berber! »Wissen Sie was, Madame? Wir machen es so: heute nachmittag komme ich mit meinem Moped und diesen drei Teppichen bei Ihrem Wohnmobil vorbei, und dann können Sie dort ganz unverbindlich alle drei Teppiche auslegen und testen. Vielleicht kann ich dann auch mit Ihrem Mann über die Taschenmesser reden.« Erneut dieses unschlagbare, schelmische Lächeln und ein Zwinkern mit den dunkelbraunen Augen. Er weiss es, und ich weiss es. Aus dieser Nummer komme ich einfach nicht so schnell raus. Es ist ein Spiel, und irgendwie muss ich innerlich grinsen wegen dieser Hartnäckigkeit, gepaart mit seinem gewieften Charme.

Er reicht mir die Hand: »Bis heute Nachmittag so gegen 15:00 Uhr.«, und endlich darf auch ich sein Geschäft verlassen.

Draussen warten meine beiden Herren in der Sonne auf mich: »Wo ist der Teppich?«, fragt Robert mit amüsiertem Blick. »Ich hätte wetten können, dass Du nicht ohne rauskommen wirst!«

»Doch nicht, ohne Dich vorher nach Deiner Meinung zu fragen!« kontere ich schlagfertig. »Du darfst heut nachmittag um Drei gemeinsam mit mir das Dessin im Koffer aussuchen.«
Kopfschüttelnd murmelt Robert: »Ich hätte es wissen müssen, dass Du nicht »Nein« sagen kannst!«
»Und Dein Taschenmesser Sortiment kannst Du auch grad parat machen, das möchte er dann mit Dir besprechen.« ergänze ich feixend.

»Aber eins kann ich dir sagen. Sollte ich in Zukunft je nochmals im Marketing eines Unternehmens Personalverantwortung haben, ich würde alle Mitarbeiter zuerst zur Schulung nach Marokko schicken!« Mit dieser Schlussbemerkung schnappe ich mir Monets Leine und ziehe mit einem gemischten Gefühl aus belustigter Bewunderung und verlorenem Punktesieg von dannen.

marokkanische Berber-marokko-teppich-berberteppich-marokkanischer berberteppich

Um eine lange Geschichte kurz zu machen. Unser nachmittägliches Treffen endet mit einem knallroten Berberteppich für uns und einigen Victorinox Taschenmesserli für Said, wobei beide Männer sichtlich Spass am Feilschen hatten. Als Krönung erhalten wir von Said eine Einladung zum Cous-Cous Essen am nächsten Mittag bei seiner Familie zuhause, mit seiner schwangeren Frau und den drei Kindern.

Es wird ein vergnügliches, feines Mittagessen bei der Berberfamilie. Saids in der Tat sehr hochschwangere, junge  Frau bekocht uns sehr gastfreundlich, seine beiden Töchter und das Nesthäkchen Mohammed sind begeistert über unseren Besuch. Einzig, dass wir unseren Hund nicht mitgebracht haben, finden die Kinder doof, nehmen aber gern mit uns vorlieb und toben nach dem Essen mit uns durchs Wohnzimmer. Dabei ist es völlig unwichtig, dass wir nicht ihre und sie nicht unsere Sprache sprechen. Spielen ist wie Lächeln: international.

Tafraoute, seine unglaubliche Landschaft und vor allem seine freundlichen Menschen gefallen uns so gut, dass wir einige Tage hier bleiben. Und natürlich auch Said, unseren neuen Berberfreund, sehen wir täglich wieder mit seinem Töffli und wechseln ein paar Worte mit ihm. Wir haben noch so manches erstaunliche Erlebnis mit ihm, das wir zusammen mit all den anderen Geschichten aus 1’001 Nacht, die wir in Marokko erleben durften, in unser amüsantes »Marokko Roadmovie Buch« packen werden.

Schluchtenwanderung in Amtoudi – Felsenquelle, blühende Oase, Speicherfestungen & ein mutiger Hund

Wir ziehen weiter in die Region um Amtoudi, wo wir diesen zweiten Teilbericht unserer Marokkoreise mit unserem Film über eine einmalige Naturlandschaft, alte Speicherburgen, blühende Oasen und einer aussergewöhnlichen Schluchtenwanderung mit unserem Hund Monet beenden möchten. Viel Spass beim virtuellen Mitwandern…

Den ersten Teil unseres Marokko Abenteuers verpasst? – Mit einem Klick hier bist Du dabei.

Im nächsten und dritten Teil werden wir Dich mitnehmen in die Wüsten Marokkos…hilf uns dabei, unser Mobil aus dem tiefen Sand zu befreien, lerne Landschaften kennen wie aus dem Farbkasten der Impressionisten und suche mit uns zu Fuss die letzte Palme in der Wüste…nurMut…bleib dran, Marokko hat noch sehr viel zu bieten!

6 Kommentare zu Aufgepasst, marokkanische Berber im Antiatlas!

  1. Hallo Petra,

    als wir gestern in Tafraout ankamen, war gleich ein netter, gut deutsch sprechender Marokkaner zur Stelle, der uns seine Visitenkarte in die Hand drückte, mit den Worten „stehe auch in deutschen Reiseführer“. Heute auf dem Weg in die Stadt wuchs er plötzlich vor uns „aus dem Boden“. Wie macht der das? Lange Rede kurzer Sinn: Wir haben Said mit Hund besucht und haben ihn einen halben Tag beschäftigt. Oder er uns? Zwei Fahrten in seinem Auto zu unserem WoMo später waren wir erschöpfte Besitzer eines Teppichs fürs WoMo, einer Teekanne samt Tablett und Gläser, zweier Berber-Tücher und zweier Kissen. Letztere lässt er gerade für uns füllen. Ich musste die ganze Zeit dabei an Eure Story denken, wusste aber nicht mehr, wo ich diese gelesen hatte. Jetzt habe ich sie gefunden, zum zweiten Mal gelesen und musste noch mehr und herzlich lachen. Eigentlich könnten wir für den heutigen Tag Euren Blog kopieren…:-)

    Lieben Gruß
    Phoebe, Gudrun und Peter

    • Liebe Windkinder, ich musste so schmunzeln, als ich Euren Kommentar gelesen habe und fühlte mich sofort nach Tafraoute versetzt. Offensichtlich hat Said seine Charme Offensive noch ausgebaut bei der langen Liste an Produkten, für die er Euch begeistern konnte. Aber das gehört doch einfach zu Marokko dazu, oder? Wir freuen uns jeden Tag über unseren Kamelhaar(?)teppich von Said, der inzwischen im Badezimmer liegt, weil er mit unserem manchmal haarigen Hund Monet einfach nicht so kompatibel ist im WoMo. Habt noch eine tolle Reise durch dieses traumhafte Land und geniesst die Zeit. Herzliche Grüsse aus der Schweiz von Petra, Robert & Herrn Monet

  2. Susanne Sponring // 10/12/2018 um 19:01 // Antworten

    Auch der 2. Teil ist toll geschrieben! Da wir Marokko kennen, haben wir ein wenig schmunzeln müssen. Bei einigen Erlebnissen wurden wir an unser 1. Mal erinnert. Was wir sehr gut finden, ist, dass ihr beschreibt, warum die Polizisten euch von eurem schönen Stellplatz vertrieben haben. Oft wird gerade dieser Teil weggelassen.
    Wann kommt der 3. Teil? Wir warten schon!

    • Liebe Susanne, vielen lieben Dank! Ich versuche, Teil 3 noch vor Weihnachten fertig zu bekommen, damit Ihr nicht allzu lange warten müsst. LG Petra

  3. ralf-peter gawin // 09/12/2018 um 20:47 // Antworten

    Da ich ja selbst schon in MAROCCO unterwegs war (allerdings mehr auf dem Fahrrad bzw.im Kleinbus und sogar unterm Gleitschirm) kann ich viele Eurer Erlebnisse und Erfahrungen gut nachspüren. Ich habe dort nirgends Ablehnung oder Abweisung verspürt und habe auch die freundliche Hartnäckigkeit der Händler erfahren ; )

    Liebe Petra,
    Du schreibst so, dass mensch Dir gerne folgt.
    Herzliche Grüße am 2.Advent
    Ralf-Peter

  4. Annerieke van wieren // 09/12/2018 um 20:24 // Antworten

    So schoen! Danke! Ich kenne Marroko auch so,!

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