Winter im Expeditionsmobil auf einsamen Alpenpässen

Expeditionsmobil für Anfänger

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Wie wir (und) unser Expeditionsmobil am Anfang „langsam auftauten“.

So ganz ohne Erfahrung muss man sich als stolzer Besitzer eines Expeditionsmobils natürlich erst an das Gefährt, diese Art zu Reisen, das LKW Fahren und das Wohnen im Reisemobil gewöhnen. Und alles ausprobieren. Normalerweise würde man solche ersten Erfahrungen vermutlich in gemässigte bis warme Jahreszeiten legen. Was man im Allgemeinen eben so mit Begriffen „Wohnmobil“, „Campen“ und „Urlaub“ assoziiert.

Nicht so wir, als unerfahrene Erstlings-Wohnmobilisten: Direkt rein ins kalte (gefrorene) Wasser, und zwar in der härtesten Jahreszeit: im Winter!

Die erste Jungfernfahrt mit dem Koffer – aber wohin?

Kaum hatten wir vor einigen Jahren unser Traum Reisemobil Ende Oktober endlich abgeholt, wollten wir natürlich bald möglich den allerersten Ausflug wagen. Lange Ferien standen leider noch nicht an, aber für einen Kurz Tripp übers Wochenende ist immer irgendwie Zeit.

Und wenn man, wie wir, in einem Land wohnt, in dem Andere Urlaub machen, fällt einem auch spontan ein lohnenswertes Ziel ein. Und schliesslich ist mit einem so tollen Mobil der Weg das Ziel, oder?

Unsere Jungfernfahrt führte uns also Anfang November, wie könnte es anders ein, in die Alpen. Dorthin, wo Wohnmobil Stellplätze sowieso nicht dicht gesät sind, erst Recht nicht im Winter. Egal, schliesslich haben wir unseren „Koffer“ ja genau für solche Ausflüge ausgesucht: autark und unabhängig.

Härtetest für Mensch und Maschine.

Wir fuhren also auf den Flüela Pass, wo auf 2’383 m Anfang November bereits beachtliche Schneemengen lagen. Unser Koffer fuhr geschmeidig und kraftvoll die schmalen Serpentinen hinauf. Chauffeur Robert hatte sichtlich Spass am bergigen Kurvenfahren mit unserem Allradler. Und unser Allradler irgendwie auch.

Am Flüela Pass angekommen, waren wir am frühen Nachmittag die einzigen Besucher auf dem grossen Parkplatz, gegenüber dem Hotel/ Restaurant Hospiz, das um diese Jahreszeit geschlossen war. Perfekt, denn hier auf dem grossen einsamen Parkplatz stören wir sicherlich niemanden und nehmen auch keinem den Platz weg.

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Selbst als eine Schweizer Polizeistreife kurz Halt machte, grüssten die beiden Polizisten freundlich und liessen uns unbehelligt stehen. Herrlich, unser erster Stellplatz, inmitten der imposant verschneiten Alpen.

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Einsam und ganz still lagen die Berge um uns herum in der beginnenden Abenddämmerung, während wir es uns nach einem kurzen Spaziergang mit Hund im kuschelig warmen Wohnraum unseres Koffers gemütlich machten. Und feine Chäshörnli in den Ofen schoben. Schliesslich musste auch die Küche gleich mal ausprobiert werden.

Etwas komisch war die erste Nacht so weit oben alleine in der absoluten Dunkelheit und Stille der Berge schon. Als wir spätabends noch kurz mit der Taschenlampe unseren Hund Gassi führten, erfassten wir erst richtig diese unheimliche Ruhe einer klirrenden, sternenklaren Winternacht, hoch oben auf einem Alpenpass. Irgendwie hat man in solchen Momenten das Gefühl, ganz alleine auf der Welt zu sein und findet diesen Gedanken gar nicht bedrohlich, sondern sehr friedlich und entspannt.

Geschlafen haben wir in unserer ersten „wild parkierten“ Nacht dennoch kaum vor lauter Aufregung. Was vielleicht auch ein bisschen an der ungewohnten Stille und Dunkelheit der Umgebung lag.

Am nächsten Morgen weckte uns eine strahlende Sonne, die vom wolkenlos blauen Himmel herunter blinzelte und die Schneehügel um uns herum und den kleinen, zugefrorenen Pass See in glitzernde Diamanten Felder verwandelte.

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Die erste frische Tasse Kaffee in unserem neuen mobilen Heim mit Traumblick in ein sonniges Wintermärchen. Unbeschreiblich schön. Froh darüber, dass die Heizung einwandfrei ihren Dienst tat in eisiger Höhe, zogen wir unsere Winterkleidung an, um uns auf grosse Tour hinaus zu wagen in die immer noch verlassene Schneelandschaft. Nach gut zwei Stunden herumtoben mit unserem Hund und einer kleinen Wanderung in den umliegenden Hügeln, stand die Sonne bereits so hoch am Himmel, dass wir kurzerhand unsere Campingstühle vors Mobil stellten und den zweiten Kaffee des Tages in der Sonne sitzend geniessen konnten. Glück hat einen Namen!

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Gut gelaunt und froh darüber, dass dieser erste kleine Ausflug uns gleich so viel Spass gemacht hat, fuhren wir nach Hause. Um dort gleich unsere erste dreiwöchige „Weihnachtsreise mit dem Koffer“ zu planen…wo wir unser erstes von vielen weiteren spannenden „Koffer-Abenteuern“ erlebten…

Flucht vor dem Weihnachtswahnsinn in die winterlichen Dolomiten

Mitte Dezember starteten wir also  erneut in Richtung Alpen, um dort in den Dolomiten die ersten Weihnachtsferien im Reisemobil zu verbringen. Unser erstes Ziel war der Reschensee am Reschenpass in Südtirol. Unsere Affinität zu Pässen ist nicht zu leugnen, wie man im Laufe dieser Geschichte noch weiter sehen wird.

expeditionsmobil-reschensee-im-winterDer Reschensee wurde in 1950 zur Stromgewinnung aufgestaut, so dass das ursprünglich im Tal gelegene Dorf leider mit der Zeit komplett im Wasser versank. Nur der aus dem See ragende Kirchturm zeugt noch von der früheren Lage des Ortes Graun. Dessen neues, sehr pittoreskes, typisch Südtiroler Zentrum nun auf einem Hügel oberhalb des Sees liegt. Im Sommer ist der Reschensee mit seiner reizvollen Umgebung ein beliebtes Ausflugsziel, so dass man keine Chance hat, hier mit dem Wohnmobil zu parkieren, geschweige denn zu übernachten. Als wir im Dezember dort waren, war die Parkplatzschranke offen, und wir durften unbehelligt dort eine Nacht lang stehen. Mit schöner Aussicht auf den herausragenden Unterwasser Kirchturm und den eingeschneiten See.

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Von Muffin Bergen und dem Übernachten auf über 2’000 m Höhe.

Bei sonnigem Winterwetter ging unsere erste „grosse Ausfahrt“ weiter ins Herz der Dolomiten, deren gezackte Gipfel sich Schnee bestäubt vor einem strahlend blauen Himmel präsentierten. Die Sella Gruppe erinnerte in der Ferne an eine Ansammlung Puderzucker bestäubter Muffins. Und sah so einladend aus, dass wir kurzer Hand beschlossen, mit unserem „Koffer“ den Sella Pass zu erklimmen. Über teils Schnee bedeckte schmale Serpentinen schraubte sich unser Reisegefährt mühelos hinauf. Robert behielt auch bei Gegenverkehr die Nerven, während ich mich, den Abgrund zu meiner Rechten stets im Augenwinkel, leicht verkrampft an den Griff meiner Beifahrertür klammerte.

Puuh, endlich hatten wir es geschafft, die Passhöhe auf 2’240 m Höhe zu erobern, wo sich das Sella Joch und die Langkofel Gruppe in einem zauberhaften Winterkleid von seiner schönsten Seite präsentierten.

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Mitte Dezember ist man auch hier oben so gut wie alleine, so dass wir direkt neben einer kleinen Holzhütte in einer Nische einen perfekten Parkplatz fanden. Im Sommer undenkbar, jetzt höchst exklusiv und einfach nur phantastisch. 

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Den Preis für diese erneute Pole Position erkannten wir allerdings erst beim Aussteigen. Denn ein eisiger, scharfer Wind begrüsste uns heftig und wehte uns fast von den Füssen. Schnell die dicken Wollmützen, Schal und Handschuhe hervorgeholt, Herrn Monet an die Leine, damit er uns nicht davon fliegt, und los. Wenigstens ein paar wenige Schritte wollten wir schon gehen in diesem bizarren Winter Wonder Land. Es stürmte so anhaltend, dass wir uns gänzlich in den Wind legen konnten, ohne umzufallen bzw. ganz schön ankämpfen mussten, um ihm entgegen treten zu können.

Als es nach ca. einer Viertelstunde zu dämmern begann, gaben wir auf und suchten Zuflucht im warmen, komplett leeren kleinen Gasthaus, das sich direkt an den Hang des Sella Jochs schmiegt. Drinnen wurden wir freundlich, wenn auch etwas verwundert, begrüsst, denn um diese Zeit verirren sich wohl nur wenige Besucher hierher. Eine heisse Schokolade später erfuhren wir vom freundlichen Wirt auf Anfrage, dass es kein Problem sei, wenn wir hier oben über Nacht stünden mit dem Mobil. Sofern uns der Wind nicht störe. Prima, unsere dritte Nacht im „Koffer“ also erneut auf einem Pass! Bei -20°C im kuschelig gemütlichen Mobil. Die Nacht war dann zwar nicht ganz so kuschelig, denn der Wind frischte weiter auf und zerrte wütend an unserem Fahrzeug, so dass wir uns auf einem Schiff bei hohem Seegang wähnten. Und kein Auge zu taten.

Der unvergleichlich orangerote Sonnenaufgang über der Langkofel Gruppe am nächsten Morgen entschädigte uns allerdings für die stürmische, schlaflose Nacht.

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Und gut gelaunt fuhren wir zu unserem nächsten Ziel: dem Dolomiten Skiort Arabba, wo wir uns ein bisschen sportlich betätigen wollten.

Skifahren mit Hindernissen – haben Sie meinen Mann gesehen?

Ein ausgewiesener Wohnmobil Stellplatz, direkt neben dem grossen Parkplatz für Skigäste und den Liftanlagen von Arabba erschien uns perfekt. Und auch hier waren wir ausser zwei italienischen Wohnmobilen die einzigen Übernachtungsgäste. Da wir nachmittags ankamen, reichte die Helligkeit gerade noch für einen Erkundungsgang, bevor wir uns einmal mehr in unsere wohlige „Höhle“ zurückzogen.

Robert wollte nur noch kurz den Schmutzwassertank mit einem Eimer leeren und zur Entsorgungsstation bringen, während ich drinnen Tagebuch schrieb und das Abendessen vorbereitete. Nachdem ich längst mit Schreiben fertig war, nach einer gefühlten Dreiviertel Stunde dachte ich:

„Wo bleibt er denn so lange“? 

Abwasserentsorgung dauert normalerweise nicht so lang Durch die Fenster konnte ich Robert nirgends sehen, also öffnete ich die Tür. Niemand zu sehen und zu hören…unheimlich geradezu. Also zog ich meine Stiefel an und stieg unsere Treppe hinab, an deren Ende ich fast über die Beine meines Mannes stolperte. Der bei – 20°C fast komplett unter unserem Reisemobil im Schnee lag. „Was machst Du denn da?“, fragte ich entgeistert und bückte mich. Als ich blaue Flammen unter dem Fahrzeug, direkt vor Roberts Gesicht sah, blieb mir fast der Atem stehen.

Da lag mein Mann doch tatsächlich mit unserem Freiluft Gasherd unter dem LKW, um den eingefrorenen Tankschieber des Abwassertankes wieder aufzutauen. Offensichtlich hatten die eingebaute Tankheizung und die zusätzlichen Isolierungen versagt bzw. den extremen Minuskältegraden auf dem Sella Joch nicht Stand halten können. Ein übervoller Abwassertank mit zugefrorenem Tankschieber vor dem Ablaufrohr. Nicht gut! 

arabba-reparatur-expeditionsmobil-gasstrahler

Besondere Probleme erfordern besondere Massnahmen und ganzen körperlichen Einsatz: ca. eine Stunde brauchte unser unfreiwilliger Bordmechaniker, abwechselnd mit seinem Hilfsmechaniker. Bis mit der improvisierten Gasbrenner Auftau-Methode die ersten zaghaften Tröpfchen durch den langsam nachgebenden Tankschieber ins Ablaufrohr und in den Eimer tropften. Und nach einer weiteren halben Stunde floss dann alles wieder einwandfrei und konnte fachgerecht entsorgt werden.

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Durchgefroren und um unsere erste „Pannen Erfahrung“ reicher, genossen wir anschliessend unser Chäsfondue an Bord des gut geheizten Koffers umso mehr. Im Nachhinein hatte sich später zuhause herausgestellt, dass die vom Hersteller vermutlich falsch montierte Tankheizung komplett durchgeschmort war und deshalb nicht mehr funktionierte. Dies nur ein Teil von Vielen in unserem Mobil, das über die Jahre von uns selbst ausgetauscht und optimiert wurde. Aber das sind andere Geschichten, die vermutlich jeder Besitzer eines individuellen Expeditionsmobils sehr gut kennt. Und über die auf diesem Blog sicher noch die eine oder andere Anekdote zu lesen sein wird.

Rechts oder links fahren? -Du entscheidest Dein Ziel jeden Tag neu!

Nach einem sonnigen Skitag bei -15°C in Arabba beschlossen wir, am übernächsten Tag weiterzufahren. Auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel „Bruneck“ kamen wir mitten in den Dolomiten an eine Kreuzung mit mehreren Wegweisern. Auf einem davon stand:

„VENEZIA“.

Wir schauten uns an, dann wieder auf das Schild, nickten in trauter Einigkeit. Und Robert setzte den Blinker nach rechts in Richtung Mittelmeer. Denn nach unseren ersten, schön eisigen Tagen und Erlebnissen hatten wir nun doch das Bedürfnis, in milderen Gefilden selbst ein wenig aufzutauen. 

Warst Du im Dezember schon einmal in Italien am Mittelmeer? – Nein? – Dann freu Dich demnächst auf unsere nächste neue Geschichte:Stimmungsvolles Lido di Jesolo und andere Gewässer – aber nur im Winter!“

nurMut…es gibt immer eine Lösung und immer einen Weg. Petra

Welche Pannen sind Dir im Urlaub schon passiert? Schreib mir gerne Deinen Kommentar dazu…

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