Was zum Teufel bedeutet eigentlich „Fogü“?

Zwischen Kuchentheke & der großen weiten Welt.

Ein Ort, von dem alle Kinder träumen.
Kuchen, Torten, Eiscreme und Naschwerk aller Art – in dieser Traumkulisse wuchs ich auf.
Denn mein Vater war der „Candy Man“, Konditor Meister mit Leib & Seele. Während meine Mutter seine Kunstwerke mit viel Herzblut in der eigenen Confiserie an die Frau und den Mann brachte. Mit einem derart engagierten Elternpaar kann man sich meinen frühkindlichen Wirkungskreis als Einzelkind trefflich vorstellen: Von der Backstube hinter die Kuchentheke und zurück!

Wow, wird der eine oder andere Leser nun denken, eine Kindheit im Schlaraffenland. Stimmt, an Süßigkeiten mangelte es nie. Und Freunde hat man auch genügend, solange es Eiscreme gratis gibt.

Aber wie alles im Leben, hat auch Schlaraffia ihren Preis.

Während andere Kinder am Wochenende und in den Ferien mit ihren Eltern Ausflüge und Reisen in die spannende Welt da draußen machten. Sass ich gelangweilt auf einem kleinen Hocker hinter der Kuchentheke und beobachtete neugierig das Geschehen.

Das Spektrum unserer Gäste wie unserer Waren war vielfältig. Es reichte von den Einfachen bis zu den Exklusivsten. Handwerker und Ärzte, Hausfrauen und Manager, Familien und Gigolos trafen sich damals bei uns. Um ihrer Lust auf Nussgipfel oder feine Patisserie nachzugeben. Und mit ihnen ihre Geschichten…

Im Sommer erzählten die braungebrannten Kunden zwischen Schwarzwälder Kirschtorte und Pistazien Eis von ihren Ferien in ferne Länder. Im Winter standen Sie im neuesten Skioutfit vor der Theke und konnten sich nicht entscheiden zwischen Christstollen, Lebkuchen oder Linzertorte. Und ich saß, versteckt hinter Engadiner Nusstörtchen, Apfelkuchen und Sahne Eclairs, jeden Sonntag auf meinem Hocker und lauschte, guckte und staunte, was die Menschen da draußen so alles erlebten, welche Kleidung sie trugen, und was sie umtrieb.

Von Sehnsüchten und der Psychologie der Wünsche.

Mit 6 Jahren schon fing ich an, meine eigene Typologie zu erstellen. Mein Spiel bestand darin, zu erraten, wer zu welchem Produkt greifen und sich damit seine geheimsten Naschwünsche erfüllen würde. Freilich, ohne mir dieser wertvollen Lebensschule bewusst gewesen zu sein.
Im Gegenteil, ich war kreuzunglücklich darüber, dass ich all die Geschichten, Erlebnisse und „Trends“ nur Second Hand aus der hinteren Reihe erfuhr. Mein eigenes kleines Leben langweilte mich schrecklich. Wie gerne hätte ich all die Süßigkeiten eingetauscht gegen eine sonntägliche Wanderung mit meinen Eltern. Ein gemeinsames Skiwochenende. Ferien in Rimini. Oder eine neue Designer Jeans aus München.

Ich wusste dafür zwar, wie Osterhasen gegossen werden, dass man Schokoladenpralinen nicht im Ofen bäckt und wie die Marmelade in die Berliner hinein kommt…aber eigentlich träumte ich von all den Abenteuern in der grossen Welt da draussen. Den scheinbar unerreichbaren Vergnügungen und glitzernden Kostbarkeiten.

Zufall oder Vorsehung?

Nicht genug, dass unser Geschäft als Bühne für all die Geschichten und die kleinen oder grossen Eitelkeiten diente, die ich neugierig aufsog. Eines Tages spielte mir der Zufall dort das entscheidende Objekt der Begierde direkt in die Hände.

Eine der extravaganten Kundinnnen vergass ihre teure Hochglanz Zeitschrift auf einem unserer Caféhaus Tische, wo ich sie beim Abräumen gefunden hatte. Kundin weg, keiner hat‘ s gemerkt. Ich räumte es einfach auch weg. Das schwere Heft, von dessen glänzendem Titel mich eine wunderschöne Frau mit elegantem Wimpernaufschlag anstrahlte. Dazu fünf grosse rote Buchstaben: VOGUE.

„Was das wohl bedeutet ? – FOGÜ“?

Ich schnappte mir den kostbaren Schatz und verschwand damit in meinem Zimmer. Vorsichtig erforschte ich dort das edle Magazin von allen Seiten, streichelte sanft über das glatte feste Papier, bevor ich diese Reliquie der Schönen und Reichen, der exklusiven Produkte und exotischen Reisen ehrfürchtig öffnete. Und endlich Seite für Seite eintauchte. In eine neue faszinierende Welt, die mich so schnell nicht wieder loslassen sollte…

1 Kommentar zu Was zum Teufel bedeutet eigentlich „Fogü“?

  1. Da erkenne ich mich in vielen Punkten wieder…ich hatte nur das große Glück den Alpencampingplatz zu haben, der war ja immer Rand voll mit Kindern gefüllt 😉 Toller Beitrag von dir, Petra!

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