Vom Abenteuer, ein Expeditionsmobil zu kaufen

Wie unser Traum vom unabhängigen Reisen beinahe geplatzt wäre.

ein expeditionsmobil zu kaufen-Expeditionsmobil-Wohnmobil

Ein Expeditionsmobil zu kaufen ist ein Abenteuer für sich.

Beim Wort „Expeditionsmobil“ denkt jeder sofort an Abenteuer, Wildnis, Unabhängigkeit und Freiheit. Auch wir hatten diese Bilder im Kopf, als wir uns vor einigen Jahren dazu entschlossen hatten, unseren Traum vom eigenen autarken Expeditionsmobil zu realisieren.

Dass sich jedoch bereits der Kauf eines solch exotischen, individuellen  Fahrzeuges zum extrem nervenaufreibenden Abenteuer entwickeln könnte, bevor man überhaupt einen Kilometer damit gefahren ist, wussten wir vorher leider nicht…

Ein lang gehegter Traum wird wahr.

Es hatte circa ein Jahr gedauert bis wir endlich das für uns passende Expeditionsmobil gefunden hatten. Nicht zu gross, dennoch gross genug, um auch im Winter in unzugängliches Gelände fahren zu können und dort für ein paar Tage autark sein zu können. Generell war uns das Thema Unabhängigkeit von Camping- und Stellplätzen sehr wichtig gewesen, weshalb wir uns am Ende auch für ein Expeditionsmobil und nicht für ein normales Wohnmobil „von der Stange“ entschieden hatten.

Wir hatten es schliesslich 2010 in Deutschland gefunden, unser Traummobil. Ein bereits ausgebautes, neuwertiges Vorführmodell eines namhaften deutschen Anbieters auf Mercedes Atego LKW Basis mit nur 5’000 Kilometer Laufleistung. Ein Euro 4 Fahrzeug, umweltgerecht mit Adblue Zusatz im Katalysator, um die schädlichen Stickoxide aus den Dieselabgasen zu minimieren.
Der Verkäufer versicherte uns glaubhaft, dass der Import dieses modernen Fahrzeuges in die Schweiz kein Problem sei, da einige seiner Kunden ihre Fahrzeuge ebenfalls bereits reibungslos über die Grenze eingeführt hätten. Auch unsere Anfrage anhand der Fahrzeugpapiere bei einer grossen Schweizer Mercedes LKW Vertretung im Vorfeld ergab, dass ein Import des Fahrzeuges von Deutschland in die Schweiz problemlos möglich sei.

Voller Vorfreude und aufgeregt unterschrieben wir im Sommer den Kaufvertrag für unser Expeditionsmobil, das wir dann im Herbst beim Hersteller direkt abholen konnten. Beide hatten wir extra die aufwändige und schwierige LKW Führerschein Prüfung absolviert, um unser mobiles Heim zukünftig fahren zu können und fieberten unserem ersten Ausflug mit unserem „Koffer“ entgegen, wie wir unser Gefährt liebevoll getauft hatten. Mit deutscher Zulassung und Kennzeichen und allen notwendigen Papieren holten wir den Koffer also ab, verzollten das Fahrzeug vorschriftsmässig an der Schweizer Grenze, was tatsächlich auch reibungslos vonstatten ging.

Schweizer werden, das ist schwer. Schweiz verstehen oft noch vielmehr.

Um das Expeditionsmobil möglichst bald zu einem „echten Schweizer“ zu machen, mussten wir es nun nur noch anmelden, was automatisch eine Schweizer Fahrzeugprüfung durch das zuständige Strassenverkehrsamt auslöst, völlig unabhängig davon, dass das Fahrzeug erst kürzlich in Deutschland geprüft und zugelassen worden war. Eine reine Formsache, dachten wir, und so war es uns auch vom Verkäufer und von der Schweizer Mercedes Vertretung im Vorfeld zugesichert worden.

Als wir das Fahrzeug vor der Fahrzeugprüfung wegen eines kleinen Umbaus an der Stosstange zur Schweizer Mercedes Vertretung gebracht hatten, und diese partout nicht mit dem Auftrag beginnen hatten wollen, wurden wir das erste Mal ein wenig stutzig. Denn wir waren dort vertröstet worden bis diverse Abklärungen getroffen worden seien. Schliesslich hatten wir nach einigen Tagen die Mitteilung bekommen, wir sollten doch lieber zunächst den Fahrzeug-Vorführtermin abwarten, bevor wir weiteres Geld für Umbauten investierten. Leicht irritiert, aber nach wie vor blauäugig und gutgläubig setzten wir uns also umgehend mit dem zuständigen Strassenverkehrsamt in Verbindung zwecks Terminvereinbarung zur Fahrzeugprüfung. Und schickten unsere Fahrzeugpapiere, wie verlangt, in Kopie vorab dorthin.

Der Anruf des Strassenverkehrsamtes einige Tage später verwandelte unseren Traum vom unabhängigen Reisen in fernen Ländern schlagartig in einen Alptraum im eigenen Land.

Denn der zuständige Beamte informierte uns sachlich aber bestimmt in wenigen Worten, dass dieses in Deutschland erstzugelassene Fahrzeug so unter gar keinen Umständen in der Schweiz zugelassen werden könne, da es nicht den aktuellen Umweltvorschriften der ASTRA (Bundesamt für Strassen) entspräche. Dieses Fahrzeug müsse ein Euro 5 Modell sein, mit dem vorhandenen Standard von Euro 4 könne und dürfe es keinesfalls ein Schweizer Fahrzeug werden. Und somit könne er uns auch keinen Vorführtermin geben.

Wie vom Donner gerührt schaute ich meinen Mann an, als dieser mir von diesem seltsamen Telefonat erzählt hatte. „Und was bedeutet das jetzt?“, fragte ich noch immer hoffend, es handle sich um ein Missverständnis oder etwas, das man schnell aus der Welt räumen könne. „Keine Ahnung“, war seine etwas hilflose Antwort. Umgehend rief er den Hersteller in Deutschland an, der uns die Papiere für die Zulassung gegeben hatte mit der mehrfachen Versicherung, alles ginge einfach und unkompliziert. Dieser gab sich völlig überrascht am Telefon und meinte nur, er habe alles notwendigen Papiere beschafft und könne auch nicht mehr tun. Er hätte uns sogar eine Beglaubigung des baden-württembergischen Umweltministeriums mitgegeben, dass dieses Fahrzeug den aktuellen EU Umweltnormen zum Zulassungszeitpunkt entspricht. Und damit sei eine Zulassung in der Schweiz kein Problem. Und seine Arbeit getan.

Mit dieser neuen Information meldeten wir uns erneut bei der Schweizer Behörde, um vom dortigen Mitarbeiter die lapidare, aber strikte Antwort zu erhalten, dass Beglaubigungen einer baden-württembergischen Behörde in der Schweiz nichts wert seien. Es gäbe eine Bestimmung in der Schweiz, wie hoch der Stickoxid Wert, der sogenannte NOX-Wert bei neu zugelassenen Diesel LKW s zu sein habe. Und der vom Hersteller gemeldete NOX-Wert für Euro 4 LKW’s, den das Strassenverkehrsamt selbst gar nicht messen kann, weil die Werte so gering sind, sei bei der Erstzulassung unseres LKW’s zu hoch. Er hätte dem Wert des Euro 5 Standards entsprechen müssen. Das klingt kompliziert, ist es auch, wie so vieles, was sich Tausende von Beamten in Europa überlegen.

Wir jedenfalls waren unbeabsichtigt mittendrin im Beamten- und Normen-Wahnsinn, den wir selbst zum damaligen Zeitpunkt überhaupt nicht verstehen hatten können. Was wir allerdings sehr schnell verstanden hatten: seitens der Behörde in der Schweiz und seitens unseres Verkäufers in Deutschland durften wir keine Hilfe und keinerlei Lösung für unser Problem erwarten.

Also versuchten wir selbst händeringend, eine Lösung zu finden. Denn ansonsten hätten wir das Fahrzeug direkt wieder nach Deutschland verkaufen müssen. Oder dem deutschen Verkäufer per Anwalt mit Wandlung drohen, was jedoch angesichts der Rechtslage in Deutschland und der EU nicht unbedingt von Erfolg gekrönt gewesen wäre. Denn die Papiere waren dort tatsächlich gültig. Nur die Schweizer Behörde akzeptierte sie so nicht.

Mercedes – das Beste oder nichts.

Sichtlich verzweifelt, weil völlig alleine gelassen mit dem Problem, wendeten wir uns schliesslich an die Mercedes Tochtergesellschaft in der Schweiz mit der Bitte um Beistand. Das Ergebnis dieser Anfrage war schliesslich, dass der zuständige Schweizer Mercedes Mitarbeiter sich mit dem Beamten des Strassenverkehrsamtes solidarisch erklärte, sich bei diesem entschuldigte und ihm versicherte, dass Mercedes Schweiz sicherlich nichts täte, um uns mit diesem hier nicht zulassungsfähigen EURO 4 Fahrzeug weiterzuhelfen. Das haben wir sogar schriftlich von Mercedes Schweiz als E-Mail erhalten.

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Vor und zurück, wie ein im Schnee festsitzendes Expeditionsmobil, ging das Zulassungs-Theater.

Wir kamen uns vor wie in einem nicht enden wollenden Alptraum, aus dem man irgendwann schweissgebadet aufwacht, froh darüber, alles nur geträumt zu haben. Aber wir wachten leider nicht auf. Inzwischen waren einige Monate vergangen, wir hatten das Expeditionsmobil nach wie vor mit deutschem Kennzeichen vor dem Haus stehen, ohne dass sich eine Lösung abzeichnete. Und vor allem ohne, dass wir damit legal länger verreisen hätten können. Der Verkäufer in Deutschland beantwortete unsere Hilfeanfragen schon längst nicht mehr, Mercedes Schweiz hatte sich offensichtlich ebenfalls gegen ihren LKW Kunden entschieden. Der einstige Mercedes Werbeslogan galt offensichtlich nicht mehr: „In Betreuung so gut wie in Technik.“ Der aktuelle dafür umso mehr: „Das Beste oder nichts“. In unserem Falle kristallisierte sich „das Nichts“ immer deutlicher heraus.

Einsame, verzweifelte Wut brach sich ihre Bahnen und wir hatten so manche schlaflose Nacht durch diskutiert, wie wir unsere Mega Investition in einen Traum, der sich zum Alptraum gewandelt hatte, wieder schnellstmöglich rückgängig machen könnten.

Inzwischen hatten wir auch den Grund für den ganzen Schlamassel erfahren. Der Verkäufer, die Firma in Deutschland, die den LKW zum Expeditionsmobil auf- und umgebaut hat, hatte den neuen Mercedes Atego LKW von Anfang nie offiziell zugelassen, sondern immer nur mit Werkstattnummern auf den Strassen bewegt, um die gesamte Zeit der Hersteller Garantie für den zukünftigen, potentiellen Kunden zu bewahren. Denn die Hersteller Garantie beginnt erst ab der Erstzulassung eines Fahrzeuges zu laufen.

Das heisst, der LKW wurde erst kurz vor unserem Kauf in Deutschland zugelassen, hätte jedoch als Euro 4 Fahrzeug bereits vor dem 1. September 2009 im Ausland zugelassen oder in die Schweiz eingeführt worden sein müssen.

Die Bestätigung des deutschen Landratsamtes, dass unser Fahrzeug in Deutschland und der EU als vor dem 28.09.2009 zugelassen gilt, wurde von dem Schweizer Bundesamt für Strassen und vor allem von unserem zuständigen Strassenverkehrsamt Mitarbeiter also nicht akzeptiert. Dieser meinte zu meinem Mann am Telefon süffisant: „Selbst schuld, wenn man in Deutschland so ein Luxusding kauft. Dann müssen sie es halt wieder verkaufen. Hier fährt es jedenfalls nicht rum mit Euro 4. Und in einem anderen Strassenverkehrsamt brauchen Sie es gar nicht erst zu versuchen, ich habe ihr Fahrzeug Schweiz weit auf eine schwarze Liste gesetzt.“ Welche Faktoren und persönlichen Befindlichkeiten beim Verhalten dieses Herrn ausschlaggebend waren, überlassen wir dem geneigten Leser selbst. Die Begriffe, die uns im Gedenken an diesen „freundlichen, hilfsbereiten Herrn“ einfallen, ebenfalls.

Wir fragten also in einer Mercedes LKW Werkstatt in der Schweiz an, was es kosten würde, den LKW auf Euro 5 umzurüsten. Als wir von dort die Antwort bekommen hatten, dass eine Umrüstung dieses Modells auf Euro 5 gar nicht möglich sei, erlag ich einem derartig heftigen, ohnmächtigen Wutanfall, dass anscheinend neue, ungeahnte Energien freigesetzt wurden.

Ich erinnerte mich an meine jahrelangen Jobs im zentralen Marketing bei Porsche und BMW und daran, was damals erzürnte Kundenanrufe direkt im Management der Zentrale oft bewirkt hatten. Bevor ich allerdings versuchte, den Mercedes Vorstand  zu aktivieren, versuchte ich es telefonisch im zentralen Service der Daimler AG, Mercedes LKW Sparte in Stuttgart. Meine Wut und die eigene Erfahrung in Automobil Grosskonzernen verliehen mir den Mut, als letzte aller Möglichkeiten dort anzurufen, um unseren Lebenstraum vom unabhängigen Reisen doch noch irgendwie zu retten. Und das viele Geld, das wir bereits investiert hatten.

Geht nicht gibt’s nicht.

In der Daimler Zentrale fragte ich mich telefonisch durch zum zentralen Service, wo ich nach endlosen Weiterleitungen endlich bei einem Herrn gelandet war, der mich zumindest einmal ausreden und erklären liess, was unser Problem war. Um mir dann höflich zu erklären, dass er persönlich dafür eigentlich nicht zuständig sei.

In einem Comic würden ab jetzt in der Sprechblase Bomben, geballte Fäuste, Messer, Donnerwolken und Säbel erscheinen. Ich hingegen erwiderte einigermassen beherrscht:

„Sehen Sie guter Mann. Ich habe selbst jahrelang bei Automobilkonzernen gearbeitet und weiss deshalb nur zu gut, dass man in der Zentrale generell nie für den Kunden zuständig ist und auch gerne jegliche Anrufe abwimmelt. Da jedoch ihre Daimler und Mercedes Vertretungen in der Schweiz bisher derart versagt haben und auch sonst offensichtlich kein Mensch bei der Daimler AG daran interessiert zu sein scheint, einem Kunden, von dessen Geld am Ende alle Mitarbeiter leben, zu helfen, gebe ich jetzt Ihnen persönlich die letzte Chance, einen verärgerten Kunden ernst zu nehmen und mitzuhelfen, dass die in der millionenschweren Werbung so viel gepriesene Kundennähe und Verlässlichkeit auch wirklich gelebt wird. Lassen Sie sich etwas einfallen! Ich gebe Ihnen meine Telefonnummer und erwarte Ihren Rückruf innerhalb der nächsten Tage. Herzlichen Dank im Voraus und auf Wiederhören!“

Mit einem Rückruf hatte ich nicht wirklich gerechnet, aber mir war jetzt wenigstens ein wenig wohler, weil ich mein Anliegen nochmals wortgewaltig platziert hatte.

Doch offenbar hatte ich den Servicemitarbeiter in der Daimler Zentrale bei seiner Ehre gepackt, oder ich hatte einfach Glück, bei einem zuverlässigen Menschen gelandet zu sein. Denn nach drei Tagen erhielten wir tatsächlich einen Rückruf von ihm. Er hatte sich intern schlau gemacht und bestätigte zunächst, dass ein Umbau von Euro 4 auf Euro 5 auch im LKW Werk in Wörth nicht möglich sei, da es „keine Service Teilenummer für den Umbausatz gäbe. Und somit niemand ins Teilelager greifen könne, um die Umbaukomponenten so einfach zu entnehmen und einzubauen.“ Mir fielen wieder alle bürokratischen Hürden und organisatorischen „das geht aber nicht,weil“-Argumente ein, mit denen auch ich jahrelang intern zu kämpfen hatte in Grosskonzernen. Je grösser die Firma, desto unflexibler. Ein Grund von vielen, warum ich dort nicht mehr arbeiten wollte. „Und was können wir jetzt tun?“, fragte ich den Herrn. „Können Sie das Fahrzeug nicht zurückgeben? Oder wieder verkaufen?“, war auch sein wenig aufbauender Vorschlag. „Nein!“, entgegnete ich bestimmt. „Und ich gebe solange keine Ruhe bis die Daimler AG uns eine Lösung präsentiert. Ich zähle auf Ihren Kundendienst und erwarte eine Lösung. Oder müssen wir erst beim Vorstand vorstellig werden?“ – „Sie hören wieder von mir“, war seine kleinlaute Antwort.

Nach umfangreicher E-Mail Korrespondenz und vielen weiteren Wochen, inzwischen war es März 2011, hatten wir endgültig die Aussage der Daimler AG und deren Produktionswerk in Wörth, dass ein Umbau unseres LKW’s von Euro 4 auf Euro 5 durch die Daimler AG selbst nicht möglich sei.
„Schöne neue, überorganisierte Welt!“ Mein Telefonkontakt in der Zentrale hatte jedoch sein Netzwerk innerhalb des Unternehmens genutzt und konnte uns nun endlich nach einem halben Jahr seit Kauf des Fahrzeuges wirklich helfen. Er nannte uns eine externe Firma, die für Daimler LKW’s zu Spezialfahrzeugen umbaute, wie z.B. schwere Feuerwehrautos. Wir sollten es dort einmal versuchen mit unserer Umrüstungsanfrage.

Expeditionsmobil-Kreta Hafen-Segelschiff

Jetzt können uns nur noch „Zauberer“ helfen…

Und tatsächlich, hier waren wir endlich nach einer endlos scheinenden Odyssee, an kompetenter Stelle angekommen. Hier konnte uns geholfen und eine Umrüstung von Euro 4 auf Euro 5 durchgeführt werden. Allerdings mit enormen Zusatzkosten verbunden, denn nun wurden die einzelnen Teile des Umrüstsatzes, für den es bei der Daimler AG keine Teilenummer gegeben hatte, händisch zusammengestellt. Und unser ohnehin schon sehr individuelles Expeditionsmobil nochmals in handwerklicher Kleinstarbeit umgerüstet, um den Umweltvorschriften auf dem Papier der Schweizer Strassenbehörden endlich zu genügen. Um einen nicht messbaren NOX Wert einzuhalten, der ausschliesslich auf Herstellerangaben der verschiedenen EURO Standards basiert. Was diese Angaben der Automobil Hersteller letztendlich wert sind, wissen wir ja alle spätestens seit dem VW Abgas Skandal. Und das alles in einem Land, durch das sich täglich tausende süd- und osteuropäische, uralte, Russ qualmende, stinkende, keineswegs EU-konforme Transport LKW’ s quälen, nach deren Abgaswerten im Transit kein Hahn kräht.

Aber am Ende führte unsere Beharrlichkeit, gemeinsam mit einigen wenigen hilfsbereiten Menschen, die es glücklicherweise immer und überall gibt, wenn man lange genug nach ihnen sucht, zum gewünschten Ziel. An dieser Stelle herzlichen Dank an alle konstruktiv Beteiligten, falls sie dies lesen sollten. Unser Expeditionsmobil konnte letztendlich auf Euro 5 umgebaut und erfolgreich beim Schweizer Strassenverkehrsamt vorgeführt und zugelassen werden. Ein echter Schweizer in acht Monaten. Wenn man bedenkt, dass eine Einbürgerung ansonsten acht bis zehn Jahre dauert…dafür allerdings auch wesentlich günstiger ist und keinen Umbau erfordert!

Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln: durch Nachdenken ist der edelste, durch Nachahmen der einfachste, durch Erfahrung der bitterste.“ (Konfuzius)

Leider war dieser Zulassungs-Krimi nicht die einzige Problematik, die sich bei unserem Expeditionsmobil im Nachhinein herausstellen sollte. Denn die Daimler Tochterfirma, die unser Fahrzeug auf Euro 5 umrüstete, stellte weitere zahlreiche sicherheitsrelevante Mängel am LKW fest, für deren Entstehung der Umbauer und Anbieter  des Fahrzeuges verantwortlich gewesen war, und deren Behebung wir im Nachhinein ebenfalls selbst teuer hatten bezahlen müssen. Dazu demnächst weitere Beiträge hier auf dem BLOG unter Pleiten, Pech & Pannen.

Um die bitteren Erfahrungen, die wir machen mussten, und das Lehrgeld, das wir zu bezahlen hatten, all denjenigen zu ersparen, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, sich ein Expeditionsmobil zu kaufen, hier nochmals zusammengefasst unsere Tipps:

  1. Das Expeditionsmobil vor dem Kauf durch eine Fachwerkstatt des eigentlichen Fahrzeugherstellers (nicht Expeditions-Aufbauers) prüfen lassen. Sind alle sicherheitsrelevanten Teile des Fahrzeuges voll funktionsfähig und durch den Auf- und Ausbau nicht beeinträchtigt worden?
  2. Wenn man das Fahrzeug selbst zulassen möchte, vor dem Kauf mit den Kopien der Fahrzeugpapiere eine mögliche Zulassung bei der entsprechenden Behörde überprüfen lassen.
  3. Für den Kauf und Import von einem EU-Land in ein anderes EU- oder Nicht-EU-Land unbedingt eine Kaufrücktrittsklausel in den Kaufvertrag mit aufnehmen für den Fall einer gesetzlich nicht möglichen Fahrzeugzulassung im eigenen Land.
  4. Im Kaufvertrag neben dem Garantierückbehalt zusätzlich einen kleinen Rückbehalt des Kaufpreises vereinbaren, der dem Verkäufer ausbezahlt wird, sobald das Fahrzeug am gewünschten Ort zugelassen ist.
  5. Referenzlisten der Hersteller sind hilfreich, sollten jedoch kritisch geprüft und eventuell auch andere Kundenmeinungen via Internet eingeholt werden.

Übrigens: nach diesen ersten Anfangsschwierigkeiten und einigen Zusatzinvestitionen ist uns unser Koffer sehr ans Herz gewachsen und hat uns in den letzten Jahren viele schöne Reisen ermöglicht. Wir möchten nie mehr anders reisen…ausser vielleicht ab und zu zu Fuss.

7 Kommentare zu Vom Abenteuer, ein Expeditionsmobil zu kaufen

  1. Hallo Petra

    Besten Dank für diesen Beitrag. Ich werde den Bericht auf die Seite legen, denn er könnte auch für uns wichtig werden.
    Auch ich habe ab und zu die Glückliche Hand, immer in die Schei…. zu treten.
    Ich bin auf Euch gestossen zufällig dank http://www.tournatur-online.de
    Wir werden weiter bei Euren Reisen dabei bleiben. Viel Spass und gutes gelingen für alles was Ihr Euch wünscht.
    Viele Grüsse aus Luzern

  2. Oberhänsli Chrigel // 12/11/2016 um 19:47 // Antworten

    Hallo Petra!
    Die ganze Geschichte ist wirklich haarsträubend, doch Dank Deinem Durchhaltevermögen hat es am Schluss doch noch geklappt!
    Ein Gratistipp: Nicht jedes Schweizer Straßenverkehrsamt reagiert gleich auf solche Importfahrzeuge; hier sei als Paradebeispiel der Kanton Schaffhausen erwähnt!
    Ich wünsche Euch noch viele schöne Fahrten mit Eurem „Baby“ und – wer weiss – vielleicht sieht man sich ja mal unterwegs…
    Gruss aus Thayngen, Chrigel

    • Leider wussten wir damals nicht mehr, an wen wir uns noch hätten wenden können. Die ganze „Welt“ schien sich gegen uns verschworen zu haben. Danke für Deinen Kommentar. Und gut zu wissen, wohin wir uns in Zukunft auch wenden können. Herzliche Grüsse nach Thayngen…

  3. Eine üble Geschichte, die zum Glück noch zu einem Happy End wurde. Gut, dass ihr diese Geschichte publiziert habt und andere daraus lernen können. Zumindest vorsichtiger an ein solches Projekt rangehen.

    • Hallo Stefan, danke für Deinen Kommentar. Wir sind der Meinung, nicht jeder muss alle Erfahrungen selbst machen. Man ist natürlich nie gefeit vor bösen Überraschungen. Aber hoffentlich hilft unsere Geschichte wenigstens anderen ein bisschen, ganz viele Dinge vor dem Kauf eines Expeditionsmobils abzuklären.

  4. Ich fühle mit. Hatte mir letztes Jahr ein Sprinter-Fahrgestell mit Euro5 Motor gekauft und bis September eine Kabine drauf gestellt und ausgebaut.alle Anfragen, wie lange man noch Euro 5 zulassen darf, wurden sinngemäß mit: Versuchen sies doch beantwortet. Zum Glück hats dann doch geklappt, ich war sehr aufgeregt (Umbau E5 nach E6 geht wohl auch nicht)…nun sind wir happy mit unserem caribou!

  5. Hallo Petra
    Dein ausführliche Bericht über die Hierarchie der Behörden und Großfirmen, kann man den Erfolg nur mit Erfahrung-Ausdauer und Mut erreichen, den du und Robert mit Erfolg bewiesen haben. ( auch mit finanzieller Opfer). Euer Bericht möge anderen Helfen!.

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