Eine Wohnmobil Treppe, die nicht ausfährt, ist nichts wert.

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Idee gut, Ausführung unbrauchbar.

Eine ganz besonders raffinierte Wohnmobil Treppe hatte sich der Erbauer unseres Expeditionsmobil ausgedacht. Um die 1.40 Meter Höhe zu unserem Koffer“ Eingang zu überwinden.

Anfänglich waren wir auch sichtlich begeistert über diese ausgetüfftelte Mechanik, die mit Hilfe eines motorisierten Seilzuges per Knopfdruck von innen und per Schlüssel von aussen zu bedienen war. An sich ein gutes System, das es uns auch problemlos erlaubte, nachts die Treppe  von innen einzufahren ohne grossen Kraftaufwand. Dazu relativ platzsparend im Vergleich zu gängigen rein statischen Treppenleitern, die bei einer Höhe von 1.40 m in einem recht weiten Winkel vom Fahrzeug abstehen und damit breite Parkflächen bedingen.

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Ausgefahrene Treppe unseres Expeditionsmobils.

Die Aluminiumscheren Treppe, in einem separaten Gehäuse aussen unter der Eingangstüre platziert, fuhr zunächst per elektrisch betriebener Seilwinde, von starken Gasdruckfedern nach aussen unterstützt, aus dem Gehäuse seitlich heraus, bevor der Seilzug dann die Treppenstufen parallel zum Fahrzeug nach unten transportierte. Und umgekehrt wieder nach oben.

Dabei war auf den extrem starken Gasfedern ein permanenter Druck nach aussen von 80 kg pro Feder, der bei eingefahrener Treppe ausschliesslich von dem aufgerollten Stahlseil zurückgehalten werden musste. Bei zusätzlicher Verwindungsbelastung durch das fahrende und rüttelnde Fahrzeug.

Ziemlich bald mussten wir leider erkennen, dass diese Marke Eigenbau, wie so viele Erfindungen und Konstruktionen an unserem Expeditionsmobil, erhebliche Kinderkrankheiten aufwies, die wir als Kunde nun irgendwie auszubaden hatten. Denn bereits nach einigen Wochen riss das Stahlseil das erste Mal, das an der engen Führung rieb und offensichtlich der starken Zugbelastung nicht standhielt. Unser gewiefter Bordmechaniker, mein Mann, ersetzte es durch ein stabiles neues Stahlseil, das dann einige Zeit wieder seinen Dienst tat. Bis er es erneut ersetzen musste, weil das Seil wieder mit einem lauten Knall zerbarst.

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Ausgebautes Treppenelement mit Seilwinde und Stahlseil.

Wie oft Robert das Seil insgesamt erneuern musste, haben wir nicht gezählt, aber es waren einige Male. Als er ein stärkeres Seil verwendet hatte, hat es die Halterung der Gasfeder zerrissen. Die kaputte Gasfeder hatten wir anfangs noch beim Hersteller beanstandet und uns eine neue zuschicken lassen.

Mit einer verbogenen Treppe gestrandet mitten in Portugal.

Als uns das Seil mehrfach auf unserer über dreimonatigen Atlantikreise gerissen war. Und wir dadurch Spezialisten für französische Baumärkte geworden waren, von wo wir Ersatzseile organisieren mussten. Kam schliesslich zu allem Übel auch noch dazu, dass die starken Gasfedern mit jeweils 80 Kilogramm Zuggewicht pro Feder total verbogen worden waren.

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Notdürftige Treppenreparatur.

Spätestens jetzt fingen alle Alarmglocken an zu läuten. Denn mitten in Portugal hatten wir die Treppe nicht einmal mehr richtig in ihrem Gehäuse versorgen können. Die Gasfedern bewegten sich keinen Millimeter mehr.

Als wir nachmittags gerade von einem Campingplatz im schönen portugiesischen Städtchen Tomar wieder abfahren wollten, hatten wir im Rückspiegel bemerkt, dass unsere Treppe sich von selbst langsam aus ihrem Gehäuse heraus bewegte und seitlich vom Fahrzeug abstand. So konnten wir unmöglich auf öffentlichen Strassen herumfahren – ein totales Sicherheitsrisiko.

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Campingplatz Tomar, Portugal Treppenreparatur.

Robert überprüfte, zusammen mit einem anderen Wohnmobil Reisenden, einem deutschen Maschinenbauingenieur, das Problem direkt auf dem Campingplatz. Offensichtlich hatten die starken Gasfedern sich verklemmt, nachdem die Treppe bereits ein Stückchen herausgefahren war. Sie bewegte sich weder vor noch zurück und stand circa vierzig Zentimeter seitlich vom Fahrzeug ab. Zunächst war guter Rat teuer bis der Ingenieur meinte: „Der Campingplatz Betreiber kann sicherlich einen Monteur organisieren.“ Nach einer Stunde kamen zwei portugiesische Fahrzeugspezialisten, die zunächst ebenfalls ratlos vor dem technischen Scherbenhaufen standen. Reparieren konnten auch sie die Treppe nicht. Aber wenigstens schafften sie es erfolgreich, die Gasfedern auseinander zu schrauben, so dass man die gesamte Treppenkonstruktion mit vereinten Kräften zurück in das vorgesehene Gehäuse schieben konnte. Dort konnte sie allerdings nicht fixiert werden, da der Hersteller überhaupt keine Arretierung oder Fixierung vorgesehen hatte. Das hatte ursprünglich ja nur der Seilzug geleistet. Der nun auch nicht mehr funktionierte, und dem wir inzwischen auch nicht mehr trauten nach all den gerissenen Seilen.

Wir mussten die gesamte Konstruktion also erneut mit Spanngurten fest fixieren, um wenigstens weiterreisen zu können. Für die restliche Reise mussten wir nun damit leben, die einfache Notleiter zum ein- und aussteigen zu nutzen oder den Durchstieg durch die Fahrerkabine. Was vor allem dann mühsam war, wenn wir draussen essen wollten, und alles aus der Küche nach unten transportiert werden musste. Aber wir wuchsen an unseren Herausforderungen und haben auch diese problemlos gemeistert.

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Defektes Treppengehäuse am Eingang des Expeditionsmobils. Notleiter daneben.

Kleine Treppe – grosser Aufwand

Nach der Reise zurück gekehrt, mussten wir uns jedoch unserem Problem Wohnmobil Treppe intensiv stellen. Mein Mann konsultierte mehrere Fachleute, ein Ingenieurbüro und einen Fahrzeugbauer. Beide bestätigten unsere schlimmsten Befürchtungen. Die bestehende Konstruktion war Pfusch und konnte keinesfalls aufrecht erhalten werden. Alles musste komplett überarbeitet und grösstenteils neu aufgebaut werden.

Die ursprüngliche Treppe war nämlich nicht nur extrem reparaturanfällig, sondern geradezu lebensgefährlich, ein Sicherheitsrisiko für uns und alle Passanten, die am Fahrzeug vorbei gingen.
Denn wenn das Seil einmal während der Fahrt gerissen wäre, oder während jemand direkt vor dem Treppengehäuse gestanden hätte, und die gesamte Treppenkonstruktion mit insgesamt 160 kg Druck zur Seite heraus geschossen wäre. Hätte die Wucht dieses Geschosses vermutlich jemanden erschlagen oder zumindest schlimme Blessuren verursacht.

Wochenlang überlegten die Spezialisten, zusammen mit Robert, eine gangbare Lösung.

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Technische Zeichnung Wohnmobiltreppe.

Und planten schliesslich folgende Komponenten komplett neu zu konstruieren, die vom Hersteller entweder von Anfang an falsch und unprofessionell verbaut worden oder aufgrund zu schwacher Materialien bereits sehr schnell total verschlissen, kaputt und unbrauchbar geworden waren:

  • Der Halterungsrahmen des Treppengehäuses wurde komplett neu, stabil und massiv aufgebaut, verzinkt und ersetzt.
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    Neue Rahmenhalterung.

    Da der alte Rahmen vom Hersteller einfach in der Mitte durch gefräst und wieder schräg zusammengeschraubt worden war, was eine enorme Instabilität zur Folge hatte. Ausserdem war vom Hersteller generell zu schwach dimensioniertes Material für die Rahmenhalterung verwendet worden, das nicht verzinkt worden war und sehr schnell Rost angesetzt hatte.

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    Ursprüngliche, rostende, instabile Rahmenhalterung Wohnmobiltreppe.

  • Das Treppengehäuse musste ebenfalls komplett neu gebaut und eingesetzt werden, da das alte aus zu schwachem Blech total verbogen und verrostet am Zerfallen war.
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    Rostendes, verbogenes altes Treppengehäuse.

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    Zerrissenes Blechgehäuse der Treppe.

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     Partiell durchgerosteter Gehäuserahmen der Treppe nach drei Jahren.

  • Die Führungsrollen der Treppe mussten durch neue ersetzt werden, da die bestehenden sich durch den Gebrauch der Treppe im wahrsten Sinne des Wortes „aufgerieben“ hatten und dadurch nicht mehr rund liefen.

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    Kaputte Führungsrollen mit gebrochener Plastikunterlagsscheibe.

  • Die Gesamtkonstruktion wurde aus Sicherheitsgründen neu ohne Gasfeder Druck umgebaut, um die Gefahr eines unkontrollierten Geschosses zu bannen und den Seilzug während eingezogener Treppe zu entlasten.
  • Eine zusätzliche Arretierung und Sicherung bei eingefahrener Treppe wurde ergänzt, damit die Treppe während der Fahrt durch Vibration nicht selbständig seitlich aus ihrem Gehäuse rutschen und hervorstehen kann.

Der Ausbau der bestehenden Treppe und Einbau der komplett neuen Konstruktion dauerte von der Planung über die Materialbestellung bis zur Fertigstellung circa drei Monate, während derer wir nicht verreisen konnten. Über die Kosten der gesamten Aktion schweigen wir hier lieber, Profis unter den Lesern können den immensen Aufwand vermutlich abschätzen.

Wundern müssen wir uns allerdings, dass die ursprüngliche Pfusch-Konstruktion offensichtlich immer noch vom Hersteller verbaut wird.

Unsere komplett überarbeitete Wohnmobil Treppe funktioniert nun seit geraumer Zeit einwandfrei. Und es ist sehr entspannend, die Seilwinde mit einem guten Gefühl bedienen zu können. Ohne Furcht, von einem berstenden Seil oder einer heraus schiessenden Treppe erschlagen zu werden. Von stundenlangen Reparaturen in Regen, Wind und Wetter ganz zu schweigen. Baumärkte haben wir so auf unseren letzten Reisen auch nicht mehr ganz so oft besuchen müssen. Und konnten uns stattdessen den wirklich schönen Dingen des Reisens widmen.

Um unsere funktionierende Treppe (und uns ) vor jeglichem weiteren Unbill durch Wind und Wetter zu schützen auf unseren Reisen, haben wir ihr zusätzlich noch eine Dachkonstruktion gegönnt, die uns ein geschütztes Entrée garantiert an Plätzen, wo wir mehrere Tage stehen möchten.

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Überdachter Treppeneingang.

Und die Moral von der Geschicht: „Trau, schau wem!“ Kauf Dir nur ein Expeditionsmobil, wenn Du technisch versiert bist, gerne bastelst und ein kleines Budget für Unvorhergesehenes hast.

P.S. Das war natürlich nicht die letzte Panne an unserem, dennoch heiss geliebten, „Koffer“. Weitere Stories folgen…

nurMut…erst wenn Du jede Schraube Deines Mobils mit Vornamen kennst, bist du gewappnet für die grosse, weite Welt.

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